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134 von 138 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
= Spaßfaktor:
Rezension bezieht sich auf: Europa Universalis III (Videospiel)
Ich war auf EU3 durch einige Screenshots aufmerksam geworden, die ich auf Fachseiten im Internet gesehen hatte. Aus irgendeinem Grund fühlte ich mich sofort von dem Spiel angesprochen, ohne vorher einen einzigen Vorbericht gelesen oder einen der Vorgänger gespielt zu haben. Und tatsächlich hat mich mein Instinkt nicht getrogen. EU3 besitzt das "gewisse Etwas", was ich selbst bei absoluten Hits wie der Total War-Reihe oder sogar bei Civilization IV ein wenig vermisse. Ich möchte mich mal auf drei in meinen Augen besonders wichtige Punkte beschränken:1. Historische Spieltiefe ------------------------- Die geradezu monstermäßige Genauigkeit bei der Berücksichtigung historischer Details fällt sofort ins Auge. Es stimmt zwar natürlich nicht, dass man wirklich "jedes" Land spielen kann (allein auf deutschen Boden gab es davon in jener Zeitspanne mehrere tausend!), aber es kommt einem als Spieler so vor, als wären es alle. Falls einem doch was fehlt, z.B. irgendeine Freie Reichsstadt, kann man mit allerlei Modding-Möglichkeiten selbst die nötigen Korrekturen vornehmen. Ebenso bemerkenswert ist, dass man von der Fülle an historischen Fakten nicht erdrückt wird. Das Spiel entwickelt sich nicht in dröger Oberlehrerhaftigkeit entlang des Schulbuchs, sondern gibt eher für jedes Land ungefähre Parameter vor (z.B. verwenden die Spanier und Portugiesen am Anfang mit höherer Wahrscheinlichkeit die Nationalidee "Suche nach der Neuen Welt", die Engländer hingegen "Grundrechte"), in deren Grenzen sich aber bei jedem Spielverlauf völlig unterschiedliche Entwicklungen vollziehen. Das hat fast etwas Philosophisches, denn man fängt unweigerlich an zu grübeln, dass die Weltgeschichte durchaus auch anders hätte verlaufen können, wenn dieses oder jenes Detail anders ausgesehen hätte. 2. Grafik --------- Im Gegensatz zu vielen Spielemagazinen halte ich die Grafik eher für eine Stärke des Spiels denn für eine Schwäche. Natürlich kann EU3 nicht mit der 3D-Optik anderer Strategietitel mithalten, aber das ist auch gar nicht der Anspruch. Wem beim Betrachten von historischen Landkarten im Geschichtsbuch das Herz aufgeht (ich gehöre dazu), der ist hier auf jeden Fall richtig. Dass die einzelnen Einheiten und die Kämpfe allgemein eher unspektakulär aussehen, fällt mir nach zehn Stunden spielen sowieso nicht mehr auf. 3. Ausgewogenheit ----------------- Wer es von (fast allen) anderen Strategietiteln gewohnt ist, wird möglicherweise automatisch darauf verfallen, alles um sich herum platt zu walzen und geradewegs die Weltherrschaft anzustreben. Auch ich habe das bei meiner ersten Partei so gemacht und das irgendwann als sehr mühsam empfunden. Als ich dann entdeckte, dass das kleine Zypern mit einer einzigen Provinz weit vor meinem Riesenreich in der Prestige-Rangliste an der Spitze stand, dämmerte mir langsam, dass EU3 anders funktioniert. Es stört mich bei anderen Spielen massiv, dass alles im Endeffekt immer wieder auf die alte Masche "Es kann nur einen geben" hinausläuft und aggressive Draufgänger letztlich immer im Vorteil sind. Natürlich gibt es auch in EU3 einen harten Wettstreit unter den Nationen, aber es spielt hier nicht so sehr eine Rolle, das Spiel zu gewinnen. Jeder kann sein eigenes Ziel verfolgen: Der eine will sich ein großes Kolonialreich verschaffen, der andere die Heiden bekehren, der nächste will Kaiser oder Papst werden und wieder ein anderer die Handelsmärkte dieser Welt dominieren. Es gibt zwar einen "offiziellen" Spielstand in Form der Prestige-Rangliste, aber da diese irgendwo in einem