Kundenrezension

2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Komplex und herausfordernd - lohnt sich vor allem für Lovecraft-Fans, 14. November 2012
= Haltbarkeit:4.0 von 5 Sternen  = Spaßfaktor:4.0 von 5 Sternen  = Pädagogisch wertvoll:2.0 von 5 Sternen 
Rezension bezieht sich auf: Heidelberger Spieleverlag HE105 - Arkham Horror Deutsch (Spielzeug)
"Arkham Horror" kommt in einer gewichtigen Verpackung: Es gibt unzählige Ereigniskarten, verschiedenste Gegenstände, eine große Anzahl an unterschiedlichen Markern und Monstern, diverse Ermittler, in deren Rolle die Spieler schlüpfen können, mehrere aus dem Lovecraft'schen Mythos bekannte "Große Alte" als Hauptgegner (darunter "Kapazunder" wie Cthulhu, Shub-Niggurath und Nyarlahothep) und natürlich ein riesiges Spielbrett mit den unterschiedlichen Orten und Straßen der fiktiven Stadt Arkham. All das wurde liebevoll und qualitativ hochwertig gestaltet und sieht wirklich ansprechend aus. Auf viele Details wurde eingegangen - so kennt man nicht nur Monster, Große Alte und Orte aus den Erzählungen des Altmeisters. Jeder Ermittler hat noch dazu seine eigene Hintergrundgeschichte. All das ermöglicht es insbesondere Kennern der Lovecraft-Materie, sich schnell und gut in die Stimmung des Spieles zu versetzen. Wer kein Fan des amerikanischen Autors ist, wird es entsprechend schwerer haben, überhaupt etwas mit "Arkham Horror" anfangen zu können. Letztlich fängt das Spiel die Atmosphäre aber so gut ein, dass man sich durchaus vorstellen kann, dass H. P. Lovecraft damit einige neue Anhänger gewinnen könnte.

Das Drumherum stimmt also und hätte kaum viel besser gemacht werden können. Dennoch gibt es auch Anlass zur Kritik, auf die ich etwas näher eingehen möchte:

1. Aufbewahrung: Wie beschrieben, ist das Spiel in seinen einzelnen Bestandteilen sehr umfangreich. Leider wurde nicht daran gedacht, die Verpackung entsprechend zu gestalten, sodass nach Abbau des Spieles ein ziemliches Durcheinander in der Schachtel herrscht, was wiederum einen erneuten Spielaufbau sehr umständlich macht. Wer das organisiert haben will, muss hier zur Selbsthilfe greifen - schade, ein besseres Ablagesystem wäre bei der sonst so hochwertigen Arbeit wohl auch noch drin gewesen. Übrigens empfinde ich trotz des generell sehr guten Umfangs die Anzahl an beigelegten Würfeln (5) als zu gering, aber das nur am Rande.

2. Komplexität: "Arkham Horror" ist kein einfaches Spiel. Und damit meine ich nicht nur den Schwierigkeitsgrad an sich, der spätestens beim Erwachen des "Großen Alten" von "relativ schwer" auf "praktisch unmöglich" ansteigt. Bis es aber soweit ist, gilt es ganz andere Hürden zu meistern. Speziell, wer (wie ich) vorher noch nie ein ähnliches Spiel in der Hand hatte, wird große Probleme mit dem grundsätzlichen Verständnis der Spielmechanik haben. Die dürfte bei vielen derartigen Spielen zumindest ähnlich sein, was wohl auch den Entwicklern klar war. Dementsprechend wurde das Handbuch als echte Geduldsprobe für Einsteiger designed. Oder, um es ganz deutlich zu sagen: Die Beschreibung hilft gerade mal beim Aufbau des Spielbretts, bleibt danach aber in weiten Zügen vollkommen unverständlich und ist damit als unbrauchbar abzuschreiben. Ich bin mir gar nicht sicher, ob überhaupt jemals erwähnt wird, dass beim Würfeln die Zahlen 5 und 6 als Erfolg zählen - dieses grundsätzliche Wissen wird offenbar vorausgesetzt. Wer herausfinden will, wie das Spiel funktioniert, ist mit diversen Internet-Videos, in Foren und auf YouTube am besten bedient. Ein Armutszeugnis für die Entwickler, die offenbar das gesamte Geld in die Ausstattung gesteckt haben. Übrigens spiele ich die englische Ausgabe - die Anleitung ist im Original um keinen Deut besser, aber zumindest hat man so nicht mit lästigen Übersetzungsfehlern zu kämpfen, von denen ich bei der deutschen Version gehört habe.

