Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Zwischen Paralleluniversum und Universität, 21. Dezember 2010
Rezension bezieht sich auf: Geschichte machen: Roman (Taschenbuch)
In den 1990er Jahren: Michael Young ist Geschichtsstudent in England, etwa 24 Jahre alt und immer öfter genervt von seinem Leben, das nicht gerade Erfolg abwirft. Sein Liebesleben läuft aus dem Ruder, als seine Freundin immer unzufriedener mit ihm wird und für seinen arroganten Dozenten ist Michaels Doktorarbeit um Adolf Hitlers Zeugung und Jugend ein Witz. Gerade in dieser eher unglücklichen Episode trifft er Physikprofessor Leo Zuckermann, der sich durchaus interessiert an Michaels Doktorarbeit zeigt.
Beide wagen ein Experiment mit unvorstellbaren Folgen: dank eines Apparates, der sozusagen ein einseitiges Fenster in die Vergangenheit darstellt, will Michael ein empfängnisverhütendes Medikament in jenen Brunnen befördern, von dem die Eltern Adolf Hitlers damals in Braunau 1888 getrunken haben. Damit soll sein Vater unfruchtbar, der Holocaust nachträglich vermieden werden.
Denn: Ohne Hitler - kein Holocaust. Oder?

Allein die Grundidee hat mich dazu verleitet, diesen Roman endlich einmal zu lesen.
Dabei kommt es nicht so sehr drauf an, realistische Theorien vorzufinden. Es ist ein Roman mit britischem Humor, der dennoch gekonnt und pietätvoll auch zum nötigen Ernst findet, wenn die Verbrechen der Nazis angesprochen werden. Und es wird ein "Was wäre, wenn...?"-Szenario durchgespielt, dass eine mögliche Therie von vielleicht 1000 Theorien aufwirft. Das sollte auch so schnell nicht vergessen werden.
"Geschichte machen" wurde von Stephen Fry verfasst, der nebst dem Verfassen anderer Bücher auch Drehbücher schreibt, sich der Schauspielerei und der Regiearbeit widmet. Hin und wieder kommt auch seine unverwechselbare tiefe Stimme zum Einsatz, wie etwa in englischen Hörbüchern oder in der Romanverfilmung "Per Anhalter durch die Galaxis" von 2005. In der Buchverfilmung "Alice im Wunderland" von Tim Burton im Jahr 2010 sprach Fry die Grinsekatze im Originalton.

Dies ist der erste Roman, den ich von Stephen Fry gelesen hab.
Inwiefern er gut oder schlecht im Gegensatz zu Frys anderen Werken ist, kann ich also nicht sagen.
Sagen kann ich, dass ich großen Lesespaß empfunden habe.

Die erste Hälfte wechselt sich ab zwischen dem Uni-Alltag des Protagonisten Michael und einer Art Flashback in die Vergangenheit, von vor Hitlers Zeugung bis hin zu seinem Mitwirken im 1. Weltkrieg (dies stellt die Doktorarbeit von Michael dar).
Es gibt etliche witzige, sehr witzige und/oder interessante Passagen, doch freilich braucht man etwas Geduld, bis so manche Geschichtsteile in Fahrt kommen, etwa die Nebengeschichte um Michael und seiner Freundin Jane.

Spätestens ab der zweiten Hälfte gewinnt das Buch an Fahrt. Denn hier erwacht Michael in jener Parallelwelt, die er mithilfe seines Experiments verursacht hat.
Wie die ausschaut....sagen wir es so (ich will einfach niemandem die Überraschungen nehmen): Adolf Hitler hat ohne Frage Unglück über die Welt gebracht, nur kann man sich nach Lesen dieses Romans nicht mehr so sicher sein, ob die Welt ohne hin Friede-Freude-Eierkuchen gewesen wäre. Daher regt "Geschichte machen" zum Nachdenken an, ohne dass man ein schlechtes Gewissen haben muss, dass man die Wende im Buch in der einen oder anderen Weise bedauert.

Was viele Leser bemängeln ist die intensive Behandlung des Coming-Outs von Michael.
Ich habe es nicht sonderlich als aufdringlich empfunden, die Passagen darüber zu lesen (ist auch mal was anderes), aber ein wenig wie ein Fremdkörper mag es schon wirken vor diesem historischen Hintergrund, erinnert auch aber wieder daran, Selbstverständlichkeiten wie Meinungsfreiheit oder die freie Wahl der sexuellen Richtung in liberalen Ländern einmal mehr zu schätzen.
Gut und gefühlvoll wurden diese Passagen jedenfalls geschrieben.

Ein weiteres mögliches Problem ist die deutsche Übersetzung.
Diese mag nicht schlecht sein, aber öfter geht es um Unterschiede zwischen dem britischen und dem amerikanischen Englisch. Wer mindestens eine gewisse Ahnung davon hat, wird mit den entsprechenden Stellen klarer kommen als ein Leser, der sich darunter nichts vorstellen kann.
Allerdings werden diese Situationen vom Erzähler oder von Nebenfiguren recht gut erklärt und unterstützt, so dass niemand "zurückbleibt", als hätte er etwas wichtiges gänzlich verpasst (etwa wenn eine Figur Michael befremdet fragt, wieso dieser auf einmal britischen statt amerikanischen Akzent spricht).

Ich könnte noch einiges anführen, würde aber die Kritik zu weit treiben, denn dann müsste ich von den vielen Kapiteln, die so richtig spannend und voller Überraschungen sind, etwas zitieren und das möcht ich aus Rücksicht nicht tun.

Fazit: sollten Sie britischen Humor mögen - oder sich für die Geschichte des 20. Jahrhunderts interessieren - oder für Zeitreisen, Paralleluniversen oder Stephen Fry - kann ich Ihnen dieses Buch ans Herz legen. Kein perfekter Roman, doch die kleinen Schwächen werden wieder gut gemacht durch Lesespaß und genügend Spannung.
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