Kundenrezension

183 von 247 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Das Elend der Theologie, 7. April 2008
Rezension bezieht sich auf: Gott: Eine kleine Geschichte des Größten (Gebundene Ausgabe)
Sigmund Freud hat einmal gesagt: „Wenn es sich um Fragen der Religion handelt, machen sich die Menschen aller möglichen Unaufrichtigkeiten und intellektuellen Unarten schuldig.“ Der Bestseller „Gott. Eine kleine Geschichte des Größten“ von dem Theologen und Psychiater Manfred Lütz dürfte ein Paradebeispiel für Freuds Beobachtung sein. In seinem Bemühen, uns von dem Glauben der römisch-katholischen Kirche zu überzeugen, bedient sich Lütz aller unredlichen Tricks, die sich christliche Apologeten über die Jahrhunderte hinweg haben einfallen lassen.

Der erste Kunstgriff besteht bekanntlich darin, sich das Vertrauen seiner Leser zu erschleichen, indem man sich ausdrücklich von dem salbungsvollen Ton und dem frömmelnden Gehabe typischer Kleriker distanziert. Unglücklicherweise geht die Rechnung nicht ganz auf, da der Leser während der Lektüre den vom Autor mit gespielter Jovialität um die Schulter gelegten Arm zu spüren meint und seinen etwas zu kumpelhaften Ton schlicht als zudringlich erlebt. Die Sprache ist da auch nicht sonderlich hilfreich. Vermeintlich „coole“ Interjektionen wie „Wow“, „Woom“ und „Super-GAU“ geben dem Leser das Gefühl, abermals ein mit Pickeln übersäter Halbstarker im Konfirmandenunterricht zu sein. Die einzig werbewirksame Phrase, die dem Buch noch fehlt, ist: „Gott ist geil!“

Der zweite, ebenfalls hinreichend bekannte Kunstgriff besteht darin, rasch einen frei inszenierten Sieg zu erringen. So „beweist“ Lütz seinen Lesern mit sichtlicher Genugtuung, dass Feuerbach, Marx und Freud die Existenz Gottes nie widerlegt haben. Darin hat er freilich recht. Doch ist dies selbstverständlich kein Grund zum Triumphieren, da die genannten Religionskritiker auch nie den Anspruch erhoben hatten, die Existenz Gottes zu widerlegen. Sie haben sich für die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht, noch nicht einmal interessiert. Vielmehr sind sie schon immer von seiner Nichtexistenz ausgegangen und haben sich die wissenschaftlich weit interessantere Frage vorgelegt: „Wie kommt es eigentlich, dass so viele Menschen an einen Gott glauben?“

Der dritte Kunstgriff besteht darin, sich gegen jede Kritik immun zu machen, indem man seinen Gegnern kurzerhand unterstellt, lediglich einen Strohmann zu bekämpfen. Nach Lütz haben Religionskritiker wie Holbach, Voltaire oder Hume nur dem auf der Wolke sitzenden Gott mit dem Rauschebart etwas anhaben können, doch nicht dem Gott der einzig wahren Kirche. Der Gott der römisch-katholischen Kirche sei nämlich ganz anders. Wie jeder weiß, richteten sich die Argumente von Holbach, Voltaire und Hume jedoch keineswegs gegen irgendwelche „selbstgemachten Götter“, sondern durchaus gegen den Gott des Nicäischen Glaubensbekenntnisses, dem sich die Christen aller Konfessionen noch heute verpflichtet fühlen.

Der vierte Kunstgriff besteht darin, seinen Kontrahenten mit einer falschen Alternative zu erpressen. Wer nicht an Gott glaubt, habe sich nach Lütz noch gar keine wirkliche Vorstellung von den verheerenden Konsequenzen seines Unglaubens gemacht. Ohne Gott bleibe uns nämlich nur noch der Nihilismus eines Friedrich Nietzsche: „An Gott glauben oder Nietzsche folgen, das scheint die wirkliche Alternative zu sein. Wenn man aber Nietzsche folgt, dann muss man auch bereit sein, den bitteren Kelch des Atheismus bis zur Neige zu trinken. Dann hat man keine Argumente gegen Hitler, Stalin oder Mao Tse-Tung mehr.“ Es bedarf hoffentlich keiner besonderen Erklärung, dass der Nihilismus keineswegs die logische Konsequenz des Atheismus ist. Der säkulare Humanismus eines Bertrand Russells ist beispielsweise eine durchaus gangbare Alternative zum moralischen Nihilismus.

