Kundenrezension

26 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Eine emotionale, verstörende und doch äußerst lohnenswerte Reise, 20. Mai 2010
Rezension bezieht sich auf: Road Salt One-Ltd. (Audio CD)
Es war zu erwarten: Die neueste Scheibe von Pain of Salvation spaltet die Fans und Kritiker. Zwar spricht keiner den Schweden Ihre Musikalität und Kunstfertigkeit ab, doch wird allerorts moniert und gemeckert: Die Songs seien zu kurz, die Songs seien nicht gut abgemischt, die Songs seien langweilig und prätentiös. Und tatsächlich ist dieses Album wieder ein Schritt mehr in die Richtung, welche die Band nach "Scarsick" eingeschlagen hat: Experimentelle Instrumentierung, Fokussierung auf Gesang und kurze, knackige Songs und Lyrics, die sicherlich nicht jedermanns Sache sind. "Road Salt 1: Ivory" ist wahrscheinlich das songorientierteste Album von Pain of Salvation (kein einziges Instrumentalstück; in allen Songs dominiert der Gesang; kaum Gitarrensoli (und wenn nur sehr kurze).

Um es vorweg kurz zu machen: Ich persönlich finde die CD, die seit 3 Tagen meinen CD-Player belagert, mehr als gelungen. Es ist ein rundes, sehr atmosphärisches Album geworden, das den ersten Teil eines Gesamtkonzepts bildet. Die Songs werden allesamt vor allem von den Lyrics und damit der Stimme von Daniel Gildenlöw getragen, sie stehen ganz im Zentrum des Songwritings. Zudem zeigt schon ein Blick ins Booklet, dass Daniel bei einigen Songs sogar komplett die Instrumentenregie übernommen hat, sogar an den Tasteninstrumenten (Sisters) als auch am Schlagzeug. Mancher Fan mag daher über die "Daniel-Show" die Nase rümpfen. Ich persönlich finde er macht seine Sache ausgezeichnet.

Aber auch ein Wort der Warnung: Dieses Album ist progressiv nur in dem Sinne, dass es sich jeglicher Genre-Einordnung hartnäckig entzieht. Was natürlich erst einmal kein Qualitätskriterium ist. Aber sicherlich werden die Fans der ersten Stunde längst nicht mehr die komplexen Songstrukturen und Instrumentensoliläufe der alten Zeiten hier wieder finden. Dafür sind die Songs zu dicht, leben eher vom Zusammenspiel von Gesang und Instrumentierung und den bewegenden Lyrics. Dankenswerter Weise halten sich die gesprochenen Parts in Grenzen, sodass das Album längst nicht so dozierend rüberkommt wie z. B. "Scarsick".

Das Album beginnt gleich mit einer Überraschung, denn der erste Song dauert nicht einmal eine Minute, wiederholt sich dauernd und bietet kaum Abwechslung. Das kennt man so nicht von Pain of Salvation. Aber im Gesamtpaket mit "No Way", das sich nahtlos anschließt, setzt der Song einen überzeugenden Kontrast. Außerdem sind die Harmonien klasse, und der neue Schlagzeuger Léo erweist sich als gesanglich gute Stütze für die Band. In diesem Song hört man schon die ersten tollen Vintage-Klänge der E-Gitarre, die auf den weiteren Stil des Albums einstimmen. Denn Vintage, 70s und rotziger Rock bestimmen das Album. Das kann den einen oder anderen Prog-Metal-Fan schon mal abschrecken... (4/5)

"No Way" startet besonders druckvoll. Daniel singt in Topform und beweist, dass er zu einem der besten Sänger zählt. Seine Stimme ist enorm facettenreich auf diesem Album, sie passt sowohl zu den zarten, fast zerbrechlichen Songs wie "Sisters" oder "Road Salt" als auch zu den rockigen Nummern, wie eben "No Way". Der Song erinnert vom Sound und der Songstruktur stark an "Nihil Morari" von "be", wenngleich die Lyrics längst nicht so philiosophisch oder gesellschaftskritisch sind, sondern eher rotzfrech. Gerade das aber passt hervorragend zum Stil. Wenn der Refrain einsetzt ertönen Daniels fragile Stimme und Fredriks Piano und setzen die ersten emotionalen Highlights des Albums. Es folgen noch verdammt viele mehr. Der Mittelteil überrascht mit einem interessanten rhythmischen Kniff, baut aber auf das grandioses Finale auf. Ein perfekter Rocker! (5/5)

"She Likes to Hide" ist ein bluesiger Song durch und durch. Schwerer Rhythmus, mehrstimmiger Chorus, druckvoller Bass und knackige Drums. Aber sicherlich der erste Song, der dem Prog-Fan die Fragezeichen auf die Stirn und ins Gehör zimmert. (4/5)

Es folgt der grandiose musikalische Höhepunkt des Albums mit "Sisters". Der Song ist wie ein Sog und lässt einen nicht mehr los. Er handelt davon, dass ein Mann kurz vor der Versuchung steht, mit der Schwester seiner Freundin zu schlafen. Überhaupt ist Liebe und Sex (und in starkem Kontrast Schmerz und Verzweiflung) das zentrale Thema des Albums, allerdings sehr erwachsen vorgetragen und fernab jeglicher Dr.-Sommer-Plakativität. Es ist diese Mischung aus erotischem Topos, emotionaler Stimmgewalt und dramatischem Aufbau, die "Sisters" zu einem ergreifenden Song macht. Einer der besten Songs von Pain of Salvation, in emotionaler Dichte gleichauf mit "Undertow"! (5/5)

