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Kundenrezension

3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Der Tod des Vergil – eine thanatische Epopöe, 22. Mai 2013
Rezension bezieht sich auf: Der Tod des Vergil (Taschenbuch)
Immer mal wieder kommt es vor, da greift man zu einem zeitlos-ewigen Roman der Extraklasse. Schon seit Jahren affizierte mich jene Faszination, die von dem Brochschen Titel ausstrahlt: „Der Tod des Vergil“ – eine thanatische Epopöe. Nun endlich gelesen, bin ich einmal mehr in Wonne geraten ob dieser opalen Erzählung, die sich für mich in die olympische Reihe der Großliteratur des 20. Jahrhunderts einreiht.

Mit großer Begeisterung las ich diesen lyrisch angelegten Roman. Mit der Ankunft in Brundisium verfolgen wir den leisen aber steten Übergang des Vergilius vom Leben in den Tod. Der große Konflikt ist Vergils plötzlicher Entscheid die Äneide – wohl eines der gewaltigsten Großepen nach Homer – zu vernichten. Erst das Gespräch mit dem Cäsar Augustus führt ihn wieder zu der Besinnung, dass er das Meisterwerk für die Nachwelt zu erretten hat!

Der Roman ist aus zweierlei Gründen ein literarisches Kunstwerk par excellence. Zum einen ist seine Form vergleichbar mit einem Bewusstseinsstrom in der dritten Person Singular. Broch begründet diese eigentlich nicht ganz zulässige Form damit, dass das Ego schwerlich seine Träume, Halluzinationen und thanatischen Bilder in jenem „Zustand“ des Hinübergleitens so denken und vor allem sprachlich artikuliert so fühlen kann. Das emotiv-virtuelle Element wird vermöge des prosaischen Lyrismus perfekt in den Text gewebt. Die tranceartigen Phasen werden vor allem durch repetitive und pleonastische Epitheta in syntaktische Längen geworfen, dass beim Leser ein ähnliches Gefühl des Sichverlierens einstellt und dass die Wirklichkeit allmählich loslässt – genial! Broch gelingt somit die Evokation eines ewigen Augenblicks des Übergangs.
Zum anderen ist das Thema Vergil, insbesondere sein Tod, hochgradig spannend und interessant. Broch zitiert selbstverständlich nicht nur auszahlreichen Stellen der Äneis (die Stellen werden von Lützeler in dem Materialienband nachgewiesen Materialien zu Hermann Broch "Der Tod des Vergil"). Er diskutiert viele Fragen wie die soziale Lage, wie man eingangs im ersten Kapitel „Wasser – Die Ankunft“ nachvollziehen kann, in dem der kranke Dichter durch das Armenviertel getragen wird. Er wirft naturgemäß ästhetische Fragen auf und evoziert eine Korrelation zum Letzten, also den Tode. „Denn die Dichtung ist schauendes Warten im Zwielicht, Dichtung ist dämmerahnender Abgrund, ist Warten an der Schwelle, ist Gemeinschaft und Einsamkeit zugleich, ist Vermischung und Angst vor der Vermischung, unzuchtsfrei in der Vermischung, so unzuchtsfrei wie der Traum der schlafenden Herde und doch Angst vor solcher Unzucht: oh, Dichtung ist Warten, noch nicht Aufbruch, aber immerwährender Abschied.“ Im zweiten Kapitel „Feuer – Der Abstieg“ (natürlich an Dante erinnernd) fasst er seinen Entschluss, sein Dichtwerk zu vernichten: „Die Äneis verbrennen!“ Was kann denn schon die Dichtung? Welchen epistemischen, also erkenntnisbringenden Zug hat sie? (Man verzeihe mir an dieser Stele das längere Zitat.) „Namen und Namen, die Namen der Menschen, die Namen der Gefilde, die Namen der Landschaften, der Städte und alles Geschaffenen, Heimatnamen, Trostnamen, in der Bedrängnis, die Namen der Dinge, geschaffen mit den Dingen, geschaffen vor den Göttern, jene mit der Heiligkeit der Wortes immer wieder auferstehender Namen, immer wieder gefunden vor dem wahrhaft Wachenden, dem Erwecker und göttlichen Gründer! nimmermehr darf der Dichter solche Würde in