Der fünfte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner moralisch zu diskreditieren, indem man sein Weltbild diffamiert und für menschenverachtend erklärt. So bezeichnet Lütz den Faschismus und den Kommunismus als „atheistische Freilandversuche“, die womöglich mehr unschuldige Menschen auf dem Gewissen haben „als alle Religionen zusammen“. Dass sowohl der Faschismus als auch der Kommunismus zwei quasi-religiöse Heilslehren waren, die mit dem Atheismus säkularer Humanisten nicht das Geringste zu tun haben, ficht ihn dabei nicht an. Auch scheint er bequemerweise ganz zu vergessen, dass die Soldaten der Wehrmacht „Mit Gott und dem Führer“ in den Krieg gezogen sind und über ein Viertel der SS-Angehörigen treu ergebene Mitglieder seiner katholischen Kirche waren.

Der sechste Kunstgriff besteht darin, ein argumentatives Zugeständnis zu machen, das man bereits im nächsten Satz möglichst unbemerkt wieder zurücknimmt. So gesteht Lütz bereitwillig zu, dass der Vatikan selbstverständlich nicht immer von Engeln regiert wurde. Er nennt die Kirche in seiner erwähnt hemdsärmeligen Art sogar einen „Saustall“, doch selbstverständlich nur, um sogleich hinzuzufügen, dass es ja auch „total frustrierend“ wäre, wenn sie nur von Heiligen geleitet würde. Ich fürchte, man darf mit guten Gründen bezweifeln, dass die Juden „total frustriert“ gewesen wären, wenn der Vatikan zur Zeit des Dritten Reiches wenigstens ein einziges Wort gegen den Holocaust gesagt hätte.

Der siebte Kunstgriff besteht darin, dass man vermeintliche oder tatsächliche Autoritäten für seine Sache vereinnahmt. Die am häufigsten missbrauchte Autorität dürfte zweifellos Albert Einstein sein, dessen metaphorisches Reden von einem „Schöpfer“ – „Gott würfelt nicht!“ – geradezu wie eine Einladung an die Christen wirken musste. Lütz schreibt denn auch: „Albert Einstein war zuerst natürlich Atheist geworden. Aber je tiefer er in die Wissenschaft eindrang, desto mehr entwickelte er sich zu einem Bewunderer des Göttlichen.“ Lütz weiß natürlich so gut wie jeder andere, dass Ein-stein alles andere als ein Christ war. Wenn Einstein überhaupt an einen Schöpfer glaubte, dann an den von Lütz verlachten „Rentnergott Epikurs“.

Der achte Kunstgriff besteht darin, die ganze Hand zu ergreifen, sobald einem der kleine Finger gegeben wird. Dass Wissenschaftstheoretiker wie Karl Popper offenherzig von der Fehlbarkeit unserer Vernunft und der Vorläufigkeit all unseres Wis-sens sprechen, nutzt Lütz sogleich dazu aus, um einige aus der Vordertür herausbe-förderte Dogmen rasch durch die Hintertür wieder hineinzuholen. So sei etwa die „Himmelfahrt Christi“ zwar „höchst unwahrscheinlich“, doch nicht „prinzipiell unmöglich“. Die Bescheidenheit der Wissenschaft dient jetzt also als intellektueller Freifahrtschein der Theologen.

Der neunte Kunstgriff besteht darin, dass man sich auf die Bildungslücken seiner Leser verlässt und schwer verständlichen naturwissenschaftlichen Theorien kühn einige Implikationen unterstellt, die sie nicht haben. So dürfte es beispielsweise die Physiker überraschen zu hören, dass die Quantentheorie „die Ehe zwischen Atheismus und Wissenschaft argumentativ zerrüttet“ habe. Nach Lütz ist der Zweifel an Gott als „intellektuelle Option zusammengebrochen“, weil die Quantentheorie zum „argumentativen Super-GAU des Atheismus“ geführt habe. Natürlich ist nichts von alledem wahr. Und man fragt sich wie Schopenhauer bei der Lektüre von Hegel: „Ist das nun Dummheit oder Niedertracht?“ Wie jeder Abiturient weiß, hat die Quantenphysik die klassische Physik Newtons erweitert und – zumindest nach einigen ihrer Interpretationen – den Determinismus des mechanistischen Weltbildes in Frage gestellt. Doch der Determinismus der mechanistischen Physik hat nichts mit dem Atheismus der naturalistischen Philosophie zu tun.

