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2 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anti-Gould und Pro-Bach, 24. Juni 2012
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Rezension bezieht sich auf: Goldberg Variationen (Audio CD)
Es gibt ja einige Leute, die - scherzhaft - schon gar nicht mehr von den Goldbergvariationen sprechen, sondern von den Gouldbergvariationen, als ob Glenn Goulds Einspielungen das non-plus-ultra wären. Dabei ist es wohl so, dass das perkussive und rasche Klavierspiel - soweit es nicht eine Manier Goulds ist - von einem cembalistischen Ideal geprägt ist, das von Glenn Gould sozusagen auf ein Klavier übertragen wurde. Das ist sozusagen von hinten durch die Brust ins Auge. Weil das Cembalo ach so original ist, deshalb wird es nun auf dem modernen Hammerklavier "simuliert". Nun war es allerdings so, dass der Gottfried Silbermann auch besaitete Tasteninstrumente baute unter anderem frühe Hammerklaviere, zuerst in der Art des Bartolomeo Cristofori, später auch mit einer eigenen Mechanik. Bach kannte und spielte diese frühen Hammerklaviere und es ist diese auch kein Wunder, entsprachen doch die "alten" Clavichorde der "teutschen Art", eigneten sich aber wegen ihrer geringen Lautstärke schlecht für einen größeren Zuhörerkreis. Das neue Hammerklavier war also eine "laute" Variante des guten alten Clavichord, nicht ohne eine eigene Klangfarbe, aber immerhin offenbar, das was in der Instrumentenfamilie bisher abgegangen war: Ein Piano (et) Fort(e), das durch seine Anschlagsdynamik "empfindsames Spiel" erlaubt. Dies zum Hintergrund! Wenn man nun bedenkt, dass die Goldbergvariationen 1741 gedruckt wurden, also vermutlich in den späten 30er Jahren entstanden, dann muss man feststellen, dass Bach damals das Hammerklavier kannte und schätzte. Es ist also naheliegend, dass entgegen der bestehenden Praxis das Klavier und nicht das Cembalo das naheliegende Instrument für die Goldbergvariationen ist. Denn bekanntlich sind die Goldbergvariationen zwar für zwei Manuale konzipiert (=Cembalo) aber doch so raffiniert, dass sie auch auf einem Manual fast ohne Abstriche realisierbar sind (=Cembalo oder Hammerflügel). Im Übrigen wurde die Variante Hammerflügel bei Barockmusik selten gewählt, aber die beiden Aufnahmen 16 Scarlatti Sonatas von Joanna Leach und einige Bachsche Klavierwerke von der Gudula Kremers zeigen doch sehr deutlich, dass Bach, Scarlatti und Hammerklavier sehr gut zusammengeht. Dies vorausgeschickt, ist gegen Frau Dinnersteins Spiel auf dem nun allerdings modernen Klavier nichts einzuwenden, im Gegenteil. Schön ist auch, dass sie es wagt das Klavier Klavier sein zu lassen. Der verständlichen aber letztlich falschen Versuchung aus dem modernen Klavier so was wie ein gefühltes Cembalo werden zu lassen, dem Glenn Gould und - wenngleich in geringerem Masse - auch Rosalyn Turek erlagen, dem widersteht sie tapfer. Sie gestaltet aus der Klangwelt des Hammerklaviers heraus, nicht wie die alten Kämpen des Klaviers aus dem Ideal des romantischen Konzertpianos heraus. Dies übrigens witzigerweise trotz der Tatsache, dass sie einen alten wohlklingenden Steinway von 1903 spielt. Insgesamt eine sehr gelungenen Einspielung um nicht zu sagen: Die Neuerfindung der Goldbergvariationen aus dem Geist des Piano (et) Fort(e)
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 18.02.2014 16:46:48 GMT+01:00
Gemach, gemach---------ist doch Glenn Gould, vor allem bei Bach (aber auch bei den engl Virginalisten, bei Wagner !!, bei Berg etc) für mich ohne jeden Zweifel einer der "empfindsamsten" Pianisten/Musiker überhaupt (ein einziger Blick in seine Musikvideos genügt)---nur muss man nicht immer die abgestandenen Empfindsamkeitsformen der letzten 250 Jahre fetischisieren darf------
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