Kundenrezension

4.0 von 5 Sternen Kein ganz typischer Dickens aber ein brillianter Roman aus einer grausamen Epoche - Abzug gibt's für's Cover, 9. März 2014
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Rezension bezieht sich auf: A Tale of Two Cities (Kindle Edition)
Gestern bin ich nach drei Lesewochen (mit Unterbrechungen) wieder aufgetaucht - aus der Umklammerung der blutdürstenden Guillotine, aus der Gegenwart beklemmender Gestalten, die, um sich eines Unrechts zu rächen unsagbares Leid und Unrecht bewirken, aus einer bedrückenden Angst, die vor keinem Kinderzimmer Halt macht.

"A Tale of two Cities" stellt aus meiner Sicht aus einer unfassbaren schriftstellerischen Bandbreite den finalen Kontrapunkt zu den "Pickwick Papers" dar. Wo dort durch stilisierte, überzogene, hofnärrsche aber hochintelligent dargestellte Personen ein Gesellschaftsbild abgeben wird liegt hier ein mitreissendes historisches Dokument vor, welches die für Europa so wichtige Zeit der französischen Revolution in ihren menschlichen Schrecken aufzeichnet.

Wie immer sind die Charactere brilliant gezeichnet, diesmal wählt Dickens aber noch ein Stilmittel, das ich so vorher nicht erlebt habe. Fast statuenhaft erscheinen immer wieder die selben Figuren, die selben Handlungen, die den Leser ins Grauen ziehen: der mansich arbeitende Schuhmacher in seinem finsteren Verlies, Sinnbild für einen zerbrochenen Geist welcher unsagbares Mitgefühl erregt. Therese Defarge - grausam, stoisch und ohne menschliche Regung blickt sie ewig strickend auf ihre Feinde, auf das Blutvergiessen um sich und setzt still alles daran, ihr Feinde unters Messer zu bringen. (Ich glaube es ist das einzige Buch welches ich kenne, in dem Strickzeug als Stilmittel der Angst eingesetzt wird. Sehr gut!) Die englische Bank Telleysons, ein Wesen in sich, alt, mächtig, verknöchert hört man sie im Hintergrund atmen. Es geht ihr um das Geld, aber unweigerlich verknüpfen sich die Schicksale der Kunden mit den Vertretern der Bank. Und last but not least die Guillotine, keine Maschine, sondern ein durstiges Wesen, eine heidnische Göttin, welcher die Menschen ekstatische Huldigung zollen.

Was ich aber ausserdem noch sehr spannend finde ist die literarische Nachbarschaft von London - aufsteigende Finanzmacht, Zuflucht der reichen Franzosen, friedlich bis auf das Kleinganoventum und Paris - dunkel, grausam, beängstigend. In den Geschichtsbüchern unserer Schulzeit wird eigentlich niemals eine Verbindung dargestellt und doch war Europa schon lange eng vernetzt und Grenzen wurden immer überschritten um Handel zu treiben, sich zu retten, Macht zu gewinnen. Die Kontrapunktur der beiden Städte ist aus meiner Sicht ein weiterer Geniestreich, zu dem Dickens hier angetreten ist.

Nein, ich würde sagen es st KEIN typischer Dickens, Wem es um die humoristischen Figuren geht, oder das düstere London eines Oliver Twist, der ist hier falsch aufgehoben. Wer aber Lust hat auf die Dickensche Brillanz und sich auf eine durchaus langatmigere historische Betrachtung einlassen möchte, dem kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen. Aber ganz zum Schluss sei mir noch ein böser Seitenhieb an den Verlag vergönnt - wer hat sich denn dieses Cover ausgesucht? Historisch unmöglich, der Eifelturm hat nichts mit dem Paris der französischen Revolution zu tun, und es baut eine völlig inadäquate Erwartungshaltung auf. Sorry, in diesem Buch gibt es kein schönes oder romantisches Paris der Liebe.
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