Der zehnte und letzte Kunstgriff besteht darin, seinen Gegner, wenn nötig, zu beschämen. So zitiert Lütz bei der Behandlung des Theodizee-Problems sein philosophisches Vorbild Robert Spaemann, der auf die Frage „Wo war Gott in Auschwitz?“, kurz mit „Am Kreuz!“ antwortete. Angesichts dieser entwaffnenden Antwort verbietet sich freilich jede weitere Frage; es sei denn, man nimmt es in Kauf, als herzlos zu gelten. So geschickt dieser moralistische Schachzug auch sein mag, dass Gott ebenfalls gelitten hat, kann selbstverständlich keine Antwort auf die Frage sein, warum Millionen von Juden in den Tod gehen mussten, wenn ihnen ein ällmächtiger und allwissender Gott doch problemlos hätte zu Hilfe eilen können.

Für den Fall, dass ein Leser auf Lützens Kunstgriffe hereingefallen ist, sollte man annehmen, dass er jetzt vor der Wahl stehe und entscheiden müsse, ob er nun Christ, Muslim, Jude, Hinduist, Buddhist, Jainist oder was auch immer werden wolle. Doch Lütz ist derart zuvorkommend, dass er seinen Lesern die Qual der Wahl auch hier gerne abnimmt. Die anderen Religionen seien keine wirkliche Option. Sie seien „religiöser Ramsch“. „Das Wirrwarr des hinduistischen Götterhimmels“ etwa sei schlichtweg „abstoßend“. Der Buddhismus habe zwar einige „tiefe Einsichten“, sei aber letztlich „unbefriedigend“. Und im Islam sei der Mensch einfach „zu weit ent-fernt“ von Gott. Gegen das Judentum sagt Lütz eigentümlicherweise nichts. Wahrscheinlich schweigt er sich aber nur deshalb aus, weil man in einer „Theologie nach Auschwitz“ mit solcher Kritik vorsichtig sein muss.

Die erste Frage, die man sich nach der Lektüre, stellt, ist: Wie kann ein so billiges Buch nur so teuer sein?
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1-10 von 31 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.04.2008 10:02:38 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 08.04.2008 10:05:50 GMT+02:00
Hallo Herr Dr. Dahl,
Sie schreiben: "Dass sowohl der Faschismus als auch der Kommunismus zwei quasi-religiöse Heilslehren waren, die mit dem Atheismus säkularer Humanisten nicht das Geringste zu tun haben, ficht ihn dabei nicht an. Auch scheint er bequemerweise ganz zu vergessen, dass die Soldaten der Wehrmacht "Mit Gott und dem Führer" in den Krieg gezogen sind und über ein Viertel der SS-Angehörigen treu ergebene Mitglieder seiner katholischen Kirche waren".

Da erliegen Sie aber Ihren Kunstgriffen ganz gewaltig. Sie unterscheiden wieder einmal zwischen den guten Atheisten, denen Sie gleich noch das Prädikat "säkulare Humanisten" anheften und den bösen Atheisten, die eigentlich gar keine Atheisten waren sondern, man hat es ja schon immer irgendwie befürchtet, Personen, die "quasi religiösen Heilslehren" auf den Leim gingen.
Aber es kommt noch doller! Die Mitglieder der SS waren zu 25 Prozent treu ergebene Mitglieder der katholischen Kirche. Also doch! Der Nationalsozialismus war vom Papst gesteuert. Rosenberg, Himmler und wie die ganzen anderen Ideologen des Heuheidentums hießen - von der Kirche instruiert. Stalins und Maos Ideologen - fehlgeleitete Irre.

