Kundenrezension

33 von 60 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Pflichtlektüre, 17. Mai 2014
Rezension bezieht sich auf: Putins Demokratur: Ein Machtmensch und sein System (Broschiert)
Ich gebe jetzt schon 5 Sterne, obwohl ich noch nicht durch bin. Die Invasion in der Ukraine (nein, es ist eben kein Bürgerkrieg und schon gar kein Volksaufstand sondern eine FSB/GRU-Operation mit inzwischen jahrzehntelang erprobtem Drehbuch) ist für viele im friedlichen und rechtsstaatlichen Westen verwirrend. Wer die DDR nicht erlebt hat, will oft einfach nicht glauben, wie ungeniert von Moskau gelogen, gestohlen und gemordet wird.

Dieses Buch hilft, naiven Deutschen die Augen zu öffnen und verschafft einen zumindest groben Überblick über die neue russische Diktatur. Dabei wird mit Denkschablonen aufgeräumt, die das Verständnis großrussischer Politik und Propaganda erschweren: Die Inflationäre Verleumdung von Gegnern und Zielobjekten als Faschisten bei gleichzeitig massiver Unterstützung rechtsextremistischer Organisationen in Rußland und aller Welt wird ebenso angesprochen, wie die unter Putin erfolgte Verschmelzung von Politik, Mafia, Militär und Geheimdienst. Es gibt eben keine Trennung zwischen Russenmafia, GAZPROM, russischem Geheimdienst, russischen Freischärlern und russischem Staat. Weder gibt es da personelle noch gibt es organisatorische Trennwände. Es sind verschiedene Zweckfassaden derselben Firma.

Wer Rußland als Obervolta mit Atomraketen sieht, hat immer noch Scheuklappen auf. Die Russische Föderation ist kein Obervolta. Sie ist unter Jelzin und Putin zu einer Cosa Nostra mit Kernwaffen und mindestens 150 Millionen Geiseln geworden.

Der nicht erklärte asymmetrische Krieg gegen die Ukraine ist nur ein Beispiel für die Außenpolitik Moskaus. Dieses Buch hilft beim Aufwachen. Es nennt die verantwortlichen Personen, zeigt die Verbindungen der Macht auf und erläutert das immer gleiche Handlungsmuster der "lupenreinen Demokraten".

Ein Nachteil freilich bleibt noch: Das Buch ist zwar aktualisiert, aber dennoch fehlt zumindest am Anfang wegen des Alters der Erstversion jeder Hinweis auf die neue russische Staatsideologie des orthodoxen neuen Rom und seiner Rolle als Zentrum einer weltweit gedachten christlich-fundamentalistischen "Revolution". Das ist kein Wunder, denn diese Ideologie ist erst richtig entstanden, als das Buch in seiner ersten Version bereits auf dem Markt war. Möglicherweise findet sich eine Behandlung dieses neuen Werkzeugs im FSB-Arsenal noch in späteren und jüngeren Abschnitten des Buches.

Ich kann dieses Buch nur allen empfehlen, die sich ernsthaft für das echte heutige Rußland und nicht nur für alte Klischees aus der Sowjetzeit interessieren.
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1-7 von 7 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 29.05.2014 17:49:14 GMT+02:00
King Ismail meint:
Ihrer Rezension in Ehren, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass die ganze Sache einseitig betrachtet wird. Wird in diesem Buch auch beleuchtet, ob die Krim-"Annexion" vielleicht eine Reaktion auf die imperiale EU und NATO-Expansion ist, welche sich wohl nun auch die Ukraine "einverleiben" wird? Ich möchte damit kein Lobgesang auf das russische System aussprechen, doch ist es nicht so, dass "der Westen" - insbesondere die USA - durch diese Erweiterung den Russen gefährlich nahe kommt? Patriot-Raketen in der Krim - ein verlockender Gedanke. Wird erwähnt, dass der Großteil der Krim-Bevölkerung aus Russen und Krimtataren besteht, die mit ihrer Situation in der Ukraine nie wirklich zufrieden waren? Wird die geopolitische Lage der Krim angesprochen? Warum wird das Referendum - welches doch eigentlich ein Zeichen direkter Demokratie ist - in der Krim in solch einem Ausmaß diskreditiert und als illegal verschrien, während dieselben politischen Stimmen (u.A. Merkel) die völlig rechtswidrige Amtsenthebung Janukowytsch' als legitim ansehen?

