Kundenrezension

203 von 258 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Deutsche sind nicht die Zielgruppe, 10. November 2007
Rezension bezieht sich auf: Der Gotteswahn (Gebundene Ausgabe)
Das Buch kann man grob in 3 Teile teilen, die für den deutschen Leser sehr unterschiedlichen Qualität haben:
Im ersten drittel geht es tatsächlich um die Frage, ob Gott existiert.
Der Teil ist zu lang und bringt demjenigen, der sich überhaupt schon mal ernsthaft mit dieser Frage auseinandergesetzt hat, nicht viel Neues.
Natürlich gibt es keine Antwort, Dawkins erklärt aber ganz überzeugend, warum er Gott für extrem unwahrscheinlich hält.
Dabei ist gut, dass er zuerst Gott begrifflich soweit definiert, das man wirklich darüber reden kann und das ganze nicht beliebig bleibt.

In häufigen, inhaltlichen Wiederholungen werden einzelne Aspekte in wenig philosophischer, oft auch nicht unbedingt wissenschaftlicher Weise dargelegt.
Lieber zitiert Dawkins reihenweise Leute für seine Ansichten, und bringt dazu u.a. besonders dämliche Zitate von (Möchtegern-)Theologen.
Das ist zwar ganz unterhaltsam, aber eben nicht beliebig lange.
Wirklich gestört hat mich, dass er bei einigen der Befürworter seiner Thesen aus früheren Zeiten, die man heute leider nicht mehr befragen kann, auch nicht davor zurückschreckt, Annahmen darüber zu machen, was sie wohl eigentlich hätten sagen wollen, wenn sie nicht so höflich/etabliert/diplomatisch/abhängig gewesen wären.
Seine Vermutungen mögen durchaus korrekt sein, aber es ist nicht besonders seriös.
(Why I am Not a Christian (Warum ich kein Christ bin), von Bertrand Russell, 1927, ist viel kürzer und ergiebiger!)

Zu der Kritik der Theologen, die u.a. in den Rezensionen anklingt, möchte ich aber anmerken, dass Theologen "fachlich" erst im Vorteil sind, wenn man als gegeben annimmt, dass (ein biblischer) Gott existiert. Zu der Frage der Existenz haben sie nicht mehr zu sagen als jeder andere Mensch.

Im 2. Teil versucht er zu klären, warum es überhaupt Religion gibt und die Frage zu klären, ob Moral ohne Religion möglich ist.

Im 3. und wichtigsten Teil erklärt er seine Feindschaft gegenüber ALLEN Religionen.
Er zitiert viele wichtige Leute aus der Evangelisten- und Kreationisten-Ecke der USA. Wirklich erstaunlich ist dabei die Verbreitung dieses Gedankenguts und in wieweit diese Spinner(sorry, aber bei der Schere im Kopf, die man haben muss, um eine neue "Naturwissenschaft" zu erfinden, damit man erklären kann, dass die Erde nur 6000 Jahre alt ist und wie alle Tiere in der Arche Platz gefunden haben, kann ich es nicht anders nennen) in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.

Letztendlich kann man die wirklich radikalen Christen (jenseits der Kreationisten) in den USA nur als Faschisten bezeichnen, die offensichtlich von einem amerikanischen Gottesstaat a la Taliban anstreben.
Der eigenen Rhetorik zufolge werden diese Leute sich sicher nicht damit aufhalten, z.B. Homosexuelle erst in Lager zu sperren.

Bei aller berechtigten Kritik an dem Buch darf man meiner Meinung nach nicht Ziel und Zielgruppe vergessen.
Unter dem Blickwinkel würde ich das so interpretieren:
Zuerst erklärt er den Amerikanern, warum man nicht unbedingt Christ (bez. religiös) sein muss, um ein Mensch zu sein.
Danach warum man auch als Atheist moralischen Denken kann, und am Ende, warum die gemäßigten Religionen den Boden für die radikalen bereiten und warum man seine Kinder vor einer religiösen Erziehung schützen sollte.

Aus deutscher Sicht scheint er das Kind mit dem Bade auszuschütten, aber die Perspektive, die letzte verbliebene Supermacht könnte zu einem Taliban-Staat werden, ist dermaßen beängstigend, dass es besser sein könnte (zumindest als Amerikaner), jede Religion aufzugeben.

Das Gott zu Bush spricht kann hier als Hinweis dienen, wo Amerika angekommen ist.
Die Kreationisten haben 100 Jahre gebraucht, um Mainstream zu werden, die radikaleren dürfen es nie schaffen!
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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1-10 von 11 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 06.09.2008 19:57:35 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 06.09.2008 20:01:48 GMT+02:00
Zaphod meint:
Brilliant

Veröffentlicht am 24.10.2008 11:06:21 GMT+02:00
moduro meint:
Kurz und bündig auf den Punkt gebracht. Danke, dass Sie sich die Zeit für diese Rezension genommen haben.