Sie machen es sich zu einfach. Ihr größter Irrtum besteht darin, den Atheismus nicht als Grundlage des Stalinismus oder Maoismus anzuerkennen. Dabei ist der Atheismus bei sämtlichen Klassikern des Sozialismus (von Marx und Engels über Lenin) Grundvoraussetzung für den Kommunismus und vor allem den Materialismus. Dass der Atheismus qua Definition am Materialismus nicht vorbeikommt, ist eine Tatsache, die nicht einmal so genannte säkulare Humanisten verschweigen können.
Wer sagt, die totalitären Systeme des 20. und 21. Jahrhunderts seien gar nicht atheistisch, sondern quasi-religiös geprägt gewesen, der hat weder die atheistische Ideologie noch die Religionen begriffen und argumentiert zudem unhistorisch. Die Atheisten Ihrer Prägung verhalten sich genau so scheinheilig wie einige Katholiken es heute noch tun. Sie aktzeptieren die Gräueltaten nicht, die im Namen Ihrer Dogmen im Laufe der Geschichte verübt worden sind. Ihr Kunstgriff dabei: Sie beugen ganz einfach den Atheismusbegriff, bis er so elastisch ist, dass er in Ihren Kram passt. Das gibt es nun bei Christen auch. Man baut sich seine eigene, moderene Religion, nach der es sich toll leben lässt und mit deren Geschichte man eigentlich gar nichts mehr zu tun hat.

Ich verlange von den Atheisten eigentlich nichts anderes, als von den Christen auch: Zur eigenen Geschichte stehen, auch wenn Sie ungemütlich ist. Denn den Atheismus der Dahlschen Prägung ist nur etwas für Herrn Dr. Dahl persönlich.

Sie schreiben: "Der säkulare Humanismus eines Bertrand Russells ist beispielsweise eine durchaus gangbare Alternative zum moralischen Nihilismus".
Da Sie sich mit Russell auszukennen scheinen, müssten Sie wissen, dass er auch von Gläubigen wegen seiner schonungslosen Ehrlichkeit geachtet wird. Nun kam Anfang der 70-er Jahre die Autobiografie Russells heraus. Und hier gibt es eine sehr interessante Stelle. Mit 80 reiste Russell nach Griechenland und machte eine überraschende Erfahrung. Er fühle sich in einer alten christlichen Kirche "weit mehr zu Hause" als in Gebäuden der heidnischen Antike, schreibt er. Seine Folgerung: Das christliches Lebensgefühl habe weit mehr Einfluss auf ihn, als er geglaubt hatte. Den Alten Griechen fehle jeglicher Sündenbegriff, stellte er fest. Er "bemerkte nunmehr überrascht, dass dieser Begriff auch meine Gefühle beherrschte." (Russell: Autobiographie, Bd.3, S. 92; 1972-1974, Frankfurt/Main). Trotzdem, das sei der Fairness halber gesagt, wies er darauf hin, dass das Christentum keinen Einfluss auf seine Anschauungen habe.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.04.2008 22:01:14 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.04.2008 19:54:39 GMT+02:00
Norbert Rohde meint:
Dr. Edgar Dahl hat zehn "Kunstgriffe" des Autors Lütz kommentiert, die - so wie ich meine - ein Markenzeichen des römisch-katholischen Werbemanagers Lütz sind. Bekanntlich hat Werbung recht wenig mit "Wahrheit" zu tun. Und das hat der Kommentator sehr gut geschildert.

Josef Christian bedient sich nun eines 11. Kunstgriffs, in dem er sich darüber auslässt, was er persönlich unter einem "Atheisten" versteht. Alle sonstigen Einwendunge des Kommentators Dr. Edgar Dahl kehrt er unter den Teppich.

Siehe auch Anmerkungen zur Rezension von Norbert Rohde zum Buch GOTT:

http://www.amazon.de/Gott-Manfred-L%C3%BCtz/dp/customer-reviews/3629021581/ref=cm_cr_dp_synop?ie=UTF8&customer-reviews.sort%5Fby=-SubmissionDate&customer-reviews.start=1&qid=1204195612&sr=1-1#RQU4V2MXTAA5V

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.04.2008 12:41:19 GMT+02:00
Sehr geehrter Herr Christian,

es tut mir sehr leid, doch ich weiß beim besten Willen nicht, wovon Sie sprechen. Zunächst einmal habe ich nie auch nur mit einer einzigen Silbe angedeutet, dass "der Nationalsozialismus vom Papst gesteuert" wurde. Ich habe lediglich daran erinnert, dass viele gute Christen "mit Gott und dem Führer" in den Zweiten Weltkrieg gezogen sind und der Papst während des Dritten Reiches kein einziges Wort gegen den Holocaust gesagt hat.