Wenn wir über das diktatorische Konstrukt in Russland zu sprechen kommen, dann müssen wir auch über das Projekt EU und seine Demokratiedefizite (um es milde auszudrücken) reden. Ein Netzwerk zwischen Mafia, Industrie, Geheimdienst und Staat gibt es nämlich bei weitem nicht nur in Russland. Es geht auch nie darum, "Demokratie und Menschenrechte" zu verbreiten. Wenn Sie anderer Meinung sind, werfen Sie einen Blick auf den Irak, über das unsere Medien merkwürdigerweise gar nichts mehr berichten. Der asymmetrische Krieg gegen den Irak ist nur ein Beispiel für die Außenpolitik der USA und seiner NATO-Vasallen. Wir erliegen der auf uns wirkenden Propaganda im selben Maß wie die russische auf die Russen, die arabische auf die Araber, die chinesische auf die Chinesen. Schwarz-Weiß-Malerei bringt nur Profit-Geier weiter.

Daher wäre ich für eine differenziertere Betrachtungsweise sehr dankbar.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.05.2014 21:51:43 GMT+02:00
Lieber Herr Akkus, natuerlich sollten Missstaende des "Westens" nicht unerwaehnt bleiben und gehoeren aufgedeckt. Das geschieht ja auch zuhauf. Das Buch handelt allerdings vom putinschen Russland, wie der Titel schon sagt... Da kann man dann den Westen auch mal vorlassen, es sollte schliesslich keine vergleichende Analyse werden.

Abgesehen davon: Es ist nunmal fakt, dass es quasi seit der Unabhaengigkeit der Ukraine inoffizieller Teil der russischen Staatsdoktrin ist, diesen Status rueckgaengig zu machen. Sie erkennen zudem den Ukrainern ihr Selbstbestimmungrecht ab: Wenn die Ukraine Teil der Nato sein moechte oder der Eu, dann sollte sie das -bei Erfuellung entsprechender Kriterien- auch werden duerfen. Es ist ein souveraenes Land und muss keine Ruecksicht auf die imperialen Phantomschmerzen Russlands nehmen. Unabhaengig davon sind Eu- oder Nato-Mitgliedschaft der Ukraine bislang sehr vage Ideenspiele, waehrend Russlands Versuch, die Souveränität der Ukraine zu torpedieren, immer schon auf konkreten Plaenen beruhten und derzeit harte Fakten geschaffen werden. In der Ukraine vermischt sich das Erbe zweier Kulturkreise, weswegen die Ukraine ganz legitim darauf pochen kann, sich von Russland abzuwenden und einem "europaeischen" Gesellschaftsmodell nachzueifern, wenn sie das denn moechte. Und da in der Ukraine aller Schwierigkeiten zum Trotz in den letzten knapp 25 Jahren eine deutlich tolerantere, offenere und fortschrittlichere Gesellschaft Fuß gefasst hat, wird der Weg die Ukraine wohl frueher oder spaeter in den Westen fuehren. Es sei denn, Russland macht jetzt mit aller Gewalt seinen Einfluss geltend.

Und die Krim? Nun ja, die Krim-Tataren fuehlten sich in der Ukraine deutlich wohler als in Russland, da scheinen sie etwas z verwchseln. Ebenso bezueglich der Direktdemokratie: Es gab gar keine Option, fuer einen Verbleib bei der Ukraine zu stimmen, es gab keine Moeglichkeit, sich ueber die Konsequenzen seines Votums ausgewogen zu informieren, dafuer aber eine Haufen russischer Soldaten, die das Votum in Waffen ueberwacht haben. Schoene Voraussetzungen fuer eine freie Wahl also. Mittlerweile daemmert immerhin wohl auch einigen auf der Krim, dass die von Moskau beschworenen "Faschistenhorden" aus Kiew blanker Humbug waren und die Angliederung an Russland mittelfristig noch einige Kopfschmerzen verursachen koennte....

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.05.2014 06:27:29 GMT+02:00
King Ismail meint:
Lieber Doc and the medics,
danke für ihre ausführliche Antwort. Mir scheint es, als hätten Sie die Quintessenz meines Posts nicht ganz verstanden. Mir geht es hier nicht darum, die russische Politik zu glorifizieren. Es geht um die Doppelmoral. Sie schreiben, die Ukraine habe ein Selbstbestimmungsrecht. War das zur Zeit Janukowytsch' nicht der Fall? Warum musste er gehen? Unter welcher gesetzlichen Grundlage? Gilt das sog. Selbstbestimmungsrecht in der Ukraine nur im Falle dessen, als das es den US-Amerikanern und Europäern von Nutzen ist? (Mich würde gerne Ihre Meinung über diese Amtsenthebung interessieren.)

