Kundenrezension

3.0 von 5 Sternen Ein Model und eine Menge Evangelisierung, 3. September 2012
Rezension bezieht sich auf: Enterprise 2.0: New Collaborative Tools for Your Organizations Toughest Challenges (Gebundene Ausgabe)
Das Buch ist in zwei Teilen gegliedert. Der erste Teil (Kapiteln 1 bis 5) führt in das Thema Enterprise 2.0 und erklärt wie so dieser Trend bzw. Paradigmenwechsel so bedeutend ist und wie wertvoll dies für die Unternehmen sein könnte. Der zweite Teil (Kapiteln 6 bis 8) soll die Anleitung für den Manager bei der Implementierung dieser Enterprise2.0 Tools und Praktiken bieten.
Nach dem einführenden Ersten Kapitel, beginnt das Zweite mit der Beschreibung der vier real world Fallstudien. VistaPrint, Serene Software, CIA und Google. Anhand dieser soll in den folgenden Kapiteln demonstriert werden inwiefern Enterprise 2.0 Kollaborationsmethoden wertvoll sein können.
Das dritte Kapitel startet mit der Identifikation und der Erläuterung der drei Trends die das Rückgrat der Enterprise 2.0 darstellen sollen:
1. Free and easy Platforms for Communication and Interaction: Hier wird besonders der Switch der Kommunikationswege von Channel zur free and easy Platform als Maßgebend herausgestellt.
2. A lack of imposed structure: Hierbei schreibt er in “seinem” Kontext, der Struktur folgende verschiedene Bedeutungen zu: Workflows, Decision rights, Interdependences und Information
Durch die Gegenüberstellung von Erfolg von Wikipedia, die eine komplett freie redaktionelle Struktur i.S.v. o.g. vier Bedeutungen ermöglicht, und den Misserfolg von Nupedia, die auf einen umfangreichen und starren Administrativen Review-Prozess beharrt, wird das Nicht-Aufdrängen bzw. Nicht-Vorgeben von diesen Strukturen gepriesen und als ein der entscheidenden Erfolgsmerkmale identifiziert. Der Autor führt hierzu noch ein erwähnenswertes Beispiel an - das Scheitern des Versuchs von Yahoo den Web-Content in eine hierarchisch vorgegebene Struktur zu kategorisieren. Dessen Ergebnis war, dass dieser Web-Katalog, einst der Hauptbestandteil der Yahoo-Site, an weniger prominenten Stellen immer mehr zurückwich, bis er im August 2006 komplett von der Site verschwand. Im Kontrast wird delicious.com angegeben, das seinen Benutzern freies Kategorisieren ihrer Lesezeichen mit eigenen Stichworten/Taggs, die dann eine Taxonomie bilden, ermöglicht.
3. Mechanisms to let structure emerge:
Hier wird die enorme Bedeutung der Möglichkeit der Entfaltung von emergenten Strukturen betont. Dies wird am Beispiel von Google, der im Unterschied zu anderen, die Erste Suchmaschine war, die das Web als Community anstatt als Ansammlung von isolierten Webseiten sieht. Mit anderen Worten Googels Page Rank, der im Anlehnung zu dem akademischen citation index entworfen war und somit die Verlilnkung der emergenten Strukturen ermutigt, statt sie als Yahoo in starren Kategorisieren einschränkt. Als zweites unterstützendes Beispiel wird der Einsatz der frei Taxonomien bzw. Folksonomien, wie an Beispiel von delicious.com etc. hervorgehoben. Emergenz wird darauffolgend als Auftreten von globalen Strukturen als Folge der lokalen Interaktionen definiert. Somit erfüllen die Tagging und Linking die grundlegendsten Kriterien der Emergenz da:
- Durch die Masse an Agenten, verteilt durchgeführt werden können
- Diese frei und unabhängig voneinander agieren können
- Die Agenten ein eigenes Interesse an der Interaktion haben, dies aber durch die Masse von globaler Interesse/Bedeutung wird.

