Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Turbo, Crash, hochsensibel oder Boreout? Eine neue Sichtweise auf das Phänomen Stress, 24. März 2014
Rezension bezieht sich auf: Welcher Stresstyp bin ich?: Stress gezielt bewältigen (Taschenbuch)
Vine Kundenrezension eines kostenfreien Produkts (Was ist das?)
Stress sells, könnte man sagen, denn es gibt in unserer Gesellschaft kaum Menschen, die sich nicht gestresst fühlen, zumindest akut. Entsprechend viele Ratgeber gibt es zum Thema. Carien Karsten ist Psychologin und Autorin. Ihr Buch wurde aus dem Niederländischen übersetzt. Die Patientenbeispiele rekrutieren sich auch entsprechend überwiegend aus der niederländischen Bevölkerung.
Was ist neu an Karstens Ansatz. Zunächst mal nicht so viel, denn eigentlich gehen die Stresstypen auf US-amerikanische Frauenärzte zurück, die nach dem 11. September 2001 festgestellt hatten, dass Frauen teilweise höchst unterschiedlich auf die belastenden Ereignisse reagiert hatten. Und auch allgemein lässt sich feststellen, dass offensichtlich kein Patentrezept gegen Stress existiert. Klar, Stress abbauen, vermindern - aber das tun manche Menschen auf andere Weise als man selbst. Häufig wird Sport empfohlen. Bei der Mehrheit hilft Bewegung auch, aber es gibt nunmal auch Menschen, bei denen es eher kontraproduktiv ist und nur noch mehr Stress mit sich bringt. Sie bräuchten stattdessen Ruhe.
Karsten unterscheidet zwischen vier Stresstypen: Der Crash-Typ ist der Typ, der am häufigsten vorkommt. Er lebt quasi von seiner enormen Willenskraft und baut so lange Stress auf, bis er im wahrsten Sinne des Wortes umfällt. Er fährt sich quasi immer wieder gegen die Wand. Liegt oft am Wochenende flach, nachdem er die ganze Woche durchgepowert hat. Der Turbo-Typ kommt nicht ganz so häufig vor. Er gibt quasi immer Gas, bricht aber nicht in der Regelmäßigkeit zusammen wie der Crash-Typ. Er braucht ein gewisses Maß an Beschäftigung, sonst bedeutet das erst recht Stress. Der hochsensible Typ ist recht selten (unter den Männern in der ausgewerteten Gruppe ist er überhaupt nicht vorgekommen). Er ist - wie der Name schon sagt hochsensibel. Er opfert sich auf, stellt eigene Belange zurück und nimmt stets Rücksicht auf andere. Er leidet vor allem unter internen Reizen, die v.a. Traumatisierungen in der Kindheit und Jugend geschuldet sind. Der Boreout-Typ ist ebenfalls recht selten. Er unterfordert sich quasi permanent, weil er Angst vor Stress hat - aber genau das bringt den Stress mit sich. Er traut sich nicht viel zu: "Ich möchte schon, aber ich fürchte, dass ich es noch nicht kann." Eine überbeschützende Mutter kann eine wichtige Rolle spielen.
Zu den Stresstypen muss ich sagen: Kategorisierungen sind immer heikel. Natürlich wird es kaum jemanden geben, der perfekt in eine der vier Schubladen passt. Die meisten Menschen sind ausgesprochene Mischtypen. Und selbst die sind einem Wechsel in verschiedenen Lebensaltern unterworfen. Ich habe aber tatsächlichen einen Bekannten in meinem Umfeld, den ich als ausgesprochenen Boreout-Typen bezeichnen würde (natürlich auch bisweilen mit Anteilen aus den anderen Kategorien). Die Einteilung ist prinzipiell also nicht schlecht. Sie kann zum Nachdenken über das eigene (Stress)Verhalten anregen. Auch darüber, dass der eigene Stresstyp während der vergangenen Jahre evtl. gewechselt hat - und was das möglicherweise aussagt.
Den eigenen Stresstyp kann man durch einen Typen-Test ermitteln. Hier findet man ca. 50 Fragen, die mit 0 (trifft nicht zu), 1 (trifft manchmal zu) und 2 (trifft immer zu) beantwortet werden können. Die Auswertung zeigt dann auf, in welche Kategorie man fällt. Sowohl mein Mann als auch ich sind in keiner Kategorie auch nur annähernd an die 20 Punkte rangekommen, die einen auf diese Kategorie festlegen würden. Beim Test fällt zudem auf, dass er sehr stark auf Frauen ausgelegt ist. Es geht unter anderem um PMS und Wechseljahresbeschwerden und darum, wo man eher Fett ansetzt (ob an Bauch oder Oberschenkeln und Hüften). Gerade bei PMS sind Männer natürlich aus dem Spiel...
Bevor die Einteilung der Stresstypen und die ausführliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Typ (Was heißt das eigentlich physiologisch/emotional/kognitiv usw? Was kann ich tun? Wie sollte ich mich ernähren? usw.) erfolgt, erläutert die Autorin zunächst das Phänomen Stress im Allgemeinen. Was passiert eigentlich bei Stress in unserem Körper? Die Stresstypen sind auch durch ein Ungleichgewicht bei der Ausschüttung verschiedener Stresshormone - v.a. Adrenalin und Cortisol. Die sogenannte HPA-Achse wird aktiviert. Manche Menschen schütten zu viel Cortisol und Adrenalin aus (Turbo-Typ), andere zu viel Adrenalin und zu wenig Cortisol (Crash), zu wenige Adrenalin und zu viel Cortisol (hochsensibel) oder von beidem zu wenig (Boreout). Bei Männern und Frauen kommen noch andere Hormone ins Spiel, die einen unterschiedlichen Umgang mit Stress bedeuten. Oxytocin spielt hier zum Beispiel eine wichtige Rolle.
Es gelingt der Autorin ganz gut die Grundlagen der Stressreaktion zusammenzufassen. Auch die Selbstmanagement-Tipps am Ende (nach den Stresstypen) sind sehr gelungen.
Als Wissenschaftlerin fällt mir persönlich auf, dass einige Faktoren z.B. bei der Testauswertung nicht mit einfließen. Stichwort: Soziale Erwünschtheit. Wie kommt es z.B., dass es keinen männlichen Teilnehmer bei der Befragung gab, der hochsensibel war? Weil Männer einfach nicht hochsensibel zu sein haben... Das fällt schon beim Fragenkatalog auf, dass hier Männer einfach aus dem Raster fallen. Auch bei den Beispielklienten ist das Buch etwas frauenlastig. Es fehlen auch die soziologische und z.B. die kulturelle Perspektive. Zudem richtet es sich schon stark an wirklich stresskranke Menschen, die unter chronischem Stress leiden.
Trotzdem ist es eine spannende und interessante Lektüre, die einem die Augen öffnen kann, für das Phänomen Stress, das von vielen Therapeuten tatsächlich noch zu homogen gesehen wird. Eine durchaus lesenswerte Lektüre also!
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