3. Kooperation: Normalerweise sollen die Ermittler, sprich "Spieler", in "Arkham Horror" zusammen arbeiten. Das klappt, zumindest zum Teil, ganz gut. Allerdings ist die schiere Spieltiefe gerade für Einsteiger derart überwältigend, dass man froh sein kann, wenn man seine eigenen Züge auf die Reihe bekommt. Noch dazu basieren sehr viele Ereignisse im Spiel auf reinem Zufall, was eine koordinierte Vorgangsweise nahezu unmöglich macht. Zumindest anfangs, mit zunehmender Einarbeitungszeit kristallisieren sich tatsächlich die richtigen Taktiken heraus. Bis es soweit ist, gilt es allerdings viel Frust wegzustecken - ob das jeder Spieler schafft, ist fraglich. Zumindest für hartgesottene Einsteiger ist dieser Kritikpunkt aber zu vernachlässigen - schafft er doch eine grandiose Langzeitwirkung für das Spiel.

4. Spieldauer und Platzbedarf: Von zwei Dingen verschlingt "Arkham Horror" unglaublich viel - Zeit und Platz. Eine Partie soll laut Anleitung zwei bis vier Stunden dauern. Diese Zahl scheint mir selbst für Fortgeschrittene wesentlich zu tief zu sein, für Einsteiger ist sie schlicht utopisch. Allerdings muss man dem Spiel zugute halten, dass man es durchaus zwischen den Runden "pausieren" kann, auch für einige Stunden oder einen Tag. Zumindest wenn alle Beteiligten in der Lage sind, sich dann wieder hineinzufinden, was bei unseren bisherigen Versuchen möglich war. Schwierig ist auch das Platzproblem zu lösen. Das Spielbrett ohne Erweiterung misst ca. 85x55 cm. Dazu kommen an einem Ende Ereigniskarten, der "Große Alte" und diverse Marker, am anderen ebenfalls Marker und verschiedene Items. Das verschlingt noch mal an die 20 cm an beiden Enden. Die Spieler wollen auch noch irgendwo sitzen und ihre Ermittlerkarten sowie Gegenstände ablegen, bestenfalls links und rechts vom Spielbrett (+ 20 cm auf jeder Breitseite). Eine Partie mit mehr als zwei Spielern wird damit an einem normalen Tisch schon zu einer Herausforderung - wenn man eine Erweiterung hat, bleibt eigentlich nur ein Ausweichen auf den Boden oder die Anschaffung eines größeren Tisches.

Das klingt jetzt nach viel Kritik, muss aber relativiert werden. Insbesondere Punkt 4 ist eigentlich kein Nachteil, es kommt halt drauf an, wie viel Zeit und Platz man zur Verfügung hat. Man kann natürlich auch selbst durch diverse Umsortierungen versuchen, Abhilfe zu schaffen. Auch die kryptische Anleitung hat sich erledigt, wenn man mal ins Spiel gefunden hat. Dass es dafür externer Hilfe bedarf, gereicht den Entwicklern allerdings nicht zur Ehre.

Fazit: Trotz einiger Punkte, die nach Verbesserung schreien hat mich "Arkham Horror" von der ersten Sekunde an gefesselt. Mag sein, dass das an meiner Faszination für das Gesamtwerk von H. P. Lovecraft liegt. Wer es wagt und sich in diese Welt begibt und es dann noch schafft, das Kopfkino zu aktivieren, wird mit diesem Spiel viel Freude haben. Klare Kaufempfehlung für Fortgeschrittene und frustresistente Anfänger, die sich nicht zu schade sind, auch selbst nach Hilfe zu suchen. Wer dazu nicht bereit ist (was durchaus verständlich ist), kann mindestens einen Stern abziehen. Wer bei Rollenspielen so firm ist, dass er quasi keine Anleitung braucht, kann einen Stern dazuzählen.
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Stefan T.
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Ort: Wien

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