Kundenrezension

27 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "You still have your twisted theories about me, don't you?", 5. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Homeland - Season 2 [Blu-ray] (Blu-ray)
Nachdem die erste Staffel von "Homeland" mich zu großen Teilen überzeugt hatte, freute ich mich sehr auf die zweite Runde. Meine Erwartungen wurden auch diesmal erfüllt, auch wenn einige Unterschiede zwischen den beiden Season festzustellen sind.

Season 2 setzt mit der Story direkt nach dem Finale der vorherigen an.
Carrie's Behandlungen aufgrund ihrer psychischen Probleme greifen nur recht langsam und auch mit dem Gedanken, sie habe mit ihren Vorwürfen gegen Nicholas Brody nicht recht gehabt, sowie dem Fakt nicht mehr bei der CIA zu arbeiten findet sie sich nur schwer ab.
Da bitten sie ihr ehemaliger CIA-Boss David Estes und Mentor Saul Berenson zu einem wichtigen Auslandseinsatz, um einer heißen Fährte von Abu Nazir zu folgen. Carrie stimmt zu und obwohl die Aktion ein wenig außer Kontrolle gerät als auch Abu Nazir nicht geschnappt werden kann, findet Saul in einer sichergestellten Tasche aus den Terroristengefilden ein schockierendes Beweisstück.
Eine Speicherkarte zeigt das Video, das Brody aufgenommen hatte bevor er den Anschlag auf US Vice President William Walden durchführen wollte und in dem er seine Pläne gesteht.
Als Carrie von dem Video erfährt, dass ihre Theorien nun doch bestätigt, gerät sie in ein Gefühlskarussel.
Nachdem sie sich ein wenig beruhigt hat fällt sie mit ihren ehemaligen Kollegen die Entscheidung Brody, der sich mittlerweile im Wahlkampf um das Amt des Vice President neben Walden befindet, nicht öffentlich auffliegen zu lassen sondern als Doppelagent zu verwenden um mit der Zeit Abu Nazir auf die Spur zu kommen.
Ein, für alle Seiten gefährliches und undurchsichtiges, Strategiespiel nimmt seinen Lauf.

