Kundenrezension

9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Frühzeitlicher Exkurs von Blake Edwards und Henry Mancini ..., 13. April 2010
Rezension bezieht sich auf: Der letzte Zug (DVD)
... "Exkurs" trifft dabei nur eingeschränkt zu und dies am ehesten auf Regisseur Edwards - er hat sich nicht allein späterhin einen Ruf durch erfolgreiche Inszenierungen von eher leichterer Unterhaltung geschaffen (die PINK PANTHER Filme, DER PARTYSCHRECK, BLIND DATE, SWITCH), bereits vor dem Noir-Krimi EXPERIMENT IN TERROR und dem Alkoholiker-Drama DAYS OF WINE AND ROSES (beide 1962 inszeniert) hatte er durch Filme wie UNTERNEHMEN PETTICOAT und den berühmten FRÜHSTÜCK BEI TIFFANY auf sich aufmerksam gemacht. Henry Mancini hat sich, obwohl er zu beweisen vermochte, daß sein Talent von subtilerer Natur war, in erster Linie einen Namen auf dem Gebiet der 'Easy Listening'-Musik gemacht, dies allerdings auch erst seit den 60er Jahren. Zuvor nämlich komponierte er bereits Musik für u.a. Orson Welles' TOUCH OF EVIL oder Jack Arnold's DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS. In diesem Zusammenhang wirkt die großartige Arbeit, die er kompositorisch für DER LETZTE ZUG/EXPERIMENT IN TERROR geleistet hat, nicht ganz so überraschend. Der Komponist und der Regisseur lernten sich Mitte der 50er Jahre kennen und blieben auf Lebenszeit mit einander befreundet, was zu einer Zusammenarbeit an knapp 30 gemeinsamen Filmprojekten führte.

In EXPERIMENT IN TERROR spielt Lee Remick eine junge Bankangestellte in San Francisco namens Kelly Sherwood, die eines Abends in ihrer Garage von einem Unbekannten bedrängt wird, der über ihre sozialen Kontakte, Lebensgewohnheiten etc. bestens im Bilde zu sein scheint und sie jetzt erpresst: Sie soll für ihn $ 100.000 aus der Bank stehlen, andernfalls würde er sie und ihre Schwester (Stefanie Powers) töten und dies ebenfalls, sollte sie die Polizei einschalten. Kelly weiß sich aber nicht anders zu helfen und wendet sich an das FBI, somit leitet jetzt John Ripley (Glenn Ford) die Suche nach dem Unbekannten (Ross Martin) ein, den Kelly während der "Unterhaltung" in der Garage nicht eindeutig erkennen konnte. Ihr fiel aber auf, daß er ein Asthmatiker ist und dieses Leiden führt das FBI letztlich auf die richtige Spur, während Kelly als Köder fungieren soll, um den Erpresser in die Falle zu locken ... ein gewagtes Spiel, schließlich schweben Kelly und ihre Schwester potentiell fortwährend in Lebensgefahr, noch ist der mysteriöse Unbekannte dem FBI immer einen Schritt voraus ...