Anspruch nehmen, ja mehr noch, selbst wenn es letzter, eigentlichster Auftrag der Dichtung wäre, die Namen der Dinge zu heben, ja, selbst wenn es ihr im Aufklang ihrer größten Augenblicke gelungen wäre, einen Blick in das Niemals-Erstarrende der Sprache zu werfen, unter deren Tiefenlicht unberührt und keuschdas Wort der Dinge schwebt, die Keuschheit der Namen auf dem Grunde der Dingwelt, sie vermag im Gedicht wohl die Schöpfung im Worte zu verdoppeln , hingegen vermag sie nicht das Verdoppelte wieder zur Einheit zusammenzufassen, sie vermag es nicht, weil die Scheinumkehrung, weil die Ahnung, weil die Schönheit, weil all dies, was sie als Dichtung bestimmt, und sie zur Dichtung macht, ausschließlich in der Verdopplung statthat, es bleiben Sprachwelt und Dingwelt getrennt, zwiefach die Heimat des Wortes, zwiefach die Heimat des Menschen, zwiefach der Abgrund der Wesenheit, zwiefach aber auch die Keuschheit des Seins [...]“ Meiner Meinung nach ist dies eine der zentralen Textstellen im Werk, denn keinem aufmerksamen Leser geht hier die Ironie verloren, die sich uns offenbart, wenn die Ästhetik der Poesie zur bloßen Verdopplung, zum Trugbild des Pleonasmus sich beschwört, und damit alle Kunst nur noch Sinnbild ist. Im dritten Kapitel „Erde – Die Erwartung“ wird genau diese Sinnbildtheorie im Dialog zwischen Vergil und Augustus wieder aufgegriffen: „Mich dünkt, daß das Gleichnishafte für alle Kunst [...] gilt; alle Kunst ist Sinnbild...“ Und hier wird Thanatos mit der Kunst in Verbindung gebracht bzw. aus eben dieser exiliert: „Und der Tod entwischt dem Gleichnis...“ Das Unzureichende der Kunst ist der Kernthese der Blochschen Ästhetik. „Oh Augustus, das Überirdische im Irdischen erkennen und kraft solchen Erkennens es zu irdischer Gestalt bringen, als geformtes Werk, als geformtes Wort und eben auch als geformte Tat, dies ist das Wesen des echten Sinnbildes; innen und außen prägt es sein Urbild aus, es umschließt dieses und wird von ihm eingeschlossen [...]“ Der zweifelnde Vergil kann sich nur schwer vom klugen Cäsar beflügeln lassen. Es werden weitere Fragen aufgegriffen: ethische, gesellschaftliche und politische, kulturelle und religiöse und nicht zuletzt die dichterische Verantwortung, die aber doch – so meine Interpretation eingedenk der Widmung des Vergilepos an den Cäsar – eine politische Bedeutung erheischt: Nationalepos zu werden. Kunst und Staat in der Korrelation – Kritik oder Lob? Nein! Auch wieder nur Gleichnis: „Alles war unstimmig. Alles Menschenwerk war unstimmig. Die Äneis war unstimmig.“
Im vierten und letzten Kapitel dann, „Äther – Die Heimkehr“, weicht Vergil dann vollends auf die andere Seite: Das Buch muss logisch enden: „er konnte es nicht festhalten, und er durfte es nicht festhalten, unerfaßlich unaussprechbar war es für ihn, denn es war jenseits der Sprache.“

Was für ein gewaltiger Roman! Broch steigt mit diesem Meisterwerk auf in meinen persönlichen Olymp der Schriftsteller. Einmal mehr bin ich glücklich, meiner Intuition gefolgt zu sein, denn lange schon rief das Werk nach meinem Durst wie ein guter Wein. Wer sich ernsthaft mit Literatur auseinandersetzt, sollte dieses thanatische Epos nicht ungelesen lassen... Und ich werde mal wieder - nach langer Zeit - die Äneis lesen.
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 25.08.2015 13:44:30 GMT+02:00
alex meint:
Hervorragend beschrieben!

Veröffentlicht am 26.12.2015 08:51:03 GMT+01:00
M. Wald meint:
Sehr schön geschriebene Rezension. Macht Freude auf das Buch, das ich vorgestern unter dem Weihnachtsbaum fand...
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Ort: Berlin

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