Fashion Sale Hier klicken Sport & Outdoor reduziertemalbuecher Cloud Drive Photos yuneec Learn More HI_PROJECT Hier klicken Fire Shop Kindle PrimeMusic Summer Sale 16
Kundenrezension

23 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Das Salz der Erde, 5. Mai 2011
Rezension bezieht sich auf: Ist die Kirche noch zu retten? (Gebundene Ausgabe)
"Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz dumm wird, womit soll man's salzen? Es ist hinfort zu nichts nütze, denn dass man es hinausschütte und lasse es die Leute zertreten." (Matth. 5, 13)

Und nun ist dieser Fall tatsächlich eingetreten: das Salz ist dumm geworden und erkennt die Zeichen der Zeit nicht. Derweil sich das gemeine Kirchenvolk redlich abmüht und immer wieder Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt, vom eigenen Klerus.

Jeder Organismus wird geboren, erlebt seine Blüte, seine Kulmination, seine Dekadenz und zum Schluss sein Ende. Das gilt genauso für Organisationen, wie Staaten oder Firmen - oder eben auch Religionen.
"Auch Götter sterben, wenn niemand mehr an sie glaubt", bemerkte einst Jean Paul Sartre.

Hans Küng begleitet schon jahrzehntelang als Insider und kritischer Geist "seine" katholische Kirche - und leidet mit ihr, weil sie sich nach seiner Diagnose inzwischen in ihrer akuten Dekadenzphase befindet, von "Fieberschüben geschüttelt", reformunwillig und blind für das, was notwendigerweise zu tun wäre, um zu überleben - und deren Ende dann nur noch eine Frage der Zeit ist. Er nimmt da kein Blatt vor den Mund, beschreibt drastisch ihren gegenwärtigen Zustand. Dumm, wenn das Salz dumm geworden ist - und der Fisch dann vom Kopf her stinkt; da kann sich das gemeine Kirchenvolk noch so abrackern. Die sicheren Zeichen für den bevorstehenden Zerfall sind unübersehbar.

Der Leser erfährt in diesem Buch viele interessante Einzelheiten aus dem kirchlichen Innenleben sowie der Kirchengeschichte, in der es vor Intrigen, Machtkämpfen, Mord, Totschlag und Dokumentenfälschungen nur so wimmelt, und die ihm als Außenseiter normalerweise verborgen bleiben müssen. Hans Küng macht Vorschläge für eine Therapie des todkranken Patienten Kirche, aber er bleibt bis zuletzt sehr skeptisch, ob sie bei den klerikalen Entscheidungsträgern je auf fruchtbaren Boden fallen würden.

So sehr der Autor einen unverstellten Blick auf die offenkundigen Defizite der katholischen Kirche bei seiner kritischen Betrachtung der katholischen Kirche zugrunde legt, bleibt er am Ende doch Gefangener seines Glaubens: als überzeugtem Theologen kann man ihm nicht auch noch abverlangen, seinen Glauben in Frage stellen, der ja die eigentliche Ursache und der Kern des ganzen Übels ist. Über seinen Glauben hat er sich ja bereits an anderer Stelle geäußert.
Dieser Glauben baut nicht zuletzt auf einem wortwörtlichen Verständnis der Bibeltexte auf. Wenn da aber von der Geburt Jesu berichtet wird, bei der seine Mutter Jungfrau geblieben sei, ist dies ein überdeutlicher Hinweis darauf, dass es sich dabei nicht um einen biologischen Vorgang gehandelt haben kann, sondern um eine Symbolik handeln muss: die Geburt der Idee der Nächstenliebe, personifiziert im Glauben an eine Figur namens Jesus Christus. Personifiziert deswegen, weil vor zwei Jahrtausenden das gemeine Volk aus Analphabeten bestand und mit abstrakten Begriffen nichts anfangen konnte.