Obwohl in den frühesten 60ern gedreht, beginnt der Film in bester Noir-Tradition der 50er Jahre: Zur verheißungsvollen, düsteren Musik von Mancini eröffnen sich während der Opening Credits Perspektiven auf ein nächtliches San Francisco, durch das Lee Remick im Auto fährt, bis sie nach Twin Peaks abbiegt (Fans der gleichnamigen TV-Serie erfahren hier somit, woher Regisseur David Lynch seine Inspiration für die Wahl des Titels bezog, wer allerdings einen geographischen Hinweis auf die Region erhalten möchte, in die Lynch 'sein' Twin Peaks verlegte, der sollte sich ROADHOUSE ansehen). Bei sich zu Hause angekommen, wird sie in ihrer Garage von einem Mann drangsaliert, den sie nicht erkennen kann, der sie allerdings erschreckend gut zu kennen scheint und der somit zur Bedrohung wird, alles in schwach ausgeleuchteter Schwarz/Weiß Atmosphäre gefilmt - schnell wird deutlich, daß Blake Edwards, auch jenseits der Komödien, 'seine Hausaufgaben gemacht' hat. Und nicht allein in den ersten Minuten hat der Regisseur genrespezifische Komponenten verarbeitet: Der weitere Verlauf, in Hinblick auf die Ermittlungen des FBI, erinnert verhalten an die sog. 'Semi-Documentaries', die seit Ende der 40er Jahre einen Teilaspekt des Noir-Genres darstellen. Überdies entsteht durch ein sehr gut erstelltes Schaufensterpuppen-Szenario der Eindruck einer Verbeugung vor Stanley Kubrick's offiziellem Erstlingswerk KILLER'S KISS (= Der Tiger Von New York, 1955). Eine wahre Bereicherung ist zu jeder Zeit Henry Mancini's Musik, der das getragene Grundthema für eine Szene sogar umarrangiert hat, so daß es wie eine tanzbare Nummer aus einem Radio erklingt. Stilistisch fehlt es dem Film an nichts, die sog. 'atmosphärische Dichte' ist definitiv gegeben, dennoch muß sich EXPERIMENT IN TERROR mit einer 3-Sterne-Bewertung zufrieden geben. Warum? Nach mittlerweile mehrmaligem Ansehen, das meine Bewertung nicht zu verändern vermochte, habe ich mir die Frage natürlich auch gestellt ... Lee Remick überzeugt, in noch vergleichsweise jungen Jahren, ohne Frage in ihrer Darstellung der Figur Kelly Sherwood, die zwischen Stärke und Verzweiflung hin und her pendelt. Und auch Glenn Ford - jederzeit okay, für mich dennoch niemals die 'Erste Wahl' für eine männliche Hauptrollenbesetzung -, mittlerweile gealtert/gereift, verkörpert die Rolle eines nicht unfehlbaren, dabei souverän operierenden, engagierten und beharrlichen FBI-Agenten wirklich gut. Ich glaube, die "Schwachstelle" ist die Länge im Verhältnis zum nahezu vorhersehbaren Ende, dem etwas, wie (mindestens) eine Wende, ein Clou fehlt ... oder aber: Wäre in der Gesamtlänge mindestens eine halbe Stunde eingespart worden, entstünde nicht zuweilen der Eindruck von Langatmigkeit - das Spiel mit dem bewußt eingesetzten Verstreichenlassen von Zeit (dies im Sinne von spürbarer Effizienz) verstand ohnehin kaum jemand so gut wie der 'Master Of Suspense, Alfred Hitchcock ... daran hätte Blake Edwards noch arbeiten müssen, wäre er diesem Genre treu geblieben - aber es war schließlich nur sein einmaliger Exkurs. Und, gemessen daran, hat er seine Sache im Großen und Ganzen eigentlich recht gut gemacht.

Nicht so ganz im Sinne eines stimmigen Gesamtwerkes also (obwohl es an schlüssiger Regieführung nicht fehlt, eher am Aufrechterhalten/weiteren Aufbau von Spannung), in jedem Fall aber aufgrund vereinzelter, wirklich sehenswerter Szenarios und wegen Mancini's Musik mag ich diesen Film, bereue die Anschaffung der DVD keinesfalls und empfehle selbige ebenfalls jedem Sammler von Hollywood-Schwarz/Weiß-Krimis - EXPERIMENT IN TERROR fehlte schließlich bis vor kurzem noch auf dem deutschen DVD-Markt und gehört in eine gut sortierte Genre-Sammlung fraglos integriert, zumal es an Bild und Ton nichts auszusetzen gibt und der Preis stimmt.
-- theSilentNoirFreak
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 15.04.2010 20:06:43 GMT+02:00
Ray meint:
Sogar zwei sterne Unterschied, aber die Rezension ist sehr interessant geschrieben. LG Ray

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.04.2010 20:37:09 GMT+02:00
Danke, deine nicht minder. Ich glaube, daß alle Rezensionen zusammen, mit ihren unterschiedlichen Teilaspekten & Prioritätensetzungen, jetzt einem 'Newcomer' recht gute Eindrücke zum Film vermitteln können.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.04.2010 17:23:10 GMT+02:00
Tonio Gas meint:
Hallo in die Runde,
Das liefert in der Tat einen guten Einblick, und besonders Dich, tsnf, möchte ich mal fragen, ob Du "Die Frucht des Tropenbaumes" von Edwards kennst. Mein neuester Text, drei Sterne, und ich hatte den Eindruck, mir könnte es ähnlich ergangen sein wie Dir bei "Experiment in Terror". Daher enthält die Rezi einen kleinen Gruß an Dich;-). LG, Tonio. Siehe Frucht des Tropenbaumes (2 DVDs)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.04.2010 02:22:45 GMT+02:00
Hallo Tonio,
dank dir für deine Anerkennung an auch meinem bescheidenen Anteil zum 'guten Einblick' sowie für deinen Gruß in deiner Rez. ... aber überschreitest du damit nicht ein wenig die Grenzen der ... ähem ... 'Legitimität' (grins)? Um deine Frage zu beantworten: Nein, den Film kenne ich nicht und genau dort (= zu deiner Rez. von "Die Frucht des Tropenbaums) lesen wir uns weiter, bis dahin, viele Grüße, tSNF
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