Kundenrezension

6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Licht am Ende des Tunnels., 30. Juli 2011
Von 
Rezension bezieht sich auf: Ultra (Audio CD)
Schwierige Zeiten im Leben von Musikern lassen ihr musikalisches Werk zu höchster Pefektion und Schönheit reifen. Vielbemühtes Klischee, Zufall oder Wahrheit? Egal, mit "Ultra" liefern Depeche Mode neben dem noch etwas besseren "Songs of faith and devotion" ihr bestes Werk ab. Sie stehen plötzlich nur noch zu dritt da, Teile der verbliebenen Bandmitglieder machten eine üble Drogen- und Alkoholphase durch und trotzdem entsteht ein derart großartiges musikalisches Werk: ruhig, melancholisch, düster, finster aber auch aufwühlend und teilweise aggressiv. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Albums stehen die Jungs von Depeche Mode bereits wieder im Licht nach dem Ende des Tunnels. In Interviews zum Album kann man schon wieder Zuversicht und Pläne für die Zukunft der Band hören, so wird z.B. schon zu diesem Zeitpunkt ein GH-Album (Singles 86-98) angeküdigt, welches ein Jahr später auch erscheint. Und während sich das Video zur ersten Single "Barrel of a gun" mit der visuellen Aufarbeitung der schweren und finsteren Zeit von Dave Gahan beschäftigt, kann man im 2. Video zu "It's no good" schon wieder eine ordentliche Portion Humor und Selbstironie sehen. Die beiden Singles wurden übrigens vor Erscheinen des Albums veröffentlicht, fast könnte man meinen Depeche Mode wollten erst einmal testen, wie die neuen Songs ohne Alan Wilder ankommen, bevor sie das neue Album auf den Markt bringen.

Barrel of a gun - Schräg, ruppig und schroff erscheint der Sound beim ersten Hören. Die Melodie ist ebenfalls nicht einfach für die Ohren, für DM-Vehältnisse kracht's hier ordentlich. Doch bereits nach wenigen Durchläufen hat sich der Opener zum regelrechten Ohrwurm gemausert. Die verzerrten Gitarrenelemente, die sich durch den ganzen Song ziehen sind richtig geil. Genial und nie langweilig.

The love thieves - Ein langsamer Schleicher ist der Sound hier, doch Vorsicht teilweise klingt's ziemlich düster und bedrohlich. Daves Gesang schwebt ruhig und gelassen über der elektronischen Soundkulisse, das ist auch noch der Fall als die Musik im Hintergrund sich bedrohlich auftürmt. Ohne Sound wär's eine verträumte Ballade, so ist's Depeche Mode in Höchstform.

Home - Andrew Fletcher sagte in einem Interview, dass er den Song mag, er gäbe ihm ein geborgenes Gefühl von zu Hause (von mir frei interpretiert), während Martin Gore (der Schreiber des Titels) meinte, dass der Titel vom Tod handelt. So unterschiedlich kann man Dinge sehen. Musikalisch erstklassig, herrlich ruhig und melancholisch. Der elektronische Synthiesound vom Anfang wird nach und nach von einem orchestralen Streichersound übertönt, dazu gibt's dann noch ein herrliches E-Gitarrensample, alles wurde perfekt untereinander vermischt, der lange Ausklang des Titels ist beispiellos und wunderschön. Fast gerät der Gesang und die Melodie ein wenig zur Nebensache.

It's no good - Der Sound von "It's no good" klingt eingängig und vertraut. Ein wenig spannen DM hier einen Bogen in die Vergangenheit und geben den Fans vertraute Klänge auf die Ohren. Dave singt toll, die Strophen in erhöhter Tonlage, den Refrain routiniert abgespult, irgendwie cool. Die Melodie passt und der Rhythmus lädt zum mitwippen ein. Eigentliches Highlight ist das dazugehörige Musikvideo: DM als tingelnde drittklassige Provinzband in Glitzeranzügen, urisch und saukomisch.

Useless - Auch wenn der Song ordentlich rockt, so klingt der Gitarrensound zeitweise doch sehr behebig. So richtig blüht der Titel ohnehin erst beim Refrain auf, davor tümbelt er etwas vor sich hin. Richtig geil wird's dann im Zwischenteil: ein cooles Gitarrensolo von feinsten, das am Ende noch mal den Finalrefrain verstärkt.

Sister of night - Dies ist das Highlight des Albums. Eine megastarke Ballade, melancholisch, schmerzbetont mit wunderschönem Gesang von Dave und einer erstklassigen Melodie. Die wahre Stärke ist aber der Sound. Elektronische Synthieklänge vom Feinsten, mal ruhig und gelassen oder auch wie im Zwischenteil: laut, fordernd und bedrohlich. Die Soundkulisse beim langen Abspann ist atemberaubend schön.

Freestate - Und gleich noch einen Hammersong hinterhergeschoben. Hier bestimmen schöne Gitarrenklänge weite Teile der Musik, die elektronischen Klänge treten ein wenig in den Hintergrund. Der Spannungsaufbau von den Strophen über den Refrain bis zum instrumentalen Gitarrenhauptsample ist großartig. Und auch hier wieder ein wunderschöner und langer Ausklang des Titels.

The bottom line - Nach so viel Bombast wirkt dieser Titel ein wenig unscheinbar, dabei ist er gut gelungen. Der ruhige aber etwas düstere Synthiesound ist einfach konstruiert. Hier liegt das Augenmerk auf dem Gesang. Unaufgeregt und entspannend schön.

Insight - "Insight" überzeugt vor allem durch den schönen zweistimmigen Gesang von Dave und Martin, der über weite Teile zu hören ist. Die Strophen sind im Vergleich zum Refrain im Tempo und Sound etwas zurückgenommen. Ein schöner und würdiger Schlusstitel.

Bei "Ultra" haben Depeche Mode auch wieder einmal ein paar instrumentale Lückenfüller eingebaut, ich bin zwar kein Freund davon, doch hier stören sie eigentlich nicht und sind eher unauffällig. Das Design des Albums ist Geschmackssache, düster, dunkle Farben und ein paar Fotos einer Band, die doch sehr ausgezehrt aussieht (um es mal vorsichtig auszudrücken). Die Songtexte sind alle gut lesbar abgedruckt, ein ordentliches Booklet wäre mir allerdings lieber gewesen als das dargebotene ellenlange Ziehharmonika-Faltblatt.

"Ultra" wird wohl immer zu meinen Lieblingsalben gehören, es ist zeitlos und schön und wohl auch ein Meilenstein in der Geschichte von Depeche Mode.
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Kommentare


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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.09.2012 15:56:44 GMT+02:00
Exciter30 meint:
Auch hier hilt: Exzellente Rezension zu einem Hammeralbum - Gruß Exciter30

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 27.09.2012 18:57:31 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 27.09.2012 18:57:58 GMT+02:00
Stefan meint:
Danke. Wie schon an anderer Stelle geschrieben war für mich in den 1990er Jahren die beste musikalische DM-Zeit. Eigentlich war ich noch nie von den Jungs enttäuscht. Lediglich mit SOTU aus 2009 habe ich ein wenig Berührungsschwierigkeiten, obwohl ich auch dieses Album nicht als schlecht bezeichnen würde.

Gruß Stefan.

Veröffentlicht am 19.02.2013 23:54:25 GMT+01:00
Amazoner meint:
Allerdings singt Martin "The Bottom Line" und nicht, wie Sie geschrieben haben, Dave.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 20.02.2013 16:41:54 GMT+01:00
Stefan meint:
Danke für den Hinweis. Fehler sollte eigentlich nicht passieren, ist er aber. Habe es dann auch gleich mal ausgebessert.
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