Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Nicht perfekt, aber zum großen Teil überzeugend, 30. Oktober 2012
Rezension bezieht sich auf: Lulu (Audio CD)
Es handelt sich hier um einen Live-Mitschnitt der von Friedrich Cerha vervollständigten dreiaktigen Fassung von Alban Bergs zweitem Meisterwerk für die Bühne. Insofern liegt ein Vergleich zur klassischen Boulez-Einspielung (die 1979 im Anschluss an die sensationelle Pariser Erstaufführung der dreiaktigen Version entstanden war) nahe.

Sängerisch ist die Boulez-Einspielung dieser unter Jeffrey Tate bei Betrachtung der Rollen im Einzelnen fast durchgehend leicht bis deutlich überlegen. Das betrifft nicht nur die vielen Nebenrollen, die im Boulez/Chereau-Team charakteristischer besetzt waren (z.B. Schigolch – beim Vergleich der beiden 'Altstars' Hans Hotter bei Tate gegen Toni Blankenheim bei Boulez hat Blankenheim leicht die Nase vorn, Athlet – hier nervt das 'Berlinern' in der Tate-Aufnahme, Marquis – wunderbar Pampuchs 'müder' Tonfall bei Boulez), sondern auch zwei Hauptrollen: Franz Mazura bei Boulez verkörpert den "Gewaltmensch" Dr. Schön doch noch etwas überzeugender, als dies hier Wolfgang Schöne gelingt, während der larmoyante Tonfall Brigitte Fassbaenders als Gräfin Geschwitz (bei Tate) nur als völlige Fehlinterpretation zu werten und der Gestaltung dieser Rolle durch Yvonne Minton bei Boulez klar unterlegen ist.

Doch bei Betrachtung der beiden anderen - entscheidenden - Hauptrollen dreht sich das Bild zugunsten der Tate-Aufführung: Patricia Wise mag in der Titelpartie distanzierter wirken als die sich rückhaltlos mit der Rolle identifizierende Teresa Stratas bei Boulez, doch im Gegensatz zu dieser ist Wise tatsächlich in der Lage, diese immens schwierige Partie wirklich präzise zu singen (Adornos Charakterisierung der Partie als einem "Ballett der Stimme" wird hier nachvollziehbar) und zwar einschließlich der (durchgehend in der jeweils schwierigeren Variante vorgetragenen) Koloraturen, die bei Stratas kaum erahnbar waren (obwohl diese durchgehend die erleichterten Varianten wählt). Was den Alwa betrifft, ziehe ich Peter Straka bei Tate dem weinerlichen und angestrengten Kenneth Riegel bei Boulez ebenfalls klar vor.

Das Orchester wird von Tate durchsichtig geführt, freilich ohne dass er die Schlüssigkeit und (an den entsprechenden Stellen) Durchschlagskraft von Boulez' Dirigat erreichen würde.

Zwar ist die Balance der Aufnahme zuungunsten des Orchesters verschoben, doch ist sie der sehr pauschal und undurchsichtig klingenden Boulez-Aufnahme, was die Durchhörbarkeit betrifft, deutlich überlegen (was angesichts des komplexen Stimmengeflechts von Bergs Partitur ein großer Vorteil ist).

Quantitativ scheinen die Pluspunkte der Boulez-Aufnahme zu überwiegen und doch würde ich die Tate-Aufnahme vorziehen: Zu schwer wiegen die deutlich überzeugenderen Besetzungen der Lulu und des Alwa sowie das wesentlich durchsichtigere Klangbild.

(Bedauerlich bleibt, dass es keinen Mitschnitt von Gielens Berliner Staatsopern-Aufführung mit Laura Aikin bzw. Christine Schäfer gibt.)
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