Kundenrezension

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Lücke geschlossen, 10. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: The Promise (Audio CD)
Die Lücke von beinahe drei Jahren, die zwischen Springsteens drittem und viertem Album klaffte ("Born to run" VÖ: 8/1975 und "Darkness on the edge of town" VÖ: 6/1978), war in zweierlei Hinsicht vollkommen ungewöhnlich. Zum einen war es zu jener Zeit grundsätzlich unüblich zwischen zwei aufeinander folgenden Alben mehr als zwei Jahre verstreichen zu lassen, die Regel war eher mindestens ein Studio-Album pro Kalenderjahr. Selbst die Rolling Stones, die schon damals gestandene Weltstars waren, veröffentlichten in den siebziger Jahren sieben Studio-Alben, Bob Dylan brachtes es auf zehn und Elton John gar auf 12 ohne Greates Hits und Live-Alben, wovon zwei auch noch Doppel-Alben waren... Zum anderen ungewöhnlich, weil "Born to run" endlich den großen Durchbruch, den Aufstieg an die Spitze brachte und ein schnelles Nachlegen einer Nachfolge-LP von Plattenfirmen (damals wie heute) dann geradezu quängelnd eingefordert wird, ignorierend, daß Kreativität nichts ist, was man per Knopfdruck einfach anschalten könnte.

Nun an Kreativität hat es offenbar auch gar nicht gemangelt, denn neben den zehn Songs die letztlich im Sommer 1978 offiziell auf "Darkness..." erschienen und der guten Handvoll Outtakes die bereits 1998 auf der "Tracks" Box veröffentlicht wurden, erschien mit "The promise" nun eine ware Schatztruhe mit 22 Songs, von denen nicht einer einfach nur als Outtake abgetan werden kann. Das hätte für vier Alben gereicht, veröffentlicht wurde nur eins - so sinngemäß Springsteen in den Liner-notes zu "The promise". Aber warum?

Über die Gründe kann nur gemutmaßt werden, die Plattenfirma wurde in der Zeit jedenfalls nicht gewechselt (Springsteen ist vom ersten Album bis heute bei Sony Music, 40 Jahre Label-Künstler-Partnerschaft, was übrigens auch ungewöhnlich ist) und an der Qualität des Songmaterials lag es ganz gewiß auch nicht. Das läßt sich auf "The promise" überprüfen. Der Druck nach dem Über-Album "Born to run" das Level zu halten, hat wahrscheinlich eine nicht ganz unwesentliche Rolle gespielt. Letztlich gelang dann auch ein mehr als würdiger Nachfolger!

Wie Springsteens Karriere weiter verlaufen wäre, wenn 1977 ein Album was in etwa wie das jetzt vorliegende (es hätte damals sicher nicht 22 Songs umfaßt) geraten wäre, fällt absolut in die Kategorie Spekulation. Das wäre müßig.
Auffällig ist, daß "The promise" im Gros deutlich ruhiger und freundlicher im Sinne von besser gelaunt, gelegentlich sogar leichtfüßig, daher kommt, im Vergleich zu den tatsächlich 1975 und 1978 veröffentlichten Alben. Beide waren härter, ruppiger und irgendwie dreckiger und "Darkness..." darüber hinaus auch dunkler und schwerer.

Keines der genannten Attribute ist übersetzbar mit besser oder schlechter, "The promise" ist charakterlich nur auffällig anders. Dieser Unterschied begründet sich auch ausschließlich in der Struktur der Songs und hat nichts mit den teilweise dreißig Jahre später vorgenommenen Ausbesserungen, Nacheinspielungen und der allgemeinen Rekonstruktion zu tun.

Das dies von einigen Fans harsch kritisiert wird, ist hinzunehmen. Doch wenn ein Künstler nach gut dreißig Jahren Archiv-Material ausgräbt und sich entschließt es doch noch zu veröffentlichen, ist es ihm zuzugestehen, daß er es in der Form tut, die er für die angemessene hält, denn es steht schließlich sein Name auf dem Cover.
Es ist vollkommen unerheblich, ob tatsächlich einige Songs damals noch nicht vollständig eingespielt waren oder nur eingespielt, aber noch nicht eingesungen waren, oder ob Springsteen beim Sichten des alten Materials anno 2010 stellenweise einfach nur nicht mehr mit dem was er hörte einverstanden war und beschloß hie und da auszubessern und deshalb einige der Songs z.B. komplett neu eingesungen hat.

Das einzige Problem, daß sich nun für Musik-Freaks mit anerkanntem Dachschaden und Hang zur peniblen Sortierung im Platten-Schrank (das war ein Selbst-Portrait) stellt, ist, wo reiht man "The promise" ein? Zwischen "Born to run" und "Darkness..." wo es ja im Wesentlichen entstand und zumindest so ähnlich hätte erscheinen sollen, oder doch zwischen "Working on a dream" und "Wrecking ball", weil es da ausgebessert und überarbeitet wurde und letztlich ja auch erst wirklich erschienen ist?

Ich liebe solche Probleme und hätte sie gern öfter, denn in den Archiven schlummern mit Sicherheit noch reichlich Schätze, keineswegs nur bei Springsteen.
"The promise" ist ein ganz und gar gelungenes Springsteen-Album und keineswegs nur für Komplettisten interessant!
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 19.07.2013 08:57:38 GMT+02:00
Mike meint:
Sehr treffend! Exakt so sehe ich das auch ... inklusive der "Einsortierungsproblematik"! ;-)
Wo ist The promise denn letztendlich gelandet? Bei mir wandert es tatsächlich jedesmal zwischen diesen beiden Stellen hin und her!

Erfrischend festzustellen, dass man nicht der Einzige mit Dachschaden ist! :-D

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.07.2013 19:37:01 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 19.07.2013 19:39:44 GMT+02:00
Vielen Dank Mike. gut zu wissen, dass ich nicht als Einziger um die Problemkerze herumsitze ;-)

Tja also Sony/Columbia würde ja zur Lösung des Problems vorschlagen, man kaufe das Album einfach zweimal, dann kann man es sowohl zwischen Btr und Doteot, als auch zwischen Woad und Wb im Regal parken und die liebe Sammler-ordnungs-seele hat Ruh...

Da mein Dachschaden nun so groß aber doch nicht ist, hab ich ihm seinen Platz als nachgereichtes viertes Album zugewiesen. Die Mehrzahl der Kriterien spricht dafür: Die Songs sind damals geschrieben und weitgehend auch aufgenommen worden, das Cover ist mit Fotos dieser Zeit illustriert und "The promise" erschien ja auch parallel im opulenten Box-Set zu "Darknes on...". Die (sicher nicht ganz unerheblichen) Ausbesserungen 2010 und die Tatsache, dass es da dann erst veröffentlicht wurde, wiegen das nicht auf.
Ich formuliere das nur so absolut, um mich davor zu schützen, das Album nicht wie Du im Regal stets hin und her zu sortieren. Verstehen kann ich das zu gut. Wie oft machst du das? Ich hoffe nicht mehrmals täglich? ;-)
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