Kundenrezension

24 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen (Zu) typisch Raab, 27. Juni 2010
Von 
Rezension bezieht sich auf: My Cassette Player (Audio CD)
Ja, die Wirkkraft einer Sängerin wie Lena Meyer-Landrut steht und fällt mit dem zu interpretierenden Material. Ihr wurde während des USFO-Castings immer wieder bescheinigt, jedes Song-Material so verarbeiten zu können, dass es als originäres Lena-Lied daherkommt.

Nun, dieses Werk beweist imposant das Gegenteil.

Lustigerweise sind es just die Songs, die aus der Feder ihres Mentors Stefan Raab stammen, die am wenigsten Lena-esque sind. Von den 13+1 Stücken dieses Albums sind das 6. Dass Lena eine eigenständige Darbietung dieser Titel so schwer fällt, mag daran liegen, dass es nun mal nicht leicht ist, den Stefan-Raab-Plastik-Funk anders wiederzugeben als Stefan Raab.

Einschätzung jedes einzelnen Titels:

1. Satellite (Frost / Gordon): Pop as Pop can. Diesen etwas kantigen Pop-Song dürfte inzwischen jeder gehört haben. Die harmonischen Kanten lassen ihn sehr gut aus anderen Pop-Produktionen herausstechen; die minimalistische Instrumentierung bieten der Interpretin Raum zur Entfaltung. (****)

2. My Cassette Player (Raab / LML): Easy-Listening-Bass-Loop mit zahlreichen Sound-Spielereien (Claps, Ukulele (!) etc). Lena hat kaum eine Möglichkeit, hier etwas von ihrer Dynamik unterzubringen. Im Großen und Ganzen einfach langweilig. (**)

3. Not Following (Goulding / Latimer): Hier erkennt man sofort das eingangs beschriebene Phänomen. Der Song stammt nicht von Raab und Lena ist plötzlich wieder in der Lage, Dynamik und Charme zu versprühen. (****)

4. I Like To Bang My Head (Raab / LML): Bei diesem Song kommt wohl der Raabsche Plastik-Funk am stärksten rüber. Leider ist der aber so plattgezogen und anämisch, dass man wenig Lust bekommt, seinen Kopf zu schütteln. Auch hier werden wieder reichliche Sound-/Sprach-Spielereien eingesetzt, als ob vom schwachen Kompositionsgerüst abgelenkt werden muss. (**)

5. My Same (Adkins): Guter Track. Unverspielte Instrumentierung mit richtigen Instrumenten. Sehr dynamischer Song. Leider ist Lena nicht ganz so dynamisch wie bei einer Live-Performance (ist halt 'ne Rampensau). Trotzdem eine sehr schöne Interpretation. (****)

6. Caterpillar In The Rain (Raab / LML): Nette Ballade. Hätte eine Minute kürzer und spärlicher instrumentiert sein können. Nur Piano wäre vollkommen ausreichend gewesen. Wenn dann aber noch Gitarre und Synth-String-Klangteppich nach und nach eingeführt werden, sollte es einen Kontrastpunkt geben. Der ist aber nicht vorhanden. (***)

7. Love Me (Raab / LML): Raab-Plastik-Funk. Wieder seltsame Instrumentierung. Nur Bass und Drum-Computer dürfen ganzzeitig zu hören sein. Zwischendurch kommen Piano, ein Funk-Gitarren-Riff, Claps und ein paar Synth-Effekte durch. Auch hier sind nur wenig Abwechslung und Dynamik auffindbar. (***)

8. Touch A New Day (Raab): Ein vollständig kantenloser fast schlagerhafter Song, der sich um jegliche Kontraste und dynamischen Entwicklungen herumstiehlt. Auch hier wieder computerisierte Percussion-Effekte (Snipping); warum auch immer. Hinzu kommt ein absolut belangloser, sinnbefreiter Text. Absolut ärgerlich, dass dies die zweite Single-Auskopplung aus diesem Album werden soll. (*)

9. Bee (Golan / Ottestad / Strauss): Netter Pop. Aber auch hier fällt wieder auf, dass anscheinend kaum ein Track ohne Clapping und andere Hintergrund-Spielereien auskommt. Das ist einfach unverständlich, da es den Raum der Interpretin zumüllt anstatt ihr Luft zu geben. (***)

