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Kundenrezension

10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Was können wir tun?, 6. Januar 2013
Rezension bezieht sich auf: Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All (DVD)
[Vorsicht, Spoiler!]

Dies ist die Frage, die sich die Regierung, Wissenschaftler und leider auch das Militär stellen müssen, nachdem die Bedrohung durch ein außerirdisches Virus im letzten Moment hat abgewehrt werden können und nunmehr feststeht, daß es durchaus Leben im All gibt, das sich von dem damals noch unbekannten Knuddelalien E.T. gravierend unterscheidet. An dieser Stelle entläßt uns Robert Wises Science-Fiction-Film „The Andromeda Strain“ (1971) – basierend auf einem frühen Roman Michael Crichtons – mit einem Blick auf das förmlich im Raum stehende beredte Schweigen zwischen Regierungsvertreter und Wissenschaftler, aus dem wohl erhellt, daß man gerade diese Unsicherheit als einen Grund vorschieben wird, sich aus dem Andromedastamm gewonnenes Biomaterial waffentechnisch zunutze zu machen und weitere Forschungen auf diesem Gebiet anzustoßen. Der Film selbst scheint der Frage selbst neutral gegenüberzustehen, was die Spannung für den Zuschauer noch quälender macht.

„The Andromeda Strain“ ist in vielerlei Hinsicht ein sehr eigenartiger Film, denn es gelingt Wise hier, über mehr als zwei Stunden Spannung aufrechtzuerhalten, ohne daß wirklich viel geschieht. Einige der dramatischen Mittel sind freilich leicht zu erkennen und für die damalige Zeit sicher innovativ – wie etwa die von meinem Rezensionskollegen Gavin bereits beschriebene Teichoskopie, die darin besteht, daß wir als Zuschauer lange Zeit nicht sehen, was sich in der von der mit dem außerirdischen Virus infizierten Sonde heimgesuchten Stadt Piedmont abspielt, sondern den Bericht über Funk miterleben bis zu dem Moment, als auch die vor Ort forschenden Soldaten plötzlich sterben. Diese Stelle erinnert stark an das von Orson Welles inszenierte Hörspiel „The War of the Worlds“ (1938), das ja ganz bewußt als Radiodokumentation gestaltet war und ebenfalls mit dem Mittel der Teichoskopie Angst und Schrecken auslöste. Umso erpichter wird der Zuschauer von „The Andromeda Strain“ dann schließlich, den Schrecken auch zu sehen, bei dessen Inszenierung sich Wise sehr wirkungsvoller handwerklicher Kunstgriffe bedient. Einer von ihnen ist die Nutzung von Split Screens, wenn die Wissenschaftler in ihren Schutzanzügen durch die ausgestorbene Stadt gehen und in die Häuser blicken – einerseits distanziert Wise dadurch die Zuschauer von den Wissenschaftlern, sehen wir doch gleichzeitig, was diese sehen, als auch wie sie durch die Fenster blicken, andererseits intensivieren diese ungewöhnlichen filmischen Mittel das Gefühl der Befremdung, das sich angesichts der ausgestorbenen Stadt einstellt.