Zudem irren Sie sich, wenn Sie behaupten, dass "im Namen des Atheismus" irgendwelche Greueltaten begangen worden seien. Die Greueltaten des 20. Jahrhunderts sind nicht im Namen des Atheismus, sondern im Namen des Faschismus und des Kommunismus begangen worden. Wenn sich Christen unter ihren Opfern fanden, dann nicht, weil sie Christen, sondern weil sie "Klassenfeinde" oder "Regimegegener" waren. Dietrich Bonhoeffer etwa ist nicht hingerichtet worden, weil er religiös war, sondern weil er im antifaschistischen Widerstand tätig war.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.04.2008 16:23:44 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.04.2008 16:25:11 GMT+02:00
Tja, lieber Herr Dr. Dahl,
Bonhoeffer war im antifaschistischen Widerstand tätig, weil ihm sein bis zur letzten Konsequenz gelebter christliche Glaube keine andere Möglichkeit bot. Die christlichen Regimegegner waren Regimegegener, weil sie Christen waren, genau so wie die sozialsdemokratischen Regimegegner Regimegegner waren, weil sie Sozialdemokraten waren. Regimegegner ist nur der, der gegen das Regime steht, d.h. gegen die ideologischen, moralischen, sittlichen Prämissen eines Regimes steht. Niemand ist Regimegegner aus purer Langeweile.
Bonhoeffer ist hingerichtet worden, weil er den Führerstaat zutiefst ablehnte, weil er den von den Naitonalsozialisten geführte Krieg ablehnte und weil er die systematische Vernichtung der Juden verabscheute. Das tat er als Christ und als Mensch. Und genau so wie es im antifaschistischen Widerstand Sozialdemokraten, Kommunisten, Konservative oder Liberale gab, genau so gab es dort Christen. Und diese Menschen sind für ihre Überzeugung gestorben. Aus seiner christlichen Überzeugung heraus wurde Bonhoeffer Antifaschist.

Lieber Herr Dr. Dahl,
das mit dem Papst war ein Kunstgriff. Der Kunstgriff der Übertreibung, heißt es, so glaube ich, in der Rhetorik.

Ihre Behauptung, dass im Namen des Atheismus keinerlei Gräueltaten begangen worden seien, ist mit Verlaub, ein kapitaler historischer Bewertungsfehler. Die russischen Popen wurden während der russischen Revolution erschlagen, weil sie den Sozialismus ablehnten. Sie lehnten den Sozialismus ab, weil er gottlos, atheistisch war. Die russisschen Revolutionäre brachten die Gläubigen um, weil diese den Sozialismus ablehnten. Die Gläubigen lehnten den Sozialismus ab, weil er gottlos war.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.04.2008 22:12:15 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 15.04.2008 22:22:56 GMT+02:00
Norbert Rohde meint:
Na endlich: "Und genau so wie es im antifaschistischen Widerstand Sozialdemokraten, Kommunisten, Konservative oder Liberale gab, genau so gab es dort Christen".
Warum scheut sich Josef Christian zu erwähnen, dass es unter den Antfaschisten auch ein große Zahl von Atheisten gab (wahrscheinlich mehr als Theisten).
Fazit: Moralische Grundsätze hängen nicht von dieser oder jener Religion ab, sondern primär von genetischen Faktoren und den jeweils vorliegenden Umweltverhältnissen , die die genetische Prägung fördern oder hemmen.
Wäre es anders, dann müsste unsere Welt nach 2000 Jahren Christentum grundlegend anders aussehen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.04.2008 10:58:50 GMT+02:00
Lieber Herr Rohde,
ich habe nie behauptet, dass es im Widerstand gegen Hitler nur Christen gegeben habe. Und ich spreche gerade den Kommunisten nicht ihren Widerstand gegen Hitler ab. Ich scheue mich keinesfalls zu erwähnen, dass es unter den Antifaschisten eine große Zahl von Atheisten gegeben hat. Und ich erkenne deren Bereitschaft zum Kampf gegen den Nationalsozialismus vorbehaltlos an. Ich habe aber auch noch nie behauptet, dass eine atheistische Einstellung grundsätzlich eine besondere Affinität zu totalitären Ideen impliziert. Genau so wenig ist für mich jeder Christ allein durch seine Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche/Gemeinde gut oder sogar besser als ein Atheist. Ich wehre mich allerdings vehement dagegen, dass man durch Verbrechen der Kirchen im Mittelalter grundsätzlich das Christentum oder sogar die Religion als gewalttätig und damit alle Christen als gewalttätig darstellt. Das wäre, wie wenn man alle Atheisten als Verbrecher darstellen würde, weil Mao, Stalin oder Pol Pot mit ihren unter anderem auf den Atheismus begründeten Systemen so unsagbares Leid auf die Welt gebracht haben. Was ich sage ist, dass es diese Massenmörder durch ihre Berufung auf den Atheismus einfacher gehabt haben, ihre Exzesse zu legitimieren. Aber es gab auch atheistische, kommunistische Kämpfer gegen Stalin und gegen Mao. Auch diesen spreche ich ihre Lauterkeit gegen den Totalitarismus nicht ab.

