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13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Die listenreiche Penelope..., 19. Oktober 2007
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Rezension bezieht sich auf: Die Penelopiade (Gebundene Ausgabe)
Penelope, die Ehefrau des Odysseus, wartete zwanzig Jahre treu und brav daheim auf Ithaka, bedrängt von zudringlichen Freiern, bis der Herr Gemahl nach Krieg und Irrfahrten (die sich überwiegend bei schönen Frauen abspielten) nach Hause kam. Das sollen wir glauben, meint der Dichter Homer.

In diesem Buch erzählt nicht nur Penelope ihre Geschichte (oder einen Teil davon, oder: den Teil, den wir glauben sollen), dazu kommt die Geschichte der zwölf Mägde, die Odysseus hat erhängen lassen, nachdem sie die Spuren seines Blutbades unter den Freiern beseitigen mußten. ("Ach, wir Armen!" um es mit Goethe zu sagen)

Penelope erzählt, von der Unterwelt ("Hab ich schon erwähnt, dass es auch nichts anderes zu essen gibt als Narzissen? Aber ich sollte mich nicht beschweren.") aus, in einem zornigen bis schnoddrigen Tonfall (der einen bedauern lässt, daß die Geschichte so kurz und das Buch so dünn ist), daß das alles ganz anders war: alle waren sie hinter ihrer Cousine Helena her, die einfach besser ihre weiblichen Primärreize zur Geltung bringen vulgo mit dem Hintern wackeln konnte, sie selbst, Penelope, galt als besserer Trostpreis. Der Gemahl, der in den Krieg zog, bevor er seine Irrfahrt antrat ("Odysseus was in einen Kampf mit dem einäugigen Riesen Polyphem geraten, sagten einige; nein, es war nur ein einäugiger Wirt, sagte ein anderer, und der Streit sei um die Nichtbezahlung der Rechnung gegangen" "während sie an den verführerischen Sirenen - halb Frauen, halb Vögel - vorbeisegelten, die Männer auf ihre Insel lockten und sie dann auffraßen... Nein, sagte ein anderer, es war ein hochklassiges sizilianisches Hurenhaus - die Kurtisanen dort seien berühmt für ihre musikalischen Talente und ihre ausgefallenen, mit Federn geschmückten Gewänder"), die selbst, die da saß und wartete, halb bemitleidet, überwiegend verspottet vom ganzen Mittelmeerraum und bedrängt von Männern, halben Kindern noch, die weniger an ihr als an Ithaka interessiert waren.

Zwischen den Kapiteln in brechtscher Manier (aber in der Übersetzung eher holprig) oder wie in der griechischen Tragödie der Gesang des Chors der zwölf Mägde, Dienerinnen, Sklavinnen, Zwangsprostituierte auch: die nicht die Wahl hatten und trotzdem die Rechnung bezahlen mußten.

Eine interessante Geschichte.
Was mich stört: mit 172 groß geschriebenen Seiten eine schlichtweg zu kurze Geschichte. Das wirkt sich vor allem deshalb aus, weil sie dazu extrem rasant erzählt wird. Was mich noch stört: Kapitel XXIV - die Anthropologievorlesung. Ein an sich gutes Kapitel, das aber vom Erzählstil und der Wortwahl ein Fremdkörper im Buch ist.

Insgesamt: ein interessanter Ansatz, gerade beim stilistischen Talent der Autorin, aber einfach zu kurz.

Noch ein Zitat? "Wir beide waren - nach eigenem Eingeständnis - geschickte und schamlose Lügner mit großer Erfahrung. Es ist ein Wunder, dass einer von uns ein Wort dessen glaubte, was der andere sagte. Aber wir taten es. Oder zumindest versicherten es einander."

Schon für Zeilen wie diese lohnt sich die Lektüre!
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 04.07.2009 18:46:40 GMT+02:00
Vera Soukup meint:
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 17.07.2009 11:32:33 GMT+02:00
Sorry, aber ich verstehe diese Anmerkung nicht. Ich befinde mich nicht (und befand mich nie) in einem Literaturseminar. Ich lese ausschließlich, um mich zu unterhalten. Aber ich meine, bei diesem Stoff ist das Buch alles andere als Unterhaltungsliteratur - was einen Unterhaltungswert, den ich nie bestritten habe, aber doch nicht ausschließt.

Alles, was ich gesagt habe: es ist gut, aber es wäre mehr drin gewesen. Und mehr davon wäre besser gewesen. Und dazu stehe ich.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 26.07.2009 13:51:30 GMT+02:00
LadyMacbeth meint:
Auch mir bleibt Ihr Einwand leider verschlossen, liebe Vera Soukup ;)
Ich kann mich der sehr guten Rezension von Beatrice nur anschließen.
Auch ich habe das Buch mit großem Genuss gelesen. Sicher ist Margaret Atwoods Literatur immer auch Unterhaltungsliteratur - aber eben auch mehr. Viel mehr. Und so wünscht man sich auch bei diesem kleinen Büchlein - und gerade bei der so monumentalen Geschichte, die dahintersteht -, dass diese so überaus kluge Autorin sich noch viel mehr entfalten würde.

Mich persönlich hat die Anthropologie-Szene nicht gestört, da er eine wohlgesetzte Disharmonie bildet, aber das ist ja auch immer persönliches Empfinden. Insgesamt kann ich "Beatrice" :) nur vollen Herzens zustimmen und appelliere hier an alle Leser, dieses wunderbare, wundersame und mit Satzjuwelen bestückte Buch zu lesen und zu genießen, denn es wirkt noch lange nach und ist für den ein oder anderen vielleicht auch mal ein Anlass, die "Odyssee" in die Hand zu nehmen und der hier zugrundeliegenden Geschichte auf den Grund zu gehen.
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