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5.0 von 5 Sternen Die Semperoper in Japan, 17. März 2009
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Rezension bezieht sich auf: Richard Strauss - Der Rosenkavalier [2 DVDs] (DVD)
Die derzeitige Klassikproduktion geht manchmal schon seltsame Wege - so landet eine Produktion der Dresdner Semperoper über den kleinen Umweg aus Japan in unserem Player. Die Dresdner Oper stellt sich mit einer ganzen Reihe von Strauss-Produktionen ihrer eigenen großen Tradition. Ruth Berghaus Elektra mit dem aus dem Graben geholten Orchester, die leicht ironisiernde Frau ohne Schatten von Rosalie sind Dresdner Highlights. Auch Uwe Eric Lauffenbergs Rosenkavalier möchte ich dazu zählen und freue mich, dass er dokumentiert ist.

So arbeitet sich auch der Rosenkavalier langsam in unsere Zeit vor. Warum auch nicht, ist er doch ein wandelnder musikalischer Anachronismus und das gekünstelt erfundene Wien Maria Theresias sowieso kakanisch zeitlos. Und es ist eigentlich ja ein böses Stück, über das Strauss seine im Ende wie Mahler doppelbödige Musik kippt. Am deutlichsten hat das Robert Carsen 2004 ausgerechnet in Salzburg gemacht: Dekadenz des fin du siecle, gnaden- und geschmacklos im Offiziersbordell, leicht angeschlagen am Ende nicht nur der Ochs und das junge Glück hoffnungslos. Semyon Bychkov gibt dort den Rosenkavalier aus der Sicht des Elektrakomponisten, die drei Damen Pieczonka, Kirchschlager und Persson sind schauspielerisch, optisch und mit leichten Einschränkungen sängerisch ein Genuss, Hawlata als Ochs leider nur schauspielerisch. Für viele Opernbesucher mag das schon verschreckend wirken.

Soweit geht nun diese Produktion nicht, auch wenn sie die Handlung nun noch 50 Jahre später ansiedelt. Trotzdem bleibt eine gewisse Zeitlosigkeit in Ausstattung und Kostümen. Der Ochs und seine Lakaien kommen in der bayerischen Krachledernen daher, wie der Komponist ja selber gerne. Ansonsten passiert nichts anstößiges, aber viel Schönes, Sinniges, gelegentlich Witziges, wie der kleine Klamauk mit der Spritze für den Ochs, aber passend zur Musik choreografiert. Schön auch die Verdoppelung der Rosenübergabe: Octavian bringt seiner angebeteten Marie-Theres einen Strauß roter Rosen, den sie bei ihrem "Zeit-Monolog" Rose für Rose in eine Vase stellt. So folgt man der Wiener Farce gerne, ist man den bereit, auf puderschwere Perücken zu verzichten. Schon das dezent erotische Spiel zu Beginn des Vorspiels nimmt für sich ein.

Das ganze wird getragen von einem viel besseren Ensemble als in Salzburg oder Zürich: Schon Roberto Sacca ist ja ein Luxussänger, alle Nebenrollen sind großartig besetzt. Der kahle Ketelsen ist ein wuchtiger und witziger Faninal. Kurt Rydl wird oft kritisiert, aber er ist noch immer nach langen Dienstjahren in vollem stimmlichen Saft, die Stimme kommt sofort, wie bei wenigen Bässen. Er ist komödiantisch, aber nicht übertrieben, immer mit der gewissen Grandezza, die Dichter und Musiker wohl vergeschwebt ist, als sie diese Rolle erschufen. Aber schon auch mit einer Portion Gefährlichkeit und Brutalität, die dem sonst von mir sehr geschätzten Kurt Moll in dieser Rolle abgeht, zu feinsinnig darf der Ochs dann ja auch nicht sein. Die kleine Japanerin Maki Mori hat große Stimme und entwickelt viel Selbstbewusstsein, man denkt erst an ein Klischee, ist dann aber bald entzückt von ihrem Rollenporträt.
Anke Vondung macht erstmal die "männliche" Seite des Octavian deutlich, singt und spielt engagiert und mit großem Mezzo, auch das Mariandl ist "ansehnlich". Wie meistens im Rosenkavalier gehört die Krone der Marschallin, hier lässt sich Anne Schwanewilms die Chance eines intensiven Frauenporträts (von zwei Männern erdacht!)nicht entgehen. Brava. Da weiß ich dann, warum mir die gekünstelte Schwarzkopf nicht gefällt.

Fabio Luisi habe ich live in keiner guten Erinnerung, z.B. in seinen Meistersingern. Hier schöpft er aus dem vollen und so scheint mir die wunderbare Staatskapelle selbst aus der langen Tradition heraus ihren Weg durch die Partitur zu gehen - klangsinnlich, klangmächtig, detail- und farbenreich ist sie immer präsent. Ein durch und durch spätromantischer, schwelgerischer Strauss, diametral gegenüber Bychkov oder Kleiber. Und doch auch immer wieder voller Härte z.B. im tiefen Blech bei den Lerchenauischen Ausbrüchen. Die Walzer nicht unbedingt weanerisch, halt dresdnerisch.

Klanglich gut abegemischt, eher aber in der Totalen, trumpft das Orchester immer wieder mächtig auf, ohne die Stimmen zu überdecken. Die Bildregie sinnig, so kann ich diesen gemäßigt modernen Rosenkavalier unbedingt empfehlen.
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Thomas Barisch
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Ort: Euerbach, Bayern

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