Menü versteckt ist und einem nicht ständig vor der Nase herumbaumelt, spielt sie nicht eine so große Rolle wie in anderen Spielen. Was man auch als Vorgehensweise wählt, es sind immer Fingerspitzengefühl und hohe Aufmerksamkeit gefragt. Erfreulicherweise werden stupide Klopper sehr bald in ihre Schranken verwiesen werden: wer ohne Kriegsgrund angreift, oder seinen Freuden oder Glaubensbrüdern in den Rücken fällt, muss mit richtig schweren Konsequenzen rechnen - er wird innen- und außenpolitisches Ansehen verlieren und dadurch z.B. von den internationalen Handelsplätzen ausgeschlossen werden. Am Anfang fällt das noch nicht ganz so ins Gewicht, da sich das Land noch relativ schnell von den internen Stabilitätseinbrüchen erholt. Aber je länger das Spiel dauert, desto schlimmer wirken sich solche Folgen aus. Wer dann einfach ohne Grund einen Krieg vom Zaun bricht, trägt möglicherweise mehrere Jahrzehnte lang an den Konsequenzen - und zwar selbst dann, wenn er den Krieg gewinnt. Territorium zu verlieren wiederum ist in EU3 nicht so verheerend wie anderswo. Durch die diplomatischen Erschwernisse ist die Gefahr relativ gering, vom gierigen Gegner völlig in die Einzelteile zerlegt zu werden (zumindest, wenn man sich nicht völlig dämlich anstellt). Es geht eher nach dem Prinzip "C'est la vie": Das Auf und Ab im Leben einer Nation gehört halt dazu, in ein paar Jahren kann alles wieder anders ausschauen. "Einbahnstraßen"-Taktiken funktioneren auch deswegen schlecht, weil man nie weiß, was das Schicksal so für einen parat hält: Anders als bei Civilization sterben die Herrscherpersönlichkeiten bzw. die Berater nach einigen Jahren und machen Platz für einen Nachfolger. Wie in der "realen" Geschichte auch hängt das weitere Schicksal dann stark von der Persönlichkeit des neuen Souveräns ab: Vielleicht verfügt er über großes diplomatisches Geschick, welches es möglich machen kann, innerhalb weniger Jahr halb Nordamerika zu kolonisieren. Vielleicht ist der Nachfolger aber auch minderjährig und ein Regentschaftsrat muss das Land leiten, ohne die Möglichkeit, eigene Kriege zu führen. Es kann aber auch sein, dass z.B. der verstorbene österreichische König dem kleinen Friesland das komplette Reich vermacht und dadurch das gesamte Mächtegleichgewicht auf den Kopf stellt. Es gibt natürlich auch ein paar kleine Schwächen im Spiel: Da ist zum einen die mittelprächtige Übersetzung, zum anderen gibt es ein paar Hakeligkeiten in der Steuerung (es ist mir ein paar Mal passiert, dass ein Schiff im Ozean sinkt, weil ich einfach in all der Vielfalt übersehen hatte, es in den Hafen zu fahren). Das sind aber alles Dinge, die den großartigen Gesamteindruck nicht schmälern können. So, das war's jetzt. Wird Zeit zum Weiterspielen. :-) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen Kommentare
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag:
29.06.2008 18:35:20 GMT+02:00
X-TR€M€ meint:
Vielen Dank für diese, in meinen Augen, hervorragende Rezension. Zum einen konnte ich daraus mehr Entscheidungshilfe für den Kauf dieses Spiels ziehen, als aus diversen "Fachmagazinen", denen diese Art von Spielen meist nicht mehr als eine halbe Seite wert ist, und zum anderen ist es mal wieder richtig erfrischend, eine Rezension lesen zu dürfen, die mit "Features" wie Groß- und Kleinschreibung, Interpunktion sowie korrekter Grammatik aufwartet.
Veröffentlicht am
15.07.2008 08:37:20 GMT+02:00
Thjan meint:
Danke für diese tolle Rezension! Auch wenn ich in Geschichte - allgemein und in der vom Spiel behandelten Epoche - noch lange nicht so gut bewandert bin wie ich es gerne wäre (Buchempfehlungen?) hat mir der Text großen Appetit auf das Spiel gemacht :-)
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