Kundenrezension

16 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen The next day and the next and another day..., 9. März 2013
Rezension bezieht sich auf: The Next Day (Deluxe Edition) (Audio CD)
Beim ersten Hören gefiel mir "The next day" nicht. Viele Zitate, aber wenig überzeugte mich, insgesamt eher sperrig. Nur eine Handvoll Songs gefielen mir. Viele Lieder deuteten Möglichkeiten an, blieben aber unterwegs stecken. Die ganzen 5-Sterne-Rezensionen erzeugten bei mir Ratlosigkeit. Eine neue Bowie-Scheibe, Tony Visconti, Gail Ann Dorsey, Earl Slick, Sterling Campbell & David Torn sind dabei, Bowies Stimme ist immer noch phantastisch, ich finde jedoch keinen rechten Zugang.

Nach mehrmaligem Hören, auch "hours...", "Heathen" & "Reality" wurden zur Einordnung herangezogen, lichteten sich die Wolken. Einige Songs, nicht alle, nisten sich ein. "Where are we now?", eine schöne Reminiszenz an seine Berliner Jahre, der Song ist herrlich old fashioned melancholisch, am Schluss löst sich das Ganze auf und hinterlässt einen dann in diese schwebende & seltsame Mischung aus Euphorie und Traurigkeit. Im Video zum Song sieht man Aufnahmen aus West-Berlin, unter anderem den Meistersaal ( wo Teile von "Low" und die gesamte "Heroes" entstanden), und die Hauptstraße 155, beide Orte habe ich vor einigen Jahren mal besucht.

"The stars (are out tonight)" habe ich zunächst unterschätzt, der Song mit dem vermutlich größten Pop-Appeal auf der Platte, finde ich mittlerweile richtig gut. Ein starker Song, der aber bei mir nicht so schnell zündete wie bspw. "New Killer Star". Auch "Love is lost" gewinnt mit der Zeit, ein treibender Bass, eine düstere unheilvolle Orgel. Die Jugend, der Überfluss, alles da, alles neu, nur die Ängste sind immer die selben...ein guter Song. "You feel so lonely you could die" fand ich von Anfang an sehr gut. Ziggy und Aladdin Sane lassen grüßen, die Diamond Dogs kommen um die Ecke, theatralisch und boshaft, eine gute Nummer. Ein musikalisches Highlight, das an ganz alte Bowie-Klassiker, aber auch an das wunderbare "Slip away" erinnert. Beim Fadeout wird nochmal "Five years" beschwört.

Die Begeisterung, die der ein oder andere für "Heat" empfindet, vermag ich nicht zu teilen. Der Song fängt als Ambient an, dann setzt Bowie mit der Stimme ein. Interessante Lyrics, aber der Song bleibt für mich trotz der Geräusche, der Dramatik, stecken. "Heathen (The rays)" von 2002 ist da deutlich beindruckender. "So she", ein kleines, kurzes Stück, ein netter Keyboard-Lauf, insgesamt etwas unscheinbar. Klingt wie ein Bonus-Track, ist ein Bonus-Track. "I'll take you there", ein weiterer Bonus-Track, deutet Möglichkeiten an. Es bleibt aber bei Andeutungen, nach 2.41 ist Ende. "Valentine`s day", ein Song über einen Psychopathen. American Nightmare, Bilder von amerikanischen Kleinstädten und Schulen erscheinen vor unserem Auge. Den Song hatte ich zunächst überhört, der vierte gute Song hintereinander. Dieser Flow ist mir bei den ersten Durchläufen vollkommen entgangen.

Das Instrumental "Plan" wird als musikalischer Vorspann beim Video zu "The stars (are out tonight)" genutzt. Ein schönes kleines düsteres Stück. "If you can see me" benötigte, wie so viele Songs hier, ebenfalls etwas Zeit. Hätte auf "Earthling" vermutlich treibender geklungen und wäre nicht unter fünf Minuten geblieben. Entfaltet sich erst nach mehrmaligem Hören, hat was. Allerdings der hektischste Song der Platte, bin mir unschlüssig, ob er hier passt. "I'd rather be high", sollte das Beatles-Stück auf der Scheibe sein, erinnert mich aber eher an die Lads aus Manchester als an die Fab Four. Ein Antikriegssong mit Britpop-Assoziationen. "Boss of me" enttäuschte mich anfangs sehr, soll das der Song sein, den Visconti als sexy und schlüpfrig beschreibt?. Finde ich nun auch besser, lässig. Käme live vielleicht besser rüber. "Dancing out in space" finde ich nach wie vor relativ schwach. Die Musik klingt ganz gut, die Gesangsmelodien gefallen mir jedoch nicht, wirkt etwas belanglos, plätschert durch meine Ohren. "How does the grass grow" erinnert zu Beginn an "Lodger", dann setzt mit Bowies Stimme ein Wechsel ein und die Assoziationen zum 79er-Werk verschwinden. Leider verliert das Lied da auch für mich. Zwei schwächere Songs hintereinander. Die Bridge setzt nochmal kurz ab 2.41 ein positives Signal, insgesamt für mich aber kein überzeugender Song. Passt nicht recht zusammen.

"(You will) Set the world on fire" erinnert mich an die erste Tin Machine, an einige Stücke aus der Glamrock-Zeit und an den Song "Reality". Ein schnörkelloses Stück, guter Riff, finde ich gelungen. "Dirty boys" ist ein interessanter Song. Gefällt mir jedoch auch nach mehrmaligem Hören vom Kopf, von der Idee her besser als vom Ohr und Gefühl her. Jazzy mit einem Hang zur geheimnisvollen Dunkelheit. Zündet aber für mich nicht richtig. Der Opener "The next day" ist für mich ein schwieriges Lied. Der Text, eine schöne, schaurige Geschichte, ein Tyrann auf seinem letzten Gang. Die Musik erinnert an "Lodger" und "Scary Monsters". Ich werde mit dem Song jedoch nicht richtig warm. Obwohl er mich an zwei gute Bowie-Platten erinnert gefällt mir der Song nicht. Klingt manchmal halb O.K., dann nervig. Ein misslungener Einstieg ins Album.

Das Cover: Das Konzept, welches hinter dem Cover steht, finde ich zwar interessant, das Resultat ist aber zumindest diskussionswürdig. Die Idee ein Cover zu verfremden, an einem Mythos zu rütteln, um zu demonstrieren, dass man im Augenblick lebt und die Vergangenheit hinter sich lässt ( dabei aber immer und immer zitiert! ), ist sicher ein guter Aspekt. Mir würde jedoch eine andere Umsetzung besser gefallen. Das Originalcover von "Heroes" zitiert genau wie das Cover von Iggy Pops ebenfalls 1977 in Berlin entstandenem "The Idiot" Erich Heckels Bild "Roquairol" (Bildnis Ernst Ludwig Kirchner) aus dem Jahr 1917. Ich hatte das Glück das Gemälde im Brücke Museum zu sehen. Die psychische Zerrüttung ist sehr eindrucksvoll wiedergegeben. Ein neues Foto, wo Bowie die Pose des Gemäldes aufnimmt, hätte mir, auch wenn Bowie 2013 von der Stimmung des Bildes deutlich weiter entfernt ist als 1977, mehr zugesagt.

Ich finde die Neue nach wie vor nicht vollends gelungen, gebe ihr aber vier Sterne. Die große Ernüchterung nach dem ersten Durchlauf hat sich gottseidank nicht bestätigt. Dazu noch ein königsblauer Sieg im 142. Derby. Ein gutes Wochenende!
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