Veröffentlicht am 03.12.2008 22:41:52 GMT+01:00
Rep22 meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 06.03.2009 11:08:33 GMT+01:00
Philipp meint:
"Dabei ist gut, dass er zuerst Gott begrifflich soweit definiert, das man wirklich darüber reden kann und das ganze nicht beliebig bleibt. "

Ja, gut, aber kann man das denn überhaupt? Ich kann mir gut vorstellen, dass man sich so einen Strohmann baut auf den man gut "eindreschen" kann.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.06.2009 08:08:29 GMT+02:00
bonefiesler meint:
Ich muss Ihnen widersprechen! Dieses Buch spricht insbesondere auch uns Deutsche an. Wir tun zwar gerne so, sind aber in Wirklichkeit kein säkularisiertes Land. Bischofsgehälter werden von ganz normalen Steuergeldern (keine Kirchensteuern) bezahlt, Religion ist in den meisten Bundesländern Pflichtfach, die Lehrplaninhalte und das Personal bestimmen die Religgionsgemeinschaften, die gesamten Kosten trägt der Staat. Religionsgemeinschaften haben arbeitsgesetzliche Sonderregeln, die zur Diskriminierung beitragen und von deutschen Arbeitsgerichten oft unterstützt werden. Jede Schule lässt zu Jahresanfang und Jahresende zu Gunsten des Kirchganges Unterricht ausfallen. All das wird von der Bevölkerung akzeptiert und kaum in Frage gestellt. Dieses Buch ist definitiv auch für uns Deutsche.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.06.2009 23:42:04 GMT+02:00
FalcoBlitz meint:
Begrifflich definieren muss man es sogar, denn wenn jeder Gott nur als sein eigenes, nur in den eigenen Gedanken beschreibbares Phantasiegebilde betrachten würde, dann könnte man erstens gar nicht darüber sprechen und zweitens: welchen Sinn ergäbe es, einer "Traumfigur" Vertrauen und Glaube entgegen zu bringen ?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.06.2009 16:49:27 GMT+02:00
MachineHead meint:
> Wir tun zwar gerne so, sind aber in Wirklichkeit kein säkularisiertes Land. Bischofsgehälter werden von ganz normalen Steuergeldern (keine Kirchensteuern) bezahlt, ...

Nur dass gerade in den USA diese Finanz-Säkularisierung gegeben ist. Finanz-Säkularisierung wird Fundamentalismus vielleicht eher fördern als eindämmen. Wenn man für weitergehende Säkularisierung ist, ist es vielleicht trotzdem hilfreich, Gläubige nicht allesamt zu verdammen, sondern eine vernünftige Lösung anzustreben, am besten sogar auf demokratischen Wege ohne Hasspredigten.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.07.2009 16:53:52 GMT+02:00
T. Buchholz meint:
Was den Fundamentalismus in den USA fördert, ist dass religiöse Großunternehmen Steuerfreiheit genießen. In den USA wie auch hier sind doch die Atheistenverdammer nach wie vor in der großen Mehrheit - nur das den Gläubigen die Argumente und Beispiele für die Verdammung fehlen, wärend die Rationalisten jede Menge davon haben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.05.2010 17:05:04 GMT+02:00
RuhigBleiben meint:
Sehr geehrter Herr Martin,

für eine wissenschaftliche Herangehensweise ist es erforderlich, den Untersuchungsgegenstand zu definieren. Ansonsten weiß keiner, worum es überhaupt geht. Dawkins würde sonst im allgemeinen Gefasel enden.

Hochachtungsvoll Ruhigbleiben

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.05.2010 17:17:15 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 07.06.2011 08:47:05 GMT+02:00
RuhigBleiben meint:
Sehr geehrter Motörfett,

ich glaube nicht, dass die Finanz-Säkularisierung den Fundamentalismus fördert.
Natürlich muss man die Gläubigen nicht verdammen, aber auch nicht die Religionskritiker.

Eine vernünftige Regelung wäre für mich, dass die Religionen und weltanschaulichen Vereine ihre Kosten selbst tragen. Warum sollen andere sie stützen? An den Schulen gibt es einen weltanschaulich neutralen Ethikunterricht, der auf gegenseitig Toleranz (Duldung), man muss ja nicht mit der Anschauung übereinstimmen, sein sollte.

Hochachtungsvoll Ruhigbleiben
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