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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Die Masse kann warten, 25. April 2014
Rezension bezieht sich auf: Everyday Robots (Audio CD)
Kann es sein, dass selbst Damon Albarn Schwierigkeiten hat, den Überblick über die komplette Bandbreite seiner verschiedenen Aktivitäten zu behalten – es wäre nur zu menschlich, vergäße er kurzzeitig, mit wem er da gerade im Studio sitzt und wo genau sich dieses Studio im Moment befindet. Blur, The Good, The Bad And The Queen, Richard Russell, Bobby Womack, Gorillaz, Africa Express, hier ein Gastauftritt, da eine Oper, zwischendrin noch ein paar Songs mit Noel Gallagher – Albarn ist die perfekte Verbindung von Workaholic und Globetrotter. Und wäre er nicht nebenbei auch noch ein Genie, wie es in seiner Branche nur wenige gibt, er würde wahrscheinlich bald im selbstgemachten Chaos versinken. Weil er nun aber so verdammt abgezockt ist, schmeißt Albarn einfach die komplette Klangpalette seiner zahlreichen Projekte in eine großen Topf, gibt ein paar Reiseeindrücke und Denkanstöße über das gesamtglobale ‘Wer-wann-warum-wohin?‘ dazu und verkocht das Ganze zu seinem ersten Soloalbum. Gescheiter Bursche!

Albarns großes Plus als Komponist ist es ja, dass er sich nicht auf die immergleiche „bridge-verse-chorus“-Nummer festlegen lassen will, gerade die Stücke, die er in den letzten Jahren verfasst hat, zeichnete ein hohes Maß an Inspiration und Experimentierfreude aus, sein unbedingter Wille, verschiedenste Kulturen in seine Arbeiten einfließen zu lassen, ist so berühmt wie berüchtigt. Ähnliches nun auch hier – die großen Hits wird man auf seinem Debüt nicht finden, starke Songs dagegen um so mehr. Für diese wählt er größtenteils elektronisch generierten Sound, die Zusammenarbeit mit Richard Russell hat da offenbar bleibende Spuren hinterlassen. Gleich die ersten drei Titel („Everyday Robots“/“Hostiles“/“Lonely Press Play“) kommen mit trippigem Midtempo daher – lässig, wie er immer wieder kleine, aber feine Loops und Stimmsequenzen dazwischenschiebt und zur Veredelung nutzt.

„Mr. Tembo“ als quirlig verspielte Afrobeatcollage zielt natürlich auf die Beine und erfüllt seinen Zweck – Albarn schrieb das Stück als kindlicher Verehrer eines heranwachsenden Elefantenbullen, schön zu hören, wie diese unbefangenen, gutgelaunten Beobachtungen die grüblerische Melancholie, Grundthema des Albums, beiseitezuschieben vermögen. Dass ebenjene nachdenkliche Sinnsuche auch überaus reizvoll klingen kann, beweist er gleich in der Folge mit „You And Me“ und „Hollow Ponds“, zwei grandiosen Überlängen. Karibische Steeldrum und zarter RnB hier, feierliches Hornsolo zum ‘Guy-Garvey-Timbre‘ dort – nostalgische Rückschau, wie sie anmutiger kaum vertont werden könnte. Es bleibt über die gesamt Spiellänge dabei: Albarn wählt mit Bedacht, soll es ein Gospelchor sein, dann passt der auch, die Drums bleiben eher hintergründig und auch mit sparsamer Akustik weiß er zu gefallen („History Of A Cheating Heart“). Höchstes Kritikerlob ist ihm also mit dieser Platte sicher, die Masse holt er sich dann wieder mit dem nächsten Blur-Album – garantiert. mapambulo:blog
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