"[...] natuerlich sollten Missstaende des "Westens" nicht unerwaehnt bleiben und gehoeren aufgedeckt. Das geschieht ja auch zuhauf."

Nein, das geschieht eben nicht zuhauf. Ich höre in den Mainstream-Medien z.B. kein einziges Wort über Obamas wöchentliche Todesliste, in der potentielle "Terroristen" (darunter auch US-Bürger) mittels Drohnen ausgeschaltet werden. Die NSA-Affäre scheint für europäische Politiker mittlerweile keine nennenswerte Sache mehr zu sein. Wenn man also einen Blick auf Russland wirft, dann darf man den Kontext mit der westlichen Politik nicht einfach so außen vor lassen, da sich sonst ein einseitiges Bild ergibt. Ich habe eher den Eindruck, man wolle sich mal wieder einen Feind basteln. Putin wird ja mittlerweile schon mit Hitler verglichen, was lächerlich ist, und angesichts der Tatsache, dass die größten Kriegstreiber, welche für so einige Massaker mit toten Zivilisten in Millionenhöhe (wie etwa Vietnam, Irak, Iran, Kosovo, Jugoslawien etc.) verantwortlich waren und sind, teilweise mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet werden, wird einem das Gefühl nicht los, dass hier wiedereinmal schäbige Propaganda am Werk ist. Das wäre bei weitem nicht das erste Mal.

Und selbst wenn die Krim-Tataren sich ach so wohl fühlen in der Ukraine, so bilden dort Russen immer noch die deutliche Mehrheit. Eine Überwachung von Soldaten halte ich in einer solchen Situation vernünftig. Wer soll das Ganze denn sonst überwachen? Ihre Korruptionsvorwürfe bezüglich des Referendums müssten Sie mir eindeutig belegen. Und in Sachen Direktdemokratie scheinen wir in der Tat unterschiedliche Vorstellungen zu haben. Lassen Sie mich hierzu eine Passage aus der Charta der Vereinten Nationen zitieren, welches auch von der Ukraine unterzeichnet wurde:
“Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung. Kraft dieses Rechts entscheiden sie frei über ihren politischen Status und gestalten in Freiheit ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.”
Es ist in diesem Zusammenhang schon erstaunlich, dass die gewaltsam geputschte ukrainische Regierung, welche mit regierungskritischen Demonstranten nicht besonders zimperlich umgehen, soviel Zuspruch ernten. Doch unser Weltbild ist zu bequem, als das wir solche Dinge hinterfragen. Wir sind ja "die Guten"! Und der Russe ist der Feind! So einfach ist das.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 14.06.2014 09:51:52 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.06.2014 09:55:37 GMT+02:00
BigBerta meint:
Lieber Herr Akkus, das ist aber jetzt deutlicher "Whataboutism". Haben Sie das Buch überhaupt gelesen? Was das "Selbstbestimmungsrecht" der Ukraine betrifft: das wurde schon vor Janukowitsch in Frage gestellt. Sehr viele der Machtelite hatten/haben die russische Staataangehörigkeit. Ja, und warum musste Janukowitsch gehen? Zunächst: er MUSSTE nicht gehen, sondern er ist ganz ordinär abgehauen. Und ERST DANACH wurde er von einem FREI GEWÄHLTEN Parlament abgewählt, mit fast 3/4 Stimmenmehrheit. Die Krim-Tataren fühlten sich "ach so wohl" in der Ukraine? Welche Quellen ziehen Sie zu Rate? Vielleicht sollten Sie mal krimtatarische und russisch-extremistische Quellen zu Rate ziehen - die "mehrheitlichen" Russen (in Wirklichkeit die Extremisten) rufen mittlerweile ganz ungeniert zu - mindestens - Deportation und Völkermord auf. "Ach so wohl...". Die Führer der Krimtataren haben sich auf die Seite der Ukraine gestellt. Und was für eine Logik: weil die Russen in der Mehrheit sind, müssen sie von Soldaten überwacht werden? Sie zitieren: “Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung. Kraft dieses Rechts entscheiden sie frei über ihren politischen Status und gestalten in Freiheit ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.” Nicht mehr, aber auch nicht weniger nimmt die Ukraine für sich in Anspruch. Und hören Sie auf, den Blödsinn von der "geputschten" Regierung wiederzukäuen. Zum Referendum mal dieser Link: http://www.searchlightmagazine.com/news/featured-news/european-right-wing-extremists-and-other-pro-russian-activists-observed-the-crimean-referendum , damit Sie sehen, was Sie da verteidigen. Und wissen Sie, was mir auffällt? Kein Wort über Reitschusters Buch. Ich vermute, Sie haben es nicht mal gelesen. Da ich unter Ihren Rezensionen auch Muhammad Assad finde, wundern mich Ihre Posts doch sehr.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.06.2014 13:16:23 GMT+02:00
King Ismail meint:
Hallo BigBerta,
danke für Ihren Beitrag. Den kompletten Inhalt des Buches kenne ich nicht. Ich habe eine grobe Zusammenfassung der Thesen aus Reitschusters Webseite sowie aus diversen Rezensionen entnommen. Hier handelt es sich allerdings auch nicht um eine Rezension zu seinem Buch - sonst hätte ich selber eine geschrieben -, sondern um einen Kommentar zu Herrn Stephan Lahls Rezension, in dem ich einen sehr einseitigen Tenor wahrgenommen habe. Das können Sie mir nun unter die Nase reiben, doch halte ich es für wichtig, auch die Gegenseite zu beleuchten, damit der Leser kritischer an das Thema herangeht.