10. You Can't Stop Me (Raab): Wieder ein recht einförmiger Funk-Track. Immerhin gibt es sowas wie einen Kontrastpunkt (eine kurze Interlude). Auch hier gibt es wieder Clapping. Ich verstehe es nicht. Und wiederum findet man einen absolut sinnbefreiten Text. (***)

11. Mr. Curiosity (Mendez / Morris / Mraz): Diesen Song hat Lena während ihres Castings sehr eindrücklich interpretiert. Leider hat die Gänsehaut-Wirkung durch die Studio-Produktion etwas nachgelassen. Trotzdem einer der besten Tracks auf diesem Album. (****)

12. I Just Want Your Kiss (Schaub / Lammers / Raab): Die nicht-überladene Produktion dieses Tracks lässt Lena genug Raum, um ihren Zauber zu verbreiten. Außerdem kann sie sich hier endlich wieder der Führung einer dynamischen Entwicklung widmen, die in einem trockenen Ende kulminiert. Sehr schön. (****)

13. Wonderful Dreaming (Raab / LML): Ähm, hust. Wer sich ein wenig mit dem musikalischen Erbe des Stefan Raab befasst hat, wird möglicherweise das Werk "Wir kiffen" kennen. Nun, hier liegt die 10% langsamere Version davon vor. Jedesmal wenn ich "Wonderful Dreaming" höre, bin ich versucht, nach jeder Strophe den "Wir kiffen"-Soundschnipsel dazuzuinterpretieren. Leider findet man auch hier keine musikalischen Kontraste. Das ist alles eher so Easy-Listening-Stoff mit ebenso leider eher schlechterem Text von Lena. (**)

13+1. We Can't Go On (Schaub?): Hell, yes. Wenn es schon Pop sein muss, dann so. Dieses Stück überzeugt durch sehr eindringende Beat+Bass-Kombination aber sonst eher spärliche Instrumentation. Lenas Interpretationstalent erhält freien Lauf. Sie darf sich durch eine Herzkasper-Bridge kämpfen, die diesen Song wunderbar auflöst. Der Track ist herrlich retro produziert. Man hört auch (wahrscheinlich) ein Klick-Fragment eines Sound-Samples. Das mag zwar vor allem für gute Ohren anfangs etwas verstörend sein, gibt diesem Song aber einen unvergesslichen Charme. Es ist ehrlich gesagt eine Schande, dass dieser Song "nur" als Amazon-Exclusive erhältlich ist und nicht auf dem eigentlichen Album vertreten. So frisch und originell wie dieser Song hätte das ganze Album oder wenigstens ein größerer Teil davon klingen sollen. (*****)

Zusammenfassend kann ich wohl sagen, dass mir weniger Raab wahrscheinlich besser gefallen hätte.

An die Rezensenten, die hier Vergleiche des Song-Materials mit dem von Stefanie Heinzmann anstellen: Ihr liegt absolut daneben. Wirklich.
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Kommentare


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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 01.07.2010 23:16:06 GMT+02:00
ralphdausm meint:
Mit Abstand die beste Rezension, die ich zu dieser CD gelesen habe. Hundertprozentige Zustimmung. Natürlich war klar, dass man im ESC-Hype auch ein entsprechendes Album brauchte. Wir haben erlebt, dass Lena richtig gut sein kann. Leider zeigt das Album ihre Fähigkeiten nur in etwa der Hälfte der Tracks. Und zwar genau so, wie Du es beschrieben hast.

Veröffentlicht am 02.07.2010 08:14:14 GMT+02:00
Das ist eine Muster-Rezension. Respekt. Die Bewertung der einzelnen Tracks ist natürlich subjektiv, andere Rezensenten, die sich eingehend mit den Stücken auseinandergesetzt haben, kommen aber zu ähnlichen Bewertungen. Sollte ganz oben als hilfreichste Rezension stehen. Mithelfen!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.08.2010 23:34:02 GMT+02:00
Ben meint:
Eine wirklich gelungene Rezension, die meiner eigenen Meinung ziemlich nahe kommt!
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