Lieber Herr Rohde,
trotzdem eine Frage: Woher wollen sie eigentlich wissen, wie die Welt ausgesehen hätte, wenn sie sich grundlegend biblisch-christlich entwickelt hätte. Und was wären die Alternativen gewesen. War das heidnische Römische Reich eine so viel bessere Alternative?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.04.2008 13:25:02 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 16.04.2008 13:27:32 GMT+02:00
Norbert Rohde meint:
Wenn ich alle Lütz`schen Lobpreisungen aus dem Buch GOTT addiere, dann hätten wir doch die "Beste aller Welten". Wenn ich aber Matth.5,13 zitieren darf, dann ist das christliche "Salz der Erde" schal geworden."Es taugt zu nichts mehr; man wirft es hinaus, und es wird von den Menschen zertreten werden".

Die einzige Alternative zu allen umherschwirrenden Gottesphantastereien sind die rasant zunehmenden, naturwissenschaftlichen Erkenntnisse, die uns einen fundierten Einblick in die (biologische) Natur des Lebens, einschließlich des Menschen gestattet.

An anderer Stelle hatte ich bereits geschrieben: Alle Hypothesen, die nicht mit der WIRKLICHKEIT übereinstimmen, führen in die Irre, oft genug in die Katastrophe..... Sollte ich mich irren, beweisen Sie mir bitte das Gegenteil!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.04.2008 15:01:48 GMT+02:00
Lieber Herr Christian,

lassen Sie mich meine Antwort in drei separate Kommentare teilen.

Wenn Manfred Lütz den Faschismus und den Kommunismus als "atheistische Freilandversuche" bezeichnet, will er damit doch sagen: "Wir haben doch alle gesehen, wohin der Atheismus führt - nämlich zu Gulags und Auschwitz!" Ist dies nicht auch Ihrer Ansicht nach eine, gelinde gesagt, dreiste Behauptung?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.04.2008 15:06:57 GMT+02:00
Inwiefern handelte es sich bei der Erwähnung des Vatikans um einen "Kunstgriff" oder eine "Übertreibung"? Stimmt es oder stimmt es nicht, dass der Vatikan zum Holocaust geschwiegen hat? Und: Stimmt es oder stimmt es nicht, dass der Vatikan nach dem Krieg Naziverbrechern zur Flucht ins Ausland verhalf?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 16.04.2008 15:31:22 GMT+02:00
Sie schrieben: "Wer sagt, die totalitären Systeme des 20. und 21. Jahrhunderts seien gar nicht atheistisch, sondern quasi-religiös geprägt gewesen, der hat weder die atheistische Ideologie noch die Religionen begriffen und argumentiert zudem unhistorisch."

Als Philosoph bin ich es gewohnt, zwischen Faschismus, Kommunismus und Atheismus zu unterscheiden. Anders als der Faschismus und der Kommunismus ist der Atheismus weder eine Gesellschaftsordnung noch eine Regierungsform - er ist einfach eine philosophische Haltung in Bezug auf die Gottesfrage. Daher gibt es auch keine "atheistischen Regime". Ist die liberale Demokratie, die wir in Deutschland haben, "atheistisch" oder "theistisch"? Sie ist nichts von beidem. Deutschland ist ein freiheitlicher Rechtsstaat, in dem alle Bürger ungeachtet ihrer Rasse, ihrer Religion oder ihres Geschlechts dieselben Rechte haben, einschließlich des Rechts auf Religionsfreiheit.
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