Wie bereits gewohnt glich auch Staffel 2 einer Droge, man wird als Zuschauer süchtig und möchte am Ende jeder Episode unbedingt wissen wie es weitergeht.
Um diese Wirkung möglichst gut zu erklären bzw. deren Gründe zu beleuchten, möchte ich im Folgenden einen Gesichtspunkt nach dem anderen abhaken.
Zu erst einmal ist die gute Fortführung der starken Grundstory zu erwähnen, welche erneut geschickt intelligente Aspekte und Untertöne mit fesselnder Spannung zu vereinbaren weiß.
"Homeland" zeichnet erneut ein verunsichertes Amerika nach 9/11, wobei diesmal trotzdem eine kleine Veränderung zu verzeichnen ist. Die Story lässt im Verlauf, obwohl es keinerlei erkennbaren Logiklücken gibt, zunehmend den Realismus der ersten Staffel vermissen. Gerade die realistische Darstellung der Ereignisse hat die beängstigend bedrohliche Atmosphäre über den Bildschirm hinaus auf den Zuschauer übertragen. Man dachte sich in Gedanken: "Verdammt, so fiktiv ist das ganze gar nicht und könnte eigentlich genau so gerade in diesem Moment ablaufen.". In Season 2 jedoch kam öfters der Gedanke in mir auf, dass sich die Macher ins unrealistische Gelände verlaufen. So bleibt die Spannung zwar für die Story an sich erhalten, doch den Zuschauer betrifft sie nicht mehr direkt.
Trotzdem, "Homeland" ist in Staffel 2 nochmals wesentlich und anhaltend spannender.
Dies gelingt vor allem durch die zahlreichen unvorhersehbare Wendungen, das brisante und differenziert betrachtete Thema, präzise Charakterzeichnungen sowie ein gehöriges Plus an Action. Auch wenn die offensichtliche Darstellung von Gewalt in meinen Augen ein Stück weit zurückgeschraubt wurde.
Ganz nebenbei werden auch noch interessante Einblicke in die Kultur und den Alltag in den USA geboten.
Die Serie ist somit klug, hochaktuell, verstörend, kontrovers, psychologisch tief und weiß mit ihren Botschaften nachhaltig zum Denken anzuregen.
Die Spannung erfährt ihren Höhepunkt natürlich im abermals gelungenen Finale mit einem Cliffhanger, der gleich jetzt Lust auf Staffel 3 macht.
Gesamtbetrachtet tendiert "Homeland" genremäßig zwischen Drama und Politthriller, bindet aber auch Herz und Humor gekonnt mit ein. Vor allem die gefühlvolle Komponente kommt durch Betrachtungen beider Seiten, Familiendynamiken, politische Intrigen, persönliche Probleme wie Carrie's Krankheit und freizügige Sexszenen ausgiebig aber keineswegs kitschig zum Zuge, während ich mir in Bezug auf Humor gerne ein paar Oneliner mehr gewünscht hätte.
Als besonders interessant anzusehen empfand ich das Eingewöhnen der Brody Family in der völligen neuen Welt der Reichen und Schönen durch Nicholas Brody's raketenhaften Aufstieg in der Politik. Auch die sich daraus ergebenden Nebenplots, z. B. die Lovestory um Dana und Finn sowie deren dunkles Geheimnis, trugen gute Momente zur Serie bei.
Eines meiner größten Probleme in Staffel 1 war, dass ich Anfangs nicht wirklich Zugang zu den Protagonisten fand. Doch was sich bereits zum Ende hin verbesserte konnte Staffel 2 durchgehend ausbauen. Carrie und vor allem Saul haben meine Sympathie nun sicher, selbst den neu eingeführten Figuren gelingt dies.
Von Anfang an hingegen gefiel mir neben der Figur des Jamey Sheridan als snobig intriganter William Walden die Art und Weise des britischen Darstellers Damian Lewis die vielen Gesichter von Brody, vom Familienmenschen über den Politiker bis hin zum Schläferagenten, eindringlich und beängstigend real wiederzugeben.
Als besonders klugen Schachzug der Macher empfand ich für diese Staffel die Idee Brody als Doppelagent zwischen CIA und al-Quaeda einzusetzen.
Obwohl Brody einerseit als ehemaliger Bösewicht beschrieben wird, werden auch seine Beweggründe, der Druck von Abu Nazi, der Zwiespalt, die persönlichen Probleme in Familie und Umfeld als auch die Anpassungsschwierigkeiten umfassend beleuchtet. Schwarz-weiß-Malerei, Gut und Böse, diese Hollywood-afinen Ansichten a la A-Team" und James Bond" gibt es bei Homeland" nicht. Hin und wieder erwischt man sich gar dabei Sympathien bzw. Mitgefühl für Brody zu empfinden, derart genial und einfühlsam verkörpert Lewis seine Rolle. Und auch die Richtung, in die die Macher mit Brody in Staffel 3 gehen wollen, gefällt mir in ihren Ansätzen schonmal sehr gut.
Ein für mich deutlicher Kritikpunkt bleibt für mich dennoch die sogar noch ausgeweitete und zum Äußersten gehende Liebesgeschichte zwischen Carrie und Brody.
Mir ist klar, das diese wichtig für die folgenden Geschehnisse ist, aber dennoch wirkt sie angesichts den Umständen und dem Verhältnis der beiden zueinander unglaubwürdig, erzwungen als auch höchst unproffesionell und undenkbar von einer CIA-Agentin.
Äußerst positiv ist mir wiederum das mit Jazz untermalte ungewöhnliche Intro aufgefallen.
Der Jazz füllt auch den Großteil des Soundtracks und kann im Einklang mit den düsteren Aufnahmen der schönen Gegend in und um Washington D. C. die bedrohliche Atmosphäre wunderbar einfangen.
Insgesamt betrachtet ist die zweite "Homeland"-Runde mindestens als genauso gut wie die vorherige zu bewerten, da sich die ergebenden Plus- und Minuspunkte die Waage halten.

Die Hauptrollen übernehmen Claire Danes als Carrie Mathison und Damian Lewis als U.S. Marine Sergeant Nicholas "Nick" Brody.
In den Nebenrollen sind Morena Baccarin als Jessica Brody, David Harewood als David Estes, Diego Klattenhoff als Mike Faber, Jamey Sheridan as William Walden, David Marciano als Virgil, Navid Negahban als Abu Nazir, Jackson Pace als Chris Brody, Morgan Saylor als Dana Brody, Mandy Patinkin als Saul Berenson, Rupert Friend als Peter Quinn, Zuleikha Robinson als Roya Hammad, Timothée Chalamet als Finn Walden, Hrach Titizian als Danny Galvez, Valerie Cruz als Major Joy Mendez, Maury Sterling als Max, Talia Balsam als Cynthia Walden, Marc Menchaca als Lauder Wakefield, F. Murray Abraham als Dar Adal, Taylor Kowalski als Xander, James Rebhorn als Frank Mathison, Sarita Choudhury als Mira Berenson, Amy Hargreaves als Maggie Mathison und Marin Ireland als Aileen Morgan zu sehen.