"Ja, und warum musste Janukowitsch gehen? Zunächst: er MUSSTE nicht gehen, sondern er ist ganz ordinär abgehauen."

Woher kennen Sie die Motive seiner Flucht? Er sprach von Morddrohungen in einer Zeit, in der die Sicherheit während den Unruhen in der Ukraine keineswegs gewährleistet war. Das war für einen Ministerpräsidenten nicht sehr ruhmreich und auch Janukowitsch hat bei weitem keine weiße Weste, wenn man z.B. an seine privaten Bereicherungen auf Kosten des ukrainischen Steuerzahlers denkt. Aber es geht ums Prinzip: Seine Amtsenthebung war nicht legal!

"Laut Artikel 108 sieht die ukrainische Verfassung [...] nur vier mögliche Gründe für eine Absetzung vor: ein Rücktritt des Präsidenten, gesundheitliche Gründe, im Zuge eines Amtsenthebungsverfahrens oder durch Tod des Amtsinhabers. Eine Amtsenthebung kommt unter Artikel 111 bei Hochverrat und anderen schweren Verbrechen in Frage. Dazu muss jedoch eine UNTERSUCHUNGSKOMMISION der Rada gebildet werden, die an das Verfassungsgericht berichtet. [...] Ein solcher Prozess wurde im Fall Janukowytsch nicht durchlaufen. Der vom Parlament genannte Grund, dass er durch Verlassen des Landes seine Präsidentschaft verwirkt hätte, ist in der Verfassung NICHT vorgesehen." (Quelle: Wikipedia)

Seine Absetzung wurde dann aber wiederum von den NATO-Staaten "begünstigt". Nicht etwa, weil er ein korrupter Politiker, sondern pro-russisch war.

"die "mehrheitlichen" Russen (in Wirklichkeit die Extremisten) rufen mittlerweile ganz ungeniert zu - mindestens - Deportation und Völkermord auf."
Haben Sie dazu Quellenmaterial?

Was Sie über die Krimtataren schreiben, habe ich etwas näher recherchiert und Sie haben vollkommen recht. Es war leichtsinnig von mir, die Russen und die Krimtataren in einen Topf zu werfen. Ich bitte hier um Verzeihung.

"Und was für eine Logik: weil die Russen in der Mehrheit sind, müssen sie von Soldaten überwacht werden?"
Das bezog sich auf das Referendum. Herrn "doc and the medics" hatte angedeutet, dass die Anwesenheit von Soldaten während des Referendums das Wahlergebnis beeinflusst hätte. Wie in jeder anderen Wahl auch braucht man eine Aufsicht, die mögliche Manipulationen vorbeugen. Was soll daran verwerflich sein?

Ihren Link zum Referendum und ihren "Beobachtern" habe ich gelesen und auch mir ist die rechte Szene zuwider. Danke für diese Information. Aber inwiefern wird das Referendum dadurch nun illegal? Gibt es einen stichfesten Nachweis, dass dort manipuliert wurde?