Der Stoff, aus dem die Religionen sind, ist die Moral - die Religionen haben ja die Moral in die Welt gebracht, sie institutionalisiert - das ist ihre große historische Leistung. Die Moral wurde aber inzwischen auch an die Grenzen ihrer Möglichkeiten herangeführt: solange Moral nur eine Frage des Glaubens bleibt und damit jedweder Beliebigkeit ausgesetzt ist, wird sie immer von allen möglichen Gruppierungen auf jeweils ihre Art vereinnahmt werden. Dadurch sind Konflikte jedweder Art vorprogrammiert, und die können bis zum buchstäblich "letzten Gefecht" vorangetrieben werden. 1962, bei der Kubakrise, wäre dieser Prozess beinahe an sein Ende gekommen, wenn nicht ein paar beherzte Leute eingegriffen hätten. Es gab da nur noch zwei Gruppierungen, Ost und West. Und jede Gruppe war zu 100 Prozent davon überzeugt: WIR sind die Guten, IHR seid die Bösen! Ergo müssen wir Euch, die Bösen, mit Stumpf & Stiel ausrotten, endgültig, ein- für allemal. Dazu benötigen wir den mindestens 150-fachen atomaren Overkill, damit bei dieser Strafaktion auch ja nichts schiefgeht!

Keine der bis dahin weltweit oder lokal agierenden Religionen hatte bei diesem hochmoralisch begründeten Geschäft ein Wörtchen mitzureden - außer, sie segneten vielleicht noch die Waffen - und es darf bis heute bezweifelt werden, ob irgendein Religionsvertreter die Konsequenzen dieser "Endlösung der Moralfrage" je gesehen oder gar bedacht hätte...

Bezogen auf den Buchtitel, müsste also die Frage lauten:
Kann oder soll man mit archaischen Moralvorstellungen versuchen, Probleme der modernen Industriegesellschaft zu lösen? Oder, noch konkreter: ließen sich wirklich beispielsweise die Straßenverkehrsregeln mitsamt allen Verkehrsschildern durch die 10 Gebote ersetzen? Sowohl in Rom wie in Kairo oder Dschiddah stehen ja Verkehrsampeln, und es gibt auch in jedem dieser Länder eine Straßenverkehrsordnung...

Und genau deswegen, weil so etwas nicht geht - die Zeit ist darüber hingegangen - sind die Kirchen (und genauso die Moscheen) nicht mehr zu retten: sie beharren ja weiterhin auf ihrem antiquierten Moralverständnis.

Über kurz oder lang werden die Zeiten des Glaubens und damit der antiken Religionen Christentum, Islam und auch Judaismus endgültig vorbei sein - und Gottvater, Jesus Christus und der Heilige Geist werden damit ihren ägyptischen, griechischen und römischen Vorbildern in den Olymp folgen....
Hans Küng spricht da nicht von einer theoretischen Möglichkeit, sondern von einer real existierenden Entwicklung, die längst im fortgeschrittenen Stadium angekommen sei. Für den Islam gibt es übrigens eine ganz ähnlich lautende Analyse ("Der Untergang des Islam" von Hamed-Abdel Samad) - wie die Bilder sich gleichen! Kirchen und Moscheen werden aber trotzdem übrig bleiben - als wertvolles Kulturerbe.

Selbst wenn inzwischen die Bibeltexte, auf denen das christliche Glaubensgebäude ruht, zunehmend als Metaphorik interpretiert werden, hinter der sich die eigentlichen Glaubensvisionen verbergen: diese Visionen erweisen sich als ebenso widersinnig wie die vordergründigen Geschichten, die wir vielleicht noch kennen aus dem Religionsunterricht. Die christlichen Glaubensvisionen sprechen ja vom "ewigen" Leben im "neuen Jerusalem" im "Himmel", wo nur "die Gerechten" herrschen und zuvor "das Böse" in einem beispiellosen Inferno in die "ewige Verdammnis" verbannt wurde und dort auf ewig schmoren soll, also abgeschafft sein wird. Dass in diesem Szenario auch noch alle ehemals Lebenden wieder erscheinen sollen, ist dabei eher nebensächlich.

