Kundenrezension

5.0 von 5 Sternen Musikalische Kontinentaldrift, 15. April 2014
Verifizierter Kauf(Was ist das?)
Rezension bezieht sich auf: Innerspeaker (Deluxe Version) (Audio CD)
Diese Jungs, gerade mal den Führerschein in der Tasche, stammen aus Perth, Australien, der "einsamsten Großstadt der Welt", durch riesige Wüsten von anderen Siedlungsräumen getrennt. Hier konnte sich also diese merkwürdige Musik entwickeln, eine musikalische Kontinentaldrift sozusagen, die ein Klangbild hervorbrachte, eigenartig wie das australischen Schnabeltier, diese Ente mit Fell... und die TAZ merkt an: "Eine merkwürdiges Phänomen ist die Bekanntheit der Sounds, doch die ästhetische Ebene ist so makellos stimmig, das niemand auf die Idee kommt, sie hätten je andere Vorbilder gehabt."
Kevin Parker der Kopf der Band und Sound-Tüftler, bediente sich schon in jungen Jahren der antiquarischen Sammlung an elektronischen Klangerzeugern seines Dads - so zum Beispiel eines Keyboards anno 1971 - original von Terry Riley, dem berühmten Komponisten und Erfinder der Minimal Music, mit ihrer von afrikanischer Trance Music adaptierten mikropolyphonen Struktur... zudem sog Kevin jeden Ton aus der umfangreichen Plattensammlung seines Bruders und tüftelte Nächtelang an diesen eigenartigen Klangstrukturen die heute TAME IMPALA ausmachen und wenn man seine umfangreiche Sammlung an Zehen bedienbaren elektronischen Reglern betrachtet, scheint er nicht nur ein Fußakrobat sondern auch ein Meister des Lötkolbens zu sein...

Wenn andere lachen, schaut Kevin Parker ernst und irgendwie als sei er autistisch, und er braucht echte Menschen die seine Musik live spielen können und so bedient er sich der Bandmitglieder einer „puren Spass an der Freude Gruppe“, nämlich POND und formte daraus TAME IMPALA. Auf alten Videos sieht man ihn manchmal bei POND am Schlagzeug – und während Jay und besonders Nick die Sau raus lassen - trommelt er engagiert, aber immer sachlich...
Spannend, so eine Gruppe ganz am Anfang zu erleben. Auch die Zutaten scheinen ausgewogen: Kevin the Brain, Nick der Enthuastische, Jay der sympathische Witzbold, Dom der Stille und ein neuer, sehr gut aussehender Schlagzeuger, dessen Namen ich noch nicht kenne, unter psychosozialen Gesichtspunkten scheint die menschliche Mischung TAME IMPALAS ausgewogen und könnte so durchaus von Bestand sein, und das wäre auch zwingend notwendig, um zu reifen und um sich weiterzuentwickeln. Da scheint noch einiges drin zu sein – wie diese Session beweist... an was erinnert mich dieser Sound nur?

Während ich diese Zeilen schreibe, Montag, den 8. Juli, hatten sie bereits fünf weitere Auftritte hinter sich – innerhalb von fünf Tagen: Berlin, Ravenna, Milano, Paris, Oslo – und so geht es auch weiter, Juli, August, September, Oktober – Europa, die USA – New York, Denver, Dallas, Austin – mal vor 200, mal vor 20.000 Leuten, jeden 2. Tag ein Auftritt, manchmal eine ganze Woche hintereinander... das ist hart, das ist Rock'n Roll und so fürchte ich insgeheim diese sympathischen Jungs könnten frühzeitig im harten Musik Business verschlissen werden.
Reichtümer kann man heutzutage nicht mehr anhäufen, mit Musik, wie das in den der 60er, 70er und auch 80er Jahren noch möglich war - eine "Goldene Schallplatte" bedeutete damals 1 Million verkaufte Platten - wenn nur eine einzige Mark pro Platte als Tantiemen flossen, war das eine Million... doch heutzutage, im Zeitalter der "Ich bin doch nicht blöd" Menschen, wo alles umsonst sein muss, zahlt doch niemand mehr für Musik, kauft doch niemand mehr eine CD. So bleiben nur noch die Life-Auftritte. Viel bleibt dabei nicht hängen, rechnet man den ganzen Aufwand, die Mieten, das Personal, den Transport, die Flüge, Hotelzimmer und nicht zuletzt die Marge der Konzertagenturen. Was kann da groß hängenbleiben? Deshalb wird gespielt auf Teufel komm raus, durch die halbe Welt getingelt, werden allerlei Drogen eingepfiffen, die Konkurrenz ist groß und der Tribut ist hoch...
und wo ist NICK, der dünne Hering, der aussieht als sei er gerade aus einem Bösen Buben Heim ausgerissen – Fragezeichen in den Tellergroßen Pupillen... Man muss sich mal ein Interview mit ihm ansehen, wenn er mit seinem unvergleichlichen Aussie Slang und stockender Stimme Monologe führt, sich ohne Unterlass irgendwo kratzt, mit dem Kopf wackelt, seine Hände anstarrt, Bier trinkt, die Augen verdreht... und wenn er dann "Kick out the Jam" ins Mikro schreit, dann ahnt man ganz sacht, wie das einmal enden könnte...
... und während ich diese Zeilen schreibe ist NICK schon nicht mehr dabei... „I make an attempt and try to screw my head back on ...“ waren seine Abschiedsworte und ja, die Realität holt einen schneller ein als man manchmal denkt...
... und JAY hat sich inzwischen einen Bart wachsen lassen, damit sie ihm endlich Bier verkaufen ohne immer nach seinem Ausweis zu fragen.
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