Mit "Of Dust" ähnelt das Album wieder mehr "be", speziell dem Song "Nautilus". Ein chorales Schwergewicht, herausragend vorgetragen von den Sängern, über allem dominiert die Oktav des Daniel Gildenlöw. Kurzer Schockmoment: In dem Song gibt es wieder Sprechparts, das ist aber kurz und schmerzlos (und bleibt die Ausnahme). Wieder erzeugt das Zusammenspiel von Lyrics und Musik ein wirklich überzeugendes Gesamtergebnis. (4/5)

Die folgenden Songs "Tell me You Don't Know" und "Sleeping under the Stars" sind die große Bewährungsprobe für den Fan. Denn beide Songs brechen aus dem bisherigen Konzept brutal aus. Während "Tell me You Don't Know" schon leichte Country-Anleihen hat (3/5), schickt uns Daniel mit der folgenden Nummer "Sleeping under the Stars" sogar auf eine Art musikalischen Rummelplatz, Wiener Walzer inklusive. Eine witzige Idee vielleicht, aber auch sicherlich die harte Zerreißprobe für Leute, die sich schon mit der Disco Queen schwer getan haben. (3/5)

Dann aber bleibt das Album kontinuierlich überzeugend. Allerdings werden die Lyrics düsterer. Es geht mehr um Schmerz als um Heilung, das Wort "Pain" taucht mehrere Male auf, in einem Song wird gar männliche Dominanz (und Gewalt) gegenüber Frauen thematisiert. "Darkness of Mine" wird getragen von stark vibrierenden Vintage-Gitarren und dem Klavierspiel von Fredrik. Dieser Song klingt gerade im Refrain noch am ehesten nach den Metal-Wurzeln der vergangenen Tage und spricht damit endlich auch die an, die sich schon seit einigen Minuten nach solchen Klängen sehnen. (5/5)

"Linoleum" ist bereits seit der Single-Auskopplung bekannt. Grandios bescheuertes Video, dafür aber ein toller, kraftvoller Song, der ganz den Geist der 70er Vibes atmet. (5/5)
Und gleich darauf der Song, der sicherlich auch wieder die Gemüter erhitzen wird: "Curiosity". Hier geht es richtig heftig zu, sowohl im Text als auch in der Musik (der neue Drummer Léo hat hier einiges zu tun bekommen und macht seine Sache richtig gut). Der Song atmet ganz im Sinne der 70er den Geist von sexueller Freiheit, aber mit diesem bitteren Beigeschmack: "See, the only time I hear you take the name of the Lord / Is when you're tied to the bed with your face against the head board". Sicherlich live ein großer Spaß, wenn die Metal-Dudes abrocken. (5/5)

Mit "Tell me Where it Hurts" geht die düstere Reise weiter. Ein beklemmender Song, der tief ins Mark dringt, vor allem gegen Ende, wenn Daniels Stimme losschmettert und herzzerreißend fleht: "Touch me where it hurts" So aufwühlend der Text, so makellos die Songstruktur, in der sich harte Parts mit leisen (dafür aber nicht minder ergreifenden) Pianoklängen abwechseln. Hier auch ein kleines Gitarrensolo für alle, die sich eins gewünscht haben. Hervorragend! (5/5)

"Road Salt" klang für mich live beim Melodifestivalen besser, was daran liegen kann, dass Daniel auf dem Album wieder mal selber in die Tasten greift. Das sagt aber nichts über die Qualität des Songs an sich aus, denn die ist auf hohem Niveau und ist stellvertretend für den Stil des Albums. Je näher man dem Ende des Albums kommt, desto deutlicher wird, dass dies ein wirklich "nacktes" Album ist, ehrlich, mit Rotz in der Stimme und rauhem Klang. Nicht jedermanns Sache, aber in Zeiten der Superstars erfrischend wie ein Sommerregen. (5/5)

Der längste Song des Albums wartet am Schluss auf den fiebernden Prog-Fan, der wahrscheinlich jetzt schon im Delirium ist. Dafür bietet er auch wieder von allem etwas: Polyrhythmik, sphärische Klänge, Soli, berührender Gesang und ein Daniel in Bestform. Die wabernden Gitarren erinnern ein wenig an das großartige "Idiocracy". (5/5)

Bis auf zwei Songs hat das Album ausnahmslos gute bis hervorragende, herausragende Songs. Wenn man das auf die Spielzeit rechnet, dann ergeben sich rund 50 Minuten purer Emotion. Ob man diese Art von Seelen-Tiefblick mag, braucht und will, das muss jeder selber entscheiden. Die Musik jedenfalls - ob Prog oder nicht - berührt dort, wo es manchmal sehr weh tun kann. Eine emotionale Achterbahnfahrt, wie man sie sich nicht besser vorstellen kann. Für mich eines der besten Alben von Pain of Salvation, gleich nach "Remedy Lane".
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