Kundenrezension

299 von 337 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dreizehn Sterne, 7. Juni 2013
Rezension bezieht sich auf: 13 (Audio CD)
1970. Regen prasselt, vorn fern erklingt eine Kirchenglocke, es donnert. Einige Sekunden später wird der Metal geboren. Der Beginn einer Ära.

Als vor einigen Monaten bekannt gegeben wurde, dass es zum ersten Mal seit 1978 ein Studioalbum von Black Sabbath in Originalbesetzung geben sollte, war ich komplett aus dem Häuschen. Man kann die Bedeutung von Black Sabbath für die Popmusikgeschichte nicht groß genug einschätzen. Dementsprechend hoch waren natürlich auch die Erwartungen an dieses neue Machwerk. Dessen dürften sich auch die Musiker bewusst gewesen sein. Wie bekommt man dieses wahrscheinlich letzte Kapitel richtig hin? Hatten Iommi, Butler, Osbourne und Ward es immer noch drauf? Wieviel vom eigenen Selbstbild stammte aus hochstilisierten Medienberichten? Wie transportiert man ein über 40 Jahre altes Gefühl ins Heute?

Bevor diese Fragen beantwortet werden konnten, wurde das Unternehmen gleich doppelt gefährdet: Drummer Bill Ward würde nicht auf dem neuen Album mitspielen. Offiziell wurden vertragliche Gründe hierfür angegeben. Unter Fans wurde daraufhin natürlich heftig spekuliert, in wie weit dies mit Entscheidungen des Managements um Sharon Osbourne, wenn man so will die Yoko Ono Black Sabbaths, daran schuld waren. Tatsächlich erscheint es schade, dass wohl alte Feden und Finanzen dazu geführt haben, dass das Album nun nicht in der kompletten Originalbesetzung produziert werden konnte. Als jedoch mit Brad Wilk (Rage Against The Machine, Audioslave) einer der tightesten heutigen Schlagzeuger als Ersatz verpflichtet wurde, hatte man einigen Grund, wieder aufzuatmen.

Dann der Schicksalsschlag: Nach dem Besuch mehrerer Ärzte wird bei dem Riffmeister Tony Iommi Lymphdrüsenkrebs diagnostiziert. Von nun an ist der Tod stetiger Begleiter bei den Aufnahmen. Bei den Musikern macht sich das Gefühl breit, dass dies die allerletzte Chance sei, ein Statement abzugeben. Obwohl Gott anscheinend verhindern will, dass dieses Album entsteht, entschließen sich Sabbath, zusammen mit einem der renommiertesten Produzenten der Welt, Rick Rubin, mit einem Knall abzutreten.

Und das haben sie geschafft. Dieses Album ist ein Manifest. Sabbath orientieren sich tatsächlich an ihren Wurzeln, greifen teilweise Arrangements und Stimmungen ihrer besten Songs neu auf, wirken dabei aber nie so, als kopierten sie sich selbst. Dies ist der nächste Schritt. Die Emotionen von vor 40 Jahren, gefiltert durch die Erfahrung vom Leben gezeichneter Männer, transportiert ins Jahr 2013. Ebenso der Sound: Druckvoll, für Rick Rubin ungewohnt dynamisch und definitiv 70s-mäßig. Spielfreudig wie lang nicht mehr zelebrieren Sabbath Metal, Hardrock, Doom, Blues und teilweise sogar Jazz. Die Songs bieten überraschende Arrangements und einen Tony Iommi, der erstaunlich oft aus seinen jahrzehntealten Gewohnheiten ausbricht. Man merkt vor allem den Solos die Verzweifelung an, die wohl mit dem Krebs verbunden gewesen sein muss.

Dennoch gibt es gerade bei Ozzys Gesang extrem hoffnungsvolle, fast an Southern Rock erinnernde, Passagen. Brad Wilk macht einen absolut soliden Job, und klingt tatsächlich wie eine Mischung aus Bill Ward und Vinnie Appice. Geezer am Bass wirkt wütend. Jede sich bietende Lücke in der Soundwand füllt er mit abgründigen Bassläufen. Über die gesamte Spielzeit hinweg haben Geezer und Tony wieder das geschafft, was sie ausmacht: Wie ein zweiköpfiges Monster fügen sich ihre beiden Instrumente zu einem Sound zusammen, der auch heute noch in Sachen Durchschlagskraft seinesgleichen sucht.