Anschließend wird der Begriff Emergent Social Software Platforms (ESSP) eingeführt, der aus einigen technischen Eigenschaften konstituierend ist, die in den Acronym SLATES zusammengefasst sind: Search, Links, Authoring, Tags, Extensions und Signals
Demnach lasse sich eine ziemlich präzise Definition des Begriffs Enterprise 2.0 bilden: Enterprise 2.0 sei die Benutzung der emergenten sozialen software Plattformen bei der Verfolgung unternehmerische Ziele.
Abschließend wird betont, dass all dies zwar die Voraussetzung, aber nicht automatisch zum Erfolg führend ist. Hierfür seien für die Interaktion und Kollaboration untereinander Orientierungshilfen erforderlich, die in der Form von Unternehmens- Norms, Policies und Guidelines, wie an Beispiel von Wikipedia erläutert wird, erfolgen können.
Zu Beginn des vierten Kapitels wird in die Schwache- und Starke Bindungen eingeführt und deren Bedeutung erläutert. Hierzu werden noch die potenziellen Bindungen hinzuaddiert. Dies bildet dann das Bull’s Eye Model der aus drei ineinander verschachtelten Kreisen besteht. Im innersten die Starke-, darum herum die Schwache- und außen rum die potenziellen Bindungen. Der Autor identifiziert die Mängel der bisherigen Technologien als Hauptgründe dafür dass sich die sozialen Verbindungen nicht früher entsprießen könnten und somit die Defizite in der Kollaboration, Effizienz und Emergenz entstehen könnten. Danach werden die neuen Tools für die Week- und Strong potenziellen Ties und für die „Interaction between strangers“ vorgestellt und erläutert, wobei die Nützlichkeit der einzelnen Tools für die verschiedenen Stärke der Bindung hervorhoben wird.
Das fünfte Kapitel identifiziert und erläutert die sechs Enterprise 2.0 Vorteile: Group Editing, Authoring, Broadcast Search, collective intelligence und self-organization. Wobei die Enterprise 2.0 Vorteile als jene definiert werden, die nicht ohne der Entstehung und den Einsatz der ESSP’s entsprießen könnten.
Der zweite Teil fängt mit dem sechsten Kapitel wo die wichtigsten Hindernisse bei der Implementierung der ESSP’s geschildert werden. Hier werden zuerst die gängigen Vorurteile wie Sicherheitsmangel, Privatnutzung, Kontrollverlust, Flame-Wars, unangebrachte Inhalte etc. entkräftet und evangelisierend zu Einsatz der ESSP ermutigt. Anschließend wird betont, dass der Einsatz der ESSP’s kein Quick-Winn ist und dass hierfür ein längeres Atmen nötig ist.
Nach dem die Vorteile entkräftet und auf die Langstrecke getrimmt wurde geht es in siebten Kapitel um eine Sammlung der Tip‘s zu erfolgreichen Implementierung der ESSP’s und um die sechs organisationalen Strategien.
Die Tip’s wären: Turning off the old, Use Believers und Design the Tool that will be used
Die Sechs organisationalen Strategien:
- Determine Desired Results, then deploy appropriate ESSP
- Prepare for the long Haul
- Communicate, educate evangelize
- Move ESSP in to the flow
- Measure Progress not ROI
- Show that Enterprise 2.0 is valued

Das letzte Kapitel widmet sich zum Ersten den zwei größten Erfolgshindernissen und zum Zweiten der Bedeutung der Technologie. Als erstes Hindernis wird identifiziert, dass nicht jeder in der Organisation das Interesse an der Transparenz und den freien Informationsfluss hat. Zweites Hindernis wäre, dass auch die Organisationen die es wirklich versuchen und das Erfordernis des Wechsels einsehen, scheitern. Hier wird die Arbeit von Chris Argyris, einen Harvard Professors angerissen, der das Phänomen des zweiten Hindernisses eingehend untersucht hat und zu sehr interessanten Ergebnissen gekommen ist. Die Hälfte diese Ergebnisse lässt sich mit: Das Ja-Sager-Problem zusammenfassen. Mcafee schließt letztendlich das Buch ab mit seiner tiefsten professionellen Überzeugung: „IT matters“ – und stellt als Gegenbeispiel die Ergebnisse des Nicholas Carr’s, der die Ergebnisse seiner Arbeit, in der Harvard Business Review 2003 mit dem Titel „IT Doesn’t Matter“ zusammenfast.