Bei alledem muten die Szenen um die Stadt Piedmont dennoch klinisch nüchtern an, und diese Nüchternheit zieht sich durch den gesamten Film. Die Hauptpersonen bleiben uns insgesamt recht fremd, da wir nur wenig über sie erfahren, und trotz ihrer ab und an auftretenden Spannungen arbeiten die Teammitglieder insgesamt doch einträchtig zusammen – sogar als den Wissenschaftlern deutlich wird, daß Dr. Stone (Arthur Hill) ihnen nicht die ganze Wahrheit über die Umstände, unter denen das Virus auf die Erde gekommen ist, gesagt hat. Ganz im Gegensatz zum üblichen Hollywoodmuster entspricht die einzige weibliche Wissenschaftlerin, Dr. Ruth Leavitt (Kate Reid), in ihrer Person und ihrem Auftreten nicht dem auch heute noch gängigen Rollenklischee, nach dem eine solche Frau als jung und attraktiv zu zeichnen ist, und so entspinnt sich auch keine Romanze zwischen ihr und einem ihrer Kollegen. Normalerweise – egal, ob nur ein Bus, ein Schiff, ein Hochhaus oder die gesamte Welt in Flammen steht – muß für ein kleines Tête-à-tête doch immer ein wenig Zeit sein. Statt dessen wird ein großer Teil des Filmes darauf verwendet, dem Zuschauer zu erklären, wie die Wildfire-Forschungsstation aufgebaut ist und ihre Sicherheitsmechanismen funktionieren. Wenn die erste Stunde des Filmes vergangen ist, sind die Wissenschaftler dann auch schließlich durch die zahlreichen Sicherheitsschleusen und Dekontaminationsstufen hindurchgekommen, und ihre eigentliche Arbeit kann endlich losgehen. Ihre Tätigkeiten werden dem Zuschauer minutiös und ohne spektakulären pseudowissenschaftlichen Schnickschnack vor Augen geführt, und wer auf einen bösen Außerirdischen hofft, der ein eigenes Bewußtsein hat und konkrete Pläne verfolgt, der wird von den für das bloße menschliche Auge nicht einmal sichtbaren Viren eher enttäuscht sein. Selbst der Kampf um das Überleben des Säuglings und des Trinkers, die als einzige die Katastrophe in Piedmont überstanden haben, hat keinerlei Dramatik und emotionale Kraft.

Vielleicht ist es aber gerade diese klinische Distanz, die kühle Teilnahmslosigkeit, mit der Wise die Vorgänge um das Killervirus in Szene gesetzt hat, die uns der eskapistischen Wonne wohligen Grusels beraubt, mit der etwa ein Film wie „The Thing“ lockt, und uns schonungslos ins Bewußtsein ruft, daß die Vorgänge, von denen „The Andromeda Strain“ erzählt, auf diese oder ähnliche Weise eines Tages zur Wirklichkeit werden könnten – und das eben auch unser Umgang mit Wissenschaft und Technologie dazu beiträgt zu entscheiden, welche Zukunft wir haben werden. In diesem Zusammenhang dürfte es beispielsweise interessant sein, daß die große Katastrophe – eine atomare Vernichtung der Gegend um Piedmont, die von den Wissenschaftlern dringend empfohlen wurde – nur infolge eines einfachen technischen Versagens nicht zur Wahrheit wird. Weil sich nämlich in einem der modernsten Geräte der Welt ein Blatt Druckerpapier zwischen eine Glocke und ihren Klöppel geschoben hat, die Techniker allerdings nach weitaus komplizierteren Problemen suchen und dieses dann nicht finden können, bekommen die Wissenschaftler in ihrem unterirdischen Labor keine Meldung darüber, daß die Regierung aus politischen Gründen von der nuklearen Zerstörung der Stadt Abstand genommen hat, und können dementsprechend nicht schon früh auf Grundlage ihrer zunächst lückenhaften Informationen über das Virus auf diese Nachricht reagieren und die Regierung beschwören, die Stadt auszuradieren. Hier ist es also das Versagen der Technik auf einem sehr basalen Niveau – so basal, daß der Fehler zunächst durch die Maschen des Netzes der Fachidioten schlüpft –, der es verhindert, daß unzureichendes Wissen zur Grundlage einer katastrophalen Fehlentscheidung wird.

Man fragt sich nur, wie oft es solche gnädigen Zufälle wohl geben wird, die die Menschheit vor ihren Wissenschaftlern und den aus deren Ergebnissen Kapital schlagenden Politikern und Militärs schützen werden. Gegenüber diesem sehr realen Nervenkitzel, der aus der betont sachlichen Erzählweise des Filmes erwächst, wirkt Dr. Halls (James Olson) Wettlauf gegen die Zeit, d.h. den automatischen Selbstzerstörungsmechanismus, wie ein obligatorisches Zugeständnis an all jene, die konventionelle Action wünschen. Die dürften allerdings nach fast zwei Stunden Film in dieser ruhigen, aber eindringlichen Erzählweise eingeschlafen sein. Sei’s drum … ich halte „The Andromeda Strain“ für einen sehr gelungenen Film, der gerade durch seinen Verzicht auf grelle Warnsignale sehr beunruhigend wirkt.