Diese Vision ihrer Metaphorik entkleidet, hieße im Klartext: dieser Glauben läuft darauf hinaus, die Erkenntnis der Moral wieder abzuschaffen (die Moral kann ja nur existieren, wenn es gut und böse gibt - sowohl tatsächlich, wie auch im Bewusstsein der Menschen!), weil sie schon in Urzeiten als "Sünde" und damit als falsche Entwicklung bewertet wurde. In einer fiktiven Welt, in der es kein "Böses" mehr gäbe, entfiele damit die grundsätzliche Bewertungsgrundlage für alle Dinge und Vorgänge, alles wäre ja unipolar nur noch "gut". Selbst die Wahrnehmungsmöglichkeiten für "Böses" müssten in dieser Fiktion entfallen. Je mehr dieser Widersinn von den Menschen erkannt wird, umso mehr werden sich die Menschen fragen: warum eigentlich sollte ich einen derartigen Widersinn glauben?
Anders ausgedrückt: die Kirchen haben oft ihre Dogmen - irrtümlich ("die Erde ist eine Scheibe"), aber meist bewusst als "einzig wahre" Wahrheit verkauft - beinahe so, als wenn einige wenige klerikale Schlaumeier diesen fundamentalen Glaubenswidersinn schon längst erkannt haben und sie sich voller Angst gegen seine Entdeckung mit Hilfe ihrer Dogmen sträubten; die Wissenschaft hat dagegen Wahrheiten gefunden - und genau deswegen befinden sich inzwischen alle Religionen in der Krise.

Wir leben ja inzwischen immer mehr in einer Welt des Wissens, und die hat seit ca. 200 Jahren unser Leben mehr umgekrempelt als alle Religionen zusammen in den Jahrtausenden zuvor - irreversibel. Diese Welt ist einfach fundierter und zuverlässiger als die vorangegangene Glaubenswelt - Wissen beruht ja im Gegensatz zum Glauben nicht auf subjektiven Beliebigkeiten (die ausgerechnet Papst Benedikt so beklagt hat!) sondern auf handfesten Beweisen, und die sind an der Wirklichkeit (und damit an der Wahrheit) orientiert und damit auch nicht beliebig manipulierbar.

Das Erbe der Religionen - die Moral - sollten wir allerdings pfleglich behandeln und weiterentwickeln. Die Religionen haben ihr Deutungshoheits - Monopol längst an die Wissenschaft abgegeben. Die wäre nun ihrerseits gefordert, über ihre Abteilung "Sozialwissenschaften" möglichst schnell objektive Erkenntnisse über Wesen und Charakter der Moral zu gewinnen und zu verbreiten, schon allein deshalb, um das offenkundige Kompetenzvakuum auszufüllen, welches die Religionen hier hinterlassen haben. So könnten derartig begründete Moralstandards es schaffen, weltweit anerkannt zu werden. Hans Küng hatte ja weitsichtig dazu bereits einen Anlauf genommen mit seinem "Projekt Weltethos". Immerhin hat auch die Wissenschaft da einiges gutzumachen: es waren diesmal nicht die Kirchen, die den Bau der Atombombe befahlen! Den Makel, dass die Wissenschaft diese Entwicklung nicht verhindert hat, wird sie allerdings nie wieder loswerden.

Nur glaubensbasierte Moralstandards würden da allerdings zu kurz greifen und an ihren alten Übeln der Beliebigkeit kranken müssen. Nur - es wäre hochgradig unfair, ausgerechnet dies Hans Küng zum Vorwurf machen zu wollen.

Dieses Buch geht weit über eine oberflächliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustands der katholischen Kirche hinaus.

Allein schon deswegen: unbedingt lesenswert!

PS. Sehr wahrscheinlich wird es keine Reform dieser Kirche geben: mit ihrer Gründung beruft sie sich ja auf eine "göttliche Offenbarung" - eine Floskel, die hundertprozentige Vollkommenheit suggerieren soll - und die kann ja nicht durch eine noch größere Vollkommenheit ersetzt werden. Im Klartext: hier ist die Reformunwilligkeitsfalle bereits zugeschnappt - Reformen ausgeschlossen, von Anfang an und für alle Zeiten! So wird diese Kirche austrocknen, und Hans Küngs Skepsis wird sich bestätigen. Ansonsten wird es vielleicht noch eine Reihe Splitterguppen geben - und das war's dann...
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
  [Abbrechen]

Kommentare

Kommentare per E-Mail verfolgen
Von 2 Kunden verfolgt

Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.12.2014 20:57:48 GMT+01:00
M. Stapel meint:
Moral kommt nicht von den Religionen!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.12.2014 22:30:23 GMT+01:00
Woher sonst?
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details