Und nun noch der der wertende Teil:
Wieso der Autor diese vier, im Zweiten Kapitel eingeführte Fallstudien als Beispiele genommen hat ist etwas rätselhaft. Diese wurden, zum Einem minimal, zum Zweiten relative zusammenhangslos und zum Dritten trivial in dem Buch genutzt ohne wirklich einen Mehrwert zu bieten. Das ist desto mehr verwunderlich, da fast alle anderen Beispiele die in dem Buch benutzt waren, mehr Aussagekraft hatten und besser integriert waren. Das CIA Beispiel lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Hätten wir untereinander kommuniziert, was wie einzeln wussten, hätte es seven eleven nie gegeben. Das Vistaprint Beispiel: Statt einen lokal gehosteten Netzwerklaufwerk, ist es viel besser eine Wiki zu benutzen. Um den Einstieg zu erleichtern sollte diese noch mit wichtigsten Inhaltsstrukturen vorkonfiguriert werden (obwohl an Beispiel von delicious.com genau das Gegenteil gepriesen ist) Um die Mitarbeiter zu motivieren, die dennoch die alte Wege nutzten, z.B. Email, sollten sie darauf hingewiesen werden dass es jetzt eine Wiki gebe. Serena und Google Beispiele besagen auch nur: Denkt und benutze die Kraft der Kollaboration. Punkt! :)
Es wird noch auf die einige Themen eingegangen wie z.B. Das Buch: wisdom of crowds, das die Kraft der mass predictions darlegt, oder zur der Bedeutung der Technologie – „IT Meters“ versus Harvard Studie „IT doesnt matter“ - aber Das ist alles? Nicht dass es keinen Platz für Diskurs geben sollte, aber dann bitte diese etwas ausführlicher erklären statt einen in der Dunkelheit tappen lassen.
Lässt man die durchgängige Evangelisierung, die die ganze Überzeugungsarbeit zum Gunsten des Sozial/Kolaboration Media bzw. ESSP’s leistet, findet man nur in den Kapiteln Drei und insbesondere Vier (Bulls Eye) ein hilfreiches Denkmodel. Aber auch dort gibt es Lücken. In Kapitel Drei wird z.B. die „Free and Easy Platforms„ als Schlüsselpunkt zum Erfolg des Paradigmen wechsel beteuert. Nun aber was genau „easy“ sein soll, muss sich der Lesser selbst rein interpretieren. Man wundert sich einfach über solche Aussage. Natürlich wird implizit und immer „Einfach“ dem „Schwer“ favorisiert – oder hat schon jemand bei der Wahl einer Software (oder auch was anderen) vorausgesetzt die anderen Merkmale sind identisch eine „Schwer“ zu benutzende eine „Einfach“ zu benutzender vorgezogen. Ein Schlüsselpunkt des Erfolges so einfach undefiniert in Raum stehen zu lassen … ich weis nicht …
Zu guter Letzt, muss noch erwähnt werden dass, das Buch vor fast drei Jahren Erschienen ist, was im Internet Zeitalter bekanntlich eine Ewigkeit ist und die subjektive Wahrnehmung der Qualität der Inhalte sicherlich etwas anders ausfallen würde, hätte man das Buch gleich nach dem Erscheinen gelesen.
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