Kundenrezension

23 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Wider das Ausspielen verschiedener Wissenschaften, 27. Februar 2012
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Rezension bezieht sich auf: Die Ökonomie von Gut und Böse (Gebundene Ausgabe)
Die Stärke dieses Buches ist sein provokanter Ansatz, gerade weil es "geisteswissenschaftliche" Inhalte einbezieht.

Ich habe daher nicht ganz verstanden, was Lena Waider als Rezensentin eigentlich sagen will. Verstanden habe ich nur, sie verstehe Sedlacek nicht, sie vermutet, dass liege daran, dass sie Naturwissenschaftlerin sei und sie halte dies Buch ein für "die geisteswissenschaftlich unterwanderten Feuilltons" geschaffenes Werk. Es läuft also darauf hinaus, dass Lena Waider hier eine extreme Abneigung gegenüber den Geisteswissenschaften (=Nicht-Naturwissenschaften?) kundtut und dies zur Grundlage gegenüber ihrer Bewertung macht.

Persönlich missfällt mir dieser ausgrenzende Ansatz von der Rezension von Lena Waider gegenüber 'Geisteswissenschaftlichem'. (Die Ökonomie ist übrigens weder eine Geistes- noch eine Naturwissenschaft. Sie ist eine Sozialwissenschaft - man könnte sie auch Begriff den humanities zuordnen.) Diejenigen methodischen, wissenschaftlichen Ansätze sind zur Erklärung eines Phänomens zu Rate zu ziehen, die es gut, am besten erklären können. Tatsächlich erklärt der Ansatz von Sedlacek eine ganze Menge (dasselbe gilt von David Graeber, Debt http://www.amazon.de/Debt-The-First-000-Years/dp/1933633867/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1330509304&sr=8-1 deutsche Ausgabe: http://www.amazon.de/Schulden-Die-ersten-5000-Jahre/dp/3608947671/ref=pd_sim_eb_1). Der Ökonom Sedlacek sagt hierzu: Wir sollten auf diejenigen wissenschaftlichen Erklärungen hören, die schon vor der Krise vor ihr erklärend gewarnt haben: Das waren Soziologen, Ethnologen, Historiker, Philosophen. (Vgl. auch das Gespräch mit Sedlacek bei der Sendung "Sternstunde Philosophie" (Youtube)).

Daher ist es mehr als begrüßenswert, wenn der Ökonom Sedlacek derartige außerkönomische Theorieansätze verwendet, um die Krise zu erklären. Interessant ist, dass Sedlacek (wie auch Graeber) die ökonomisches Handeln selbst moralisiert. In seinen Augen ist jedes wirtschaftliche Handeln auch moralisch zu bewertendes Handeln. Naheliegend, dass das Personen nicht schmeckt, die wertfreies Wirtschaften propagieren, ohne dafür argumentativ eine belastbare anthropologische (wieder eine "Geisteswissenschaft") Grundlage geschaffen zu haben. (Schon Friedman hierzu: Der wesentliche menschliche Antrieb ist die Gier.)

Der homo oeconomicus wird schon lange als unzureichend Basis für jedes ökonomische Modell gesehen. Um den homo zu untersuchen, bedarf es aber auch der Geistes- und der Sozialwissenschaft (dabei will ich naturwissenschaftliche Modelle gar nicht ausklammern, da sich dies in meinen Augen nicht ausschließt). Um so unverständlicher, dass Ansätze wie die von Sedlacek oder auch Graeber tatsächlich entgegnet wird, sie könnten nichts erklären, weil sie (a) methodologisch nicht das gängige Modell vertreten (was 2007/8 grandios versagte) und (b) methodologisch sozial/geisteswissenschaftliche Ansätze

Das war jetzt viel Verteidigung, weil ich die Kritik an Sedlaceks methodologischer Ansatz nicht nachvollziehbar fand. Besonders irritiert mich, dass Lena Waider in ihrer Rezension dann vor allem die Evolutionäre Ökonomie propagiert. Diese hat mit dem Buch von Sedlacek gar nichts zu tun und erscheint mir deplazierte Werbung zu sein. Zweitens ist nun genau diese sehr junge Forschungsrichtung Evolutionäre Evolutionäre Ökonomie in sehr hohem Maße wissenschaftstheoretischen Kritikpunkten ausgesetzt. Denn anders als (die bezüglich der Entstehung der biologischen Arten weitgehend unbestrittene) Evolutionstheorie entwickeln sich diverse Evolutionsforschungsansätze mit dem Anschein der exact sciences zu spekulativen Forschungsfeldern. So kritisiert S. J. Gould an der vergleichsweise (seit den 1970ern) etablierten Evolutionären Psychologie, ihre "Annahmen über die evolutionäre Bildung kognitiver Mechanismen seien häufig nicht mehr als plausibel klingende Geschichten, die sich nicht im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung bestätigen oder widerlegen ließen." (Vgl. Wikipedia zu Evolutionäre Psychologie) Die noch jüngere Evolutionsökonomie dürfte ähnlichen Angriffen ausgesetzt sein.

Wer also verschiedene methodischen Ansätze verknüpfendes, nicht engstirniges Denken schätzt, dem sei Sedlaceks Buch wärmstens empfohlen. Bei den anderen hoffe ich auf Besserung.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 29.02.2012 20:31:29 GMT+01:00
Oleandra meint:
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