Interpretieren Sie meine Posts und meine Skepsis bitte nicht als Versuch, Putin als Gutmenschen darzustellen. Er ist eben nicht Ghandi. Aber die Krim-"Annexion" ist keine leichtsinnige imperiale Eroberung. Dazu ist Putin ein zu guter Stratege. Er wusste, dass er sich im Westen damit keine Sympathien einhandeln würde und hat trotzdem diesen Schachzug in der Krim getätigt - nämlich (wie oben erwähnt) als Reaktion auf die NATO-Expansion Richtung Osten.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 29.06.2014 11:41:53 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 06.11.2014 00:02:31 GMT+01:00
Der Begriff "Obervolta mit Raketen" war unterstes Offizierskasinoniveau. Hab mich immer gefragt, wieso der hochverehrte Helmut Schmidt so einen dummen, unlogischen Spruch raushaute, für den man schon einen gehörigen Knick in der Optik haben muß. Und der zu allem Überfluss auch noch vielfach als "prägnant", "treffend" gewürdigt wurde (man könnte noch anmerken, dass Schmidt und seine Kamraden dann 1941ff. nicht mal mit einem "Obervolta OHNE Raketen" fertiggeworden sind - ?)

Im übrigen ist diese Rezension von H. Lahl (wie auch die andren, schon vom Textumfang her bemerkenswerten, engagierten bis emotional überschießenden Kommentare) hier ein Beleg für die anhaltende, fast zwanghafte Faszination, Haßliebe, im Verhältnis Deutschland-Russland. Warum erschienen denn diese vielen Bücher auf Deutsch über alle möglichen russ. Themen (seien es Landessitten, Politik, Landschaft, Geschichte, Frauen (sic!), Geschäftsgebaren, Kriminelle usw. usf.), abgesehen von den rauf und runter gespielten Dokumentationen sonder Zahl im Fernsehen ? Wegen der unauflöslichen Bande der Geschichte und: Deutschland trägt mit Russland etwas aus. Und ich behaupte: den Sieg im 2. WK verzeiht man "dem Russen" bis heute nicht, er ist die "unliebsame Siegermacht", die mit einigem Kraftaufwand delegitimiert werden soll. Und, Scheiße, man kann sagen, was man will, aber die Sowjets/Russen haben auch das meiste falschgemacht und verbockt, wenn man sich die Hass-Wellen ansieht, die auch nach einem weiten Rückzug besonders aus ihrem ehem. Herrschaftsgebiet Ostmitteleuropas auf sie fluten, besonders Polen, Baltikum - nicht zuletzt aus dem alternativ-grün-nationalprotestantischen Milieu der "ehemaligen" SBZ/DDR, aus dem der og. Rezensent offenbar stammt, vgl. Gauck) - Ein gängiges Lösungsrezept für das "russische Problem" haben all diese Figuren aber auch nicht, außer einer evtl. lebensgefährlichen va-banque-Politik haben sie nichts zu bieten. Und, verdammt, mir wärs auch lieber, das wär ein demokratischer Musterstaat, der KEINE Raketen auf den Westen richtet. Aber wie anstellen ? Ist das den 3. Weltkrieg wert ?

1994 veröffentlichte Reitschuster ein Buch über ein "untergehendes Imperium" Russland mit einer fetten Ratte ! auf der Titelseite, im Vordergrund. Jetzt ersteht es angeblich schon wieder auf, das Imperium. Mei o mei, gehts ein bißchen weniger dramatisch ? Oder ist da jetzt einer enttäuscht, weil seine 20 Jahre alte Prognose doch nicht so richtig eingetroffen ist ? Überschätzt sich der Autor vielleicht etwas ?

Dann sieht man sich Reitschusters Webseite an, mit diesen vielen pamphlethaften, geradezu von Missionseifer befeuerten Texten. Anzumerken wäre dazu vielleicht doch, dass Reitschuster m. E. mit etwas zu starkem Übereifer an die Sache rangeht. D. h., er liess in seiner Arbeit in Moskau die nötige Distanz vermissen (er ist immer noch Deutscher) und wandelte sich den Russen auch emotional zu sehr an, was m. E. auch die Morddrohungen erklärt (er sah sich schon als halber Russe und glaubt dort auch alles beurteilen zu können). Ist doch noch keinem andren der kritischen deutschen Korrespondenten in der Form widerfahren, oder ? Aber die waren eben eindeutig als Deutsche anzusprechen. Diese Distanzlosigkeit kann gefährlich werden, das ist nichts neues, an sich. Aber vielleicht wird er als Russe wiedergeboren, und sorgt dann in Russland für "Ordnung" (vgl. das Bild von wegen "russische Idioten" beim Straßenbau in Petersburg auf seiner Webseite).

Veröffentlicht am 23.08.2014 15:01:04 GMT+02:00
MIlla meint:
Danke Boris für den Mut zur Wahrheit!!!!!
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