Alles in allem ist „The Andromeda Strain“ deshalb ganz sicher nichts für den Freund rasanter Action, aber wer sich gern dazu anregen läßt, über das Für und Wider mancher Formen wissenschaftlicher Forschung und ihrer Nutzung nachzudenken, wird von diesem Film selbst heute noch Denkanstöße empfangen können.
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1-8 von 8 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 08.01.2013 19:13:39 GMT+01:00
Ein Kunde meint:
Hallo Tristram!

Danke für diese sehr stimmige und tiefgehende Analyse des Films. Ich stimme Dir zu. Exakt das, was Du herausarbeitest, macht den Film so eigenartig spannend und dennoch vollkommen glaubwürdig. Und einzigartig, in gewissem Sinne. Zumindest sind mir neben diesem und "PhaseIV" nicht viele derartige Filme im Gedächtnis. Mal abgesehen von dem russischen "Solaris" vielleicht.

Übrigens ist Dein Hinweis darauf, daß die ganze "Jagd" nach den Selbstzerstörungsstörern am Ende etwas aufgesetzt wirkt, sehr gut. Das ist es: Ein Zuckerle für die, die eben Action brauchen. Wise selbst, denke ich, hätte wahrscheinlich gut drauf verzichten können, so wie er den Film angeht.

Ein Wort zu Wise selbst: Wie Brooks und Aldrich (mehr noch als diese) für mich einer jener Regisseure, die durch die Vielfalt dessen, was sie gemacht haben, nie so recht gewürdigt wurden. Er hat schon ein paar echte Klassiker hinterlassen in den verschiedensten Genres und Richtungen.

Lieben Gruß,
Gavin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.01.2013 11:18:14 GMT+01:00
Monty Burns meint:
Hallo ihr beiden!

Kann Gavin hier, wie üblich, ( ;-) ) nur zustimmen.

Übrigens unterscheidet sich dieser Außerirdische hier nicht nur gravierend von E.T., sondern auch von Klatu, dem weisen Mann vom anderen Stern aus "The Day the Earth stood still" von Wise - einem der von Gavin erwähnten Klassiker. Hat Wise hier vielleicht eine Lernphase durchlaufen, ähnlich Spielberg, der Jahre nach "Close Encounters of the Third Kind" mit "War of the Worlds" einen viel pessimistischeren Film zu dem Thema drehte? Wobei man allerdings auch nie die Beziehungen auf der Bedutungsebene außer Acht lassen sollte. Was beide Filme wiederum zu einen scheint ist, dass Wise uns scheinbar sagen will, dass wir da draußen nichts zu suchen haben, bzw. dort unabsehbare Gefahren auf uns lauern. Wobei sich das Virus in Andromeda dann ja letztlich doch verhält wie ein irdisches und inaktiv wird nachdem es einen gewissen Wirkungsgrad erreicht hat. Zumindest erinnere ich das so.

Seid herzlich gegrüßt, M.B.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 09.01.2013 21:04:25 GMT+01:00
Hallo Gevattern,

so in der Nachbarschaft von Brooks und Aldrich würde ich Wise auch einordnen, wobei mir von den dreien Aldrich noch am nächsten steht, weil er einfach so herrlich harte Geschichten erzählt und auf so große Ideen kommt, wie Lee Marvin und Ernest Borgnine auf einem Zug gegeneinander kämpfen zu lassen. - Für mich war es gerade diese unaufgeregt-sachliche Art, mit der "Andromeda" seine Geschichte vorantreibt, was hier auf eine besondere Art Spannung erzeugt hat. Und das funktioniert selbst nach vierzig Jahren noch, alle Achtung.

Daß wir da draußen nichts zu suchen haben, würde ich halbwegs unterschreiben - eher noch, daß es da draußen auf absehbare Zeit nichts Lohnenswertes zu entdecken gibt und wir besser daran täten, die ins All verschleuderten Gelder für die Lösung irdischer Probleme zu nutzen. Im Zeitalter des Kalten Krieges mag das All ja noch eine strategische Bedeutung gehabt haben, aber jetzt will es mir so scheinen, als seinen NASA und der ganze Quatsch im Grunde das, was man in einem anderen, aber ähnlichen Zusammenhang als "Blitzableiterfunktion der Außenpolitik" bezeichnet. Eben der Versuch, spektakuläre Erfolge einzuheimsen, damit man nicht so merkt, wie marode und fragwürdig das soziale System in den USA ist.