Während die Serie, welche auf dem israelischen Original "Hatufim" basiert, weltweit weiterhin einen starken Zuwachs an Fans verzeichnen konnte, ging in Deutschland die Reichweite überraschenderweise zurück.
Doch am bedeutsamsten ist und bleibt unbeachtet dessen der US-Markt, und an diesem sah es erneut gut aus.
Im Durchschnitt sahen die Serie auf dem Kabelsender Showtime (SHO), ein Unternehmen der CBS-Gruppe, 1,92 Millionen Zuschauer, darunter auch deren wohl prominentester Anhänger US President Barack Obama.
Für einen Kabelsender ist dies ein gutes Ergebnis, vor allem in Betracht des Vorjahreszuwachs um 53,9 %.
Die stärkste Folge war übrigens Episode 11 mit 2,36 Millionen Interessierten, wohingegen Episode 3 mit 1,48 Millionen Zuschauern den Staffeltiefstwert darstellte.
Nicht nur die Zuschauergunst war "Homeland" im Jahr 2012 sicher, denn auch die Kritikerwelt hielt wieder allerhand Ehrungen bereit.
Drei Auszeichnungen (Best Television Series - Drama, Best Actress - Television Series Drama, Best Actor - Television Series Drama) bei vier Nominierungen für die 70th Golden Globe Awards, zwei Auszeichnungen (Outstanding Lead Actress in a Drama Series, Outstanding Writing for a Drama Series) bei elf Nominierungen für die 65th Primetime Emmy Awards und eine Auszeichnung bei drei Nominierungen für die 19th Screen Actors Guild Awards sind eine beeindruckende Bilanz.
Natürlich orderte Showtime rasch eine dritte Staffel für 2013 und bestätigte außerdem schon eine vierte für 2014.

Die Blu-ray Disc überzeugt in Bild und Ton mit bester HD-Qualität. Die Extras enthalten keine großen Überraschungen, mit Audiokommentaren, entfallenen Szenen etc. jedoch solide Ergänzungen zum Serienspaß.

Bewertung:
Film:
Story: 4/5 Sterne
Schauspieler/Regie/Soundtrack: 5/5 Sterne
Humor: 1/5 Sterne
Action: 2/5 Sterne
Spannung: 4/5 Sterne
Gefühl: 4/5 Sterne
Anspruch: 3/5 Sterne
Effekte: 0/5 Sterne
Blu-ray Disc:
Bild/Ton: 5/5 Sterne
Extras/Menü/Cover: 3/5 Sterne
Gesamt: 4/5 Sterne

Fazit: Die zweite Staffel der Drama-/Thrillerserie "Homeland" baut vor allem an Rasanz auf und weiß dabei dank des starken Casts sowie der brisanten Thematik stets die nervenkitzelnde Spannung geschickt zu halten.
Leider geht jedoch durch die, im Vergleich zu Staffel 1, unrealistischere Story ein Stück weit die direkte bedrohliche Wirkung auf den Zuschauer verloren.

Vielen Dank für das Lesen meiner Rezension.
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Kommentare

Von 1 Kunden verfolgt

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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 05.12.2013 16:51:50 GMT+01:00
birgit b. meint:
Wow, was für eine Rezension ! Hab mit Spannung gelesen & kann all das, was Sie in Ihrem ausführlichen Bericht beschreiben, bestätigen. Merci bien.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 05.12.2013 18:46:38 GMT+01:00
rdj4ever meint:
Danke, freut mich sehr. :)

Frohe Vorweihnachtszeit

rdj4ever

Veröffentlicht am 15.02.2014 15:41:34 GMT+01:00
Informer meint:
Klasse Rezension.

...Verdammt, so fiktiv ist das ganze gar nicht und könnte eigentlich genau so gerade in diesem Moment ablaufen. In Season 2 jedoch kam öfters der Gedanke...

Auch wenn die Staffel 2 erstklassige Unterhaltung war: Genau so habe ich auch über die 2. Staffel gedacht.

Die erste Staffel hatte deutlich mehr Spannung und Atmosphäre.

Was ich an der 2. Staffel gut fand, war, dass Brody so schnell die Seiten wechselte, dass man nie genau wusste wer wen vera.scht...
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