Der letzte der acht Songs auf diesem Album endet auf eine Weise, die ich nicht vorhergesehen habe. Mir traten fast die Tränen in die Augen, als ich diesem Abschluss zuhörte. Mir wurde klar, dass sich hier eine Klammer um das Lebenswerk einer der erstaunlichsten Bands der Musikgeschichte schließt.

2013. Regen prasselt, vorn fern erklingt eine Kirchenglocke, es donnert. Das Ende einer Ära. Der Metal überdauert.
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Kommentare

Von 2 Kunden verfolgt

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21-30 von 31 Diskussionsbeiträgen
Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.06.2013 06:31:01 GMT+02:00
Nachtwind meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Veröffentlicht am 23.06.2013 10:22:26 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 23.06.2013 10:23:33 GMT+02:00
Das Album hören + diese Rezension lesen = Gänsehautstimmung wie schon lange nicht mehr

Besonders der letzte Satz ist der Oberhammer, weiter so. ;)

Veröffentlicht am 06.07.2013 11:09:03 GMT+02:00
Schon beim Lesen dieser Top-Rezension bekomme ich eine Gänsehaut und kann leise die Kirchenglocken hören. Steig jetzt ins Auto und hole mir dieses Album !!!

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.07.2013 10:57:58 GMT+02:00
Venus Palermo meint:
Lieber Lars, an der Art deines Kommentares merkt man, dass du ein wirklich unfreundlicher Patron bist. Schreib`doch bitte erst mal eine so hervorragende Rezesion wie Maximilian, dann kannst du mitreden ... aber zukünftig bitte etwas freundlicher ... vielleicht so wie er in seiner Antwort an dich "Sorry, natürlich meine ich Never Say Die! von 1978. Danke für den Hinweis".

Grüße Bernd

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.07.2013 11:02:12 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 02.10.2013 11:59:43 GMT+02:00]

Veröffentlicht am 11.07.2013 11:09:39 GMT+02:00
Venus Palermo meint:
Hallo Maximilian, ich bin 56 ... habe die Zeit von damals (der besten Zeit ever) also hautnah miterlebt und war auch selber 15 Jahre lang Drummer. Ich gebe dir für deine hervorragende Rezession ebenfalls 13 Sterne! Ich habe vor etwa 3 Stunden ebenfalls einige Rezensionen über meine letzten Käufe geschrieben ... u.a. eine lange Rezension über diese Scheibe ... leider ist sie - wohl in irgend einer Cloud - verschwunden. Weil ich sie selber sehr gut fand und auch ich diese Gruppe ( deren Mitglieder alle so um die 65 sind !!! und Toni Iommi leider schon länger Krebs hat ) um den anscheinend wieder ausgebuddelt und wiederbelebten Ozzy (das alte Alkohol- und Drogen Frack - ich liebe ihn!) loben, aber es sollte wohl nicht sein. Da aber deine Rezession meiner ziemlich ähnelt, gebühren dir die 13 Sterne!

Grüße von Bernd

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.07.2013 11:47:54 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 14.07.2013 17:17:59 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.07.2013 11:51:55 GMT+02:00
[Von Amazon gelöscht am 02.10.2013 11:59:44 GMT+02:00]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.07.2013 11:58:48 GMT+02:00
Venus Palermo meint:
Hallo Nachtwind, auch wenn deine Rezension über "13" und BS überhaupt nicht zusagt, weil sie meiner Meinung nach aus mindestens 3 Gründen vollkommen falsch ist, möchte ich dich mal fragen bzw. bitten, mir DEINE beschriebene eigene Hitliste von BS zukommen zu lassen (einfach hier posten) ... mich würde das sehr freuen. Mit BS Vol. 4 hast du Recht!

Grüße Bernd

Veröffentlicht am 17.09.2013 23:13:11 GMT+02:00
DisturbedPat meint:
Alleine der erste und der letzte Satz bringen alles auf den Punkt!
Das Ende von "Dear Father" hat mich ebenfalls in höchstem Maße beeindruckt (auch mit Tränen).
Der Donner, die Kirchenglocke,...
Einfach episch!

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Rezensentin / Rezensent


Ort: Lübeck

Top-Rezensenten Rang: 78.337