Andererseits sagt der Zyniker in mir, daß es, wenn man bedenkt, was die Spanier, die in Schiffen nach Amerika kamen, mit den Menschen dort anstellten, wohl sicherer für uns ist, wenn wir diejenigen sein werden, deren Schiffe einen anderen belebten Planeten anfahren.

LG,
Tristram

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.01.2013 15:33:27 GMT+01:00
Ein Kunde meint:
Hallo zusammen,

ich schließe mich Tristrams Aussage insofern an, als daß ich denke, wir sollten vielleicht mal im klassischen Sinne erst vor "der eigenen Haustür kehren", bevor wir uns daran machen, die Chipstüten, Hamburgerverpackungen und Coladosen nun auch auf dem Mars oder dem Jupiter rumliegen zu lassen. Hier "unten" gibt es wahrlich genügend Probleme...

Die strategische Bedeutung des Alls im kalten Krieg ist heute allerdings ebenfalls umstritten. Eine Möglichkeit, die Sowjets zu Tode zu rüsten, das ja. Aber sonst?

Was Deinen letzten Satz angeht, Tristram, da erinnert er mich ein wenig an Bradburys "The Mars Chronicles", der ja auch von der Besiedlung eben jenes Planeten erzählt und dabei keine Zweifel läßt, auf welche Besiedlung er dabei anspielt...

Was Wise, Brooks und Aldrich angeht, könnte ich mich zwischen Wise und Aldrich nicht so recht entscheiden. Brooks hat einge echt tolle FIlme verwirklicht (darunter der von Dir Tristram gerade rezensierte "In Cold Blood", zu dem ich selbst - wie auch zu "The Treasure of the Sierra Madre" - noch etwas schreiben möchte und mich deshalb noch nicht unter Deinen jeweiligen Rezensionen gemeldet habe), war an anderen sehr guten als Drehbuchautor beteiligt, aber dennoch würde ich wohl Aldrich vorziehen. Wise wiederum war wirklich für einige Filme verantwortlich, die ich liebe, Aldrich allerdings auch. Ach, schwer zu entscheiden. Ich glaub, ich mag sie alle drei ,-) Und alle drei, denke ich, haben nicht die Anerkennung gefunden, die ihnen gebührt hätte...

Grüße,
Gavin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 10.01.2013 18:58:23 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.01.2013 22:20:20 GMT+01:00
Monty Burns meint:
Hi Folks!

Der allgemeine Blick auf die Raumfahrt erscheint mir ohnehin ziemlich naiv. Sicher, wenn Ridley Scott in "Prometheus" im Jaher 2098 ein Raumschiff zu Zeta2 Reticuli schickt und dabei die Frage danach wie man denn solche Entfernungen technisch überbrücken könnte völlig ausklammert, liegt das vermutlich daran, dass ihm diese Frage für seine Geschichte eher nebensächlich erschien. Angesichts der jüngeren Entwicklungen, insbesondere auf dem Energiesektor, wird es aber immer fraglicher ob sowas jemals wird stattfinden können. Mit Windkraft wird man sicher keinen Warp-Antrieb in Gang bekommen - um es mal zugespitzt auszudrücken. Ich habe mal einen Raumfahrtexperten sagen hören, dass es ohne Kernenergie keine interstellare Raumfahrt geben wird. Aber selbst wenn wir weiter an der Atomenergie festhalten sollten wäre es doch sehr fraglich ob die Ressourcen dafür noch ausreichen würden. Von der Frage ob es zu verantworten wäre radioaktives Material etwas so unsicherem wie einer Weltraumrakete anzuvertrauen, mit dem Risiko es im Fall einer Explosion weiträumig in der Atmosphäre zu verteilen, mal abgesehen.

Hinzu kommt die Zeitproblematik. Wenn man Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte für eine solche Reise braucht, während auf der Erde selbst die Zeit sogar noch schneller vergