Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Whitney in den Augen der Mutter, 17. September 2013
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Whitney: Die Geschichte einer Mutter über Liebe und Verlust (Kindle Edition)
Ich war (und bin) kein Fan, aber Whitney Houston war mir immer die liebste der Soul-Diven, um die es in den 90ern so einen großen Hype gab und die bis heute jede Menge Nachahmer finden - Beyoncé oder Christina Aguilera oder die vielen DSDS-Kandidaten, die sich an Whitney-Songs versuchen. Whitneys Schicksal war so tragisch wie das vieler Stars, aber bei Whitney tat es einem doch besonders weh, wenn man sie in späteren Jahren singen oder vielmehr krächzen hörte: Die Drogen hatten ihrer Stimme definitiv nicht gut getan.

Wenn man sich das Buch über einen Promi vornimmt, gar noch von der eigenen Mutter geschrieben, würde man wohl spektakulär neue Informationen erwarten. Warum sonst sollte man so ein Buch dann kaufen, wenn man über den betreffenden Promi eh schon alles aus den Medien weiß? Und nach der Lektüre von Cissy Houstons Buch über ihre Tochter stellt sich erstmal Enttäuschung ein, denn Neues über Whitney Houston bringt das Buch nicht. Ich zumindest, die ich mir zwar ein paar Videos auf YouTube angeschaut habe, mich aber der Boulevardpresse ansonsten fern halte, wusste eigentlich schon alles, was in diesem Buch über Whitney zu lesen ist. In einem zweiten Schritt hinterfrage ich aber meine Erwartungshaltung, denn von Voyeurismus kann man sich nicht ganz frei sprechen, wenn man ein solches Buch liest. Das Interessante ist eigentlich das, was zwischen den Zeilen steht.

Cissy Houston erzählt ihre Geschichte von Anfang an, sie beginnt mit ihrer eigenen Biografie, der anscheinend turbulenten Kindheit, dem frühen Tod der Eltern, der Gesangskarriere. Whitney, ihr letztes Kind, war offenbar ihr ein und alles, zumal sich Cissy Houston nach zwei Söhnen eine Tochter ersehnt hatte. Sie skizziert im Weiteren Whitneys Kindheit, Jugend und Aufstieg zum Superstar. Aber so farblos meine Zusammenfassung klingen mag, sie entspricht eigentlich den Schilderungen im Buch. Whitney erscheint mir irgendwie nur in der Ferne, es geht zu einem Gutteil um Cissy selbst, vor allem um ihre kriselnde Beziehung mit John Houston. Andererseits vermittelt sich einem zwischen den Zeilen der Eindruck, als wolle sich Nippy wie Whitney von klein auf genannt wurde, der strengen Mutter entziehen. Cissy erzählt, wie Nippy in der Grundschule lange Zeit gemobbt wurde, die resolute Cissy nahm sich auf der Stelle den Schulleiter vor, bewirkte bei Nippys Mitschülern aber kaum etwas. Nippy behielt es in Zukunft für sich, wenn die Mitschüler sie ärgerten, und später würde sie auch ihre massiven Drogenprobleme vor Cissy verheimlichen. Als ihre Tochter ihr ihren Wunsch, Sängerin zu werden, mitteilt, triezt Cissy sie mit intensivem Training, wogegen sich Nippy hin und wieder auflehnt, sich aber am Ende doch wieder fügt. In Interviews betonte Nippy stets ihre Dankbarkeit gegenüber ihrer Mutter, in Wahrheit schienen sich die beiden aber nicht sehr nahe gestanden zu haben. Einmal ist davon die Rede, Whitney habe in den ersten Jahren ihrer Karriere herumerzählt, sie sei in einem Ghetto aufgewachsen. Sie feiert offenbar gerne und ausgelassen, nimmt Drogen, und heiratet schließlich den "Badboy" Bobby Brown. Bei alldem entfernt sie sich, hat man den Eindruck, immer weiter von der Mutter, die erbost auf das Ghetto-Märchen ihrer Tochter reagierte. Whitneys Geschichte scheint eine von stummer, schleichender Rebellion zu sein, gegen die Mutter und vielleicht auch gegen ihr Image als "Americas black sweetheart". Von Nippys Drogenproblemen und den Spannungen in der Ehe mit Bobby Brown bekommt Cissy kaum etwas mit, nicht mal aus der Boulevardpresse, der sie (verständlicherweise) keine Beachtung schenkt.

Stilistisch ist das Buch, wie schon angedeutet, eher farblos, keine hohe oder auch nur besonders spannende Literatur. Aber das erwartet ja auch keiner. Gleichzeitig ist es keine zähe Lektüre, wir als Whitney-Houston-Möger oder -fans haben sowieso schon Interesse am Gegenstand.

Also, kein Buch, das Klatsch-und-Tratsch-Sehnsüchte befriedigt, aber eines, das eine gewisse Erklärung für Whitneys Absturz liefert. Whitneys Tochter, die Enkelin von Cissy Houston, beschwerte sich über das Buch und nannte es respektlos. Dem kann ich mich nicht anschließen, selbst Bobby Brown kommt nicht so übel weg, wie man vielleicht erwarten könnte. Cissy erklärt sogar ausdrücklich, sie mache Bobby nicht für die Drogensucht ihrer Tochter verantwortlich. Nach ihren Schilderungen war er kein Haustyrann, sie sagt vielmehr, dass Nippy gleichfalls gemein und provokativ sein konnte und dass also beide ihren Anteil an der schlimmen Situation gehabt hätten. Auch bestätigt sie, dass Whitney schon lange vorher Drogen nahm, und räumt mit der Legende auf, die schöne Whitney habe sich einem Versager hingegeben, der sie dann zu sich hinabzog. Es ist die Geschichte Whitneys aus den Augen der Mutter, der ihre Tochter entglitten war.
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