Kundenrezension

5 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Ein Album das jeder haben sollte.Nicht nur für Fans ein muß!, 23. Oktober 2005
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Devil (Audio CD)
Im Herbst letzten Jahres geschah das Unglaubliche: 20 Jahre nach der Veröffentlichung von „Debil", dem Debütalbum von Die Ärzte, wurde die Platte offiziell vom Index sogenannter jugendgefährdender Medien genommen, auf den es die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften im Sommer 1987 gesetzt hatte. Dort landeten auch das 86er-Album „Die Ärzte" und „Ab 18" (1987), weil sie ebenfalls dazu beitrugen, „Kinder und Jugendliche sozialethisch zu desorientieren". Die Texte übten eine „verrohende Wirkung" aus, wiesen auf „deviante Formen geschlechtlicher Befriedigung" hin und entließen den Hörer „im Zustand angespannter, latenter Aggressivität".
Obwohl durch diese medienwirksamen Aktionen ein großer Kult um Die Ärzte und ihre frühen Alben entstand, brachte die Behördenmaßname die „Skandalband" an den Rande des Ruins. Die Indizierung bedeutete, dass Songs wie „Claudia hat 'nen Schäferhund" und „Schlaflied" nicht mehr öffentlich aufgeführt und die Alben weder beworben noch ins Regal gestellt und nur an Personen über 18 Jahre verkauft werden durften. Dadurch gerieten die Platten der Berliner zu einem heiß gehandelten Gut auf Deutschlands Schulhöfen. Wer - wie auch immer - an „Debil", „Die Ärzte" oder „Ab 18" herankam, überspielte sie auf Kassette und reichte sie an seine Freunde weiter. So verbreiteten sich die berüchtigten Songs schnell und unkontrolliert in der ganzen Republik und Die Ärzte hatten den Ruf einer Schmuddeltruppe weg.
Inzwischen zählen Die Ärzte zu den Aushängeschildern deutscher Rockmusik und sind populärer denn je. Ob das die Veranlassung für die Behörde war, „Debil" vom Index zu nehmen, lässt sich nicht ganz klären. Zumindest bemerkten die Beamten nun die „satirische Form" der Lieder, die von „heutigen Jugendlichen aufgrund deren Medienerfahrung ohne Schwierigkeit als Fiktion eingeordnet werden" können. „Verrohungseffekte" seien nicht zu vermuten. Hallelujah! Damit ist der Weg frei für eine offizielle Wiederveröffentlichung von „Debil".
Das als „heiße Musik für wilde Teenagerparties - Vol. 1" untertitelte Werk steht ab dem 21. Oktober 2005 in hübsch aufgemachter Form als Digipack, mit ausführlichem Booklet, sechs Bonustracks und zwei Videoclips in den Läden. Für die Wiederauflage wurde aus „Debil" „Devil" und der Bassist heißt nicht Rodrigo González, sondern Sahnie. Egal! Was wirklich zählt, ist, dass das Werk endlich wieder im freien Handel erhältlich ist. Im Klartext ist „Devil" für später hinzugekommene Fans eine Art musikalischer Geschichtsunterricht, während diejenigen, die das Album früher heimlich auf dem Schulhof austauschten, einen spaßigen Ritt in die eigene Vergangenheit unternehmen können.
Auch heute sorgen Tracks wie „Paul", „Roter Minirock" und „Zu spät" für debiles Dauergrinsen und „Schlaflied" bzw. „Claudia hat 'nen Schäferhund" für rote Ohren beim Hörer. Zudem ist es äußerst amüsant, die zur damaligen Zeit recht beschränkten Fähigkeiten der blutjungen Musiker („Hey, Sahnie, Basssolo!", „Ich trau mich nicht...") im originalen (hühnerbrüstigen) Mix unter die Lupe zu nehmen. Dass die meisten Texte ziemlich albern sind („Micha"), muss hier auch nicht mehr erwähnt werden. „Debil/Devil" ist ein Klassiker der deutschen Popmusik, der heute genau wie vor 21 Jahren Spaß macht und in jede Plattensammlung gehört.
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