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Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, 6. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Harmonia Caelestis (Taschenbuch)
Man muss sich darauf einstellen, dass man, nachdem man die Übertragung der Verleihung des Friedenspreises an Peter Esterhazy live im Fernehen gesehen hat, sich bei seiner Dankesrede vor Lachen vom Sofa warf um danach umgehend die Harmonia Cealestis zu kaufen, unmittelbar bei Beginn der Lektüre von der Komplexität und dem Anspruch des Autors an den Leser erschlagen wird. Die Familiengeschichte Esterhazy stellt sich nicht deshalb als immens komplex dar, weil sie immens komplex wäre - zumindest nicht mehr als bei dem Stammbaum zu erwarten wäre -, sondern aus dem Grunde, dass der Autor auf einen durchgehenden Erzählfaden weitgehend, um nicht zu sagen vollkommen, verzichtet. Stattdessen dreht sich die Erzählung fortwährend um sich selbst und um die wechselnden Rahmenbedingungen der Familiengeschichte. Dabei ist die zeitliche Erzählperspektive des Romans, nämlich dass "unabhängig von den Jahrhunderten" immer von "meinem Vater" gesprochen wird, wenngleich gewöhnungsbedürftig so doch nicht ablenkend vom eigentlichen Anliegen des Werkes. Wer jedoch glaubt, sich den Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels als intellektuelles Alibi ins Bücherregal zu stellen und dann in leichter Gesellschaft auf eloquente Art und Weise den flüssig angelesenen Esprit von Esterhazy zum Besten geben zu können, der sei ausdrücklich gewarnt: Temporale und durchnumerierte Textversatzstücke ohne durchgehenden Bezug zueinander überfordern jeden, dessen literarisches Niveau bei fairer Selbsteinschätzung nicht über gelegentliche oder auch tägliche BILD-Lektüre hinausgeht, vermutlich gewaltig. Ein gewaltiges Lob ist überdies der Übersetzung auszusprechen, da frühere Werke von Esterhazy für Nicht-Landsleute noch unverständlicher waren, als man dies - vermutlich nach lustloser Lektüre - der Harmonia Caelestis auch schon gelegentlich vorgeworfen hat. Wer sich hingegen die Mühe macht, sich dieses Werk zu erarbeiten, wird mit Textzeilen und -passagen belohnt, welche sich vollkommen problemlos neben Grass und Mann sehen lassen können. In jeder Hinsicht ein epochales Werk, zumal in der "verbesserten Ausgabe".
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Harmonia Caelestis 3833301147
Péter Esterházy
Berlin Verlag Taschenbuch
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Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Man muss sich darauf einstellen, dass man, nachdem man die Übertragung der Verleihung des Friedenspreises an Peter Esterhazy live im Fernehen gesehen hat, sich bei seiner Dankesrede vor Lachen vom Sofa warf um danach umgehend die Harmonia Cealestis zu kaufen, unmittelbar bei Beginn der Lektüre von der Komplexität und dem Anspruch des Autors an den Leser erschlagen wird. Die Familiengeschichte Esterhazy stellt sich nicht deshalb als immens komplex dar, weil sie immens komplex wäre - zumindest nicht mehr als bei dem Stammbaum zu erwarten wäre -, sondern aus dem Grunde, dass der Autor auf einen durchgehenden Erzählfaden weitgehend, um nicht zu sagen vollkommen, verzichtet. Stattdessen dreht sich die Erzählung fortwährend um sich selbst und um die wechselnden Rahmenbedingungen der Familiengeschichte. Dabei ist die zeitliche Erzählperspektive des Romans, nämlich dass "unabhängig von den Jahrhunderten" immer von "meinem Vater" gesprochen wird, wenngleich gewöhnungsbedürftig so doch nicht ablenkend vom eigentlichen Anliegen des Werkes. Wer jedoch glaubt, sich den Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels als intellektuelles Alibi ins Bücherregal zu stellen und dann in leichter Gesellschaft auf eloquente Art und Weise den flüssig angelesenen Esprit von Esterhazy zum Besten geben zu können, der sei ausdrücklich gewarnt: Temporale und durchnumerierte Textversatzstücke ohne durchgehenden Bezug zueinander überfordern jeden, dessen literarisches Niveau bei fairer Selbsteinschätzung nicht über gelegentliche oder auch tägliche BILD-Lektüre hinausgeht, vermutlich gewaltig. Ein gewaltiges Lob ist überdies der Übersetzung auszusprechen, da frühere Werke von Esterhazy für Nicht-Landsleute noch unverständlicher waren, als man dies - vermutlich nach lustloser Lektüre - der Harmonia Caelestis auch schon gelegentlich vorgeworfen hat. Wer sich hingegen die Mühe macht, sich dieses Werk zu erarbeiten, wird mit Textzeilen und -passagen belohnt, welche sich vollkommen problemlos neben Grass und Mann sehen lassen können. In jeder Hinsicht ein epochales Werk, zumal in der "verbesserten Ausgabe".
Ulrich Schnier "schnier2501"
6. April 2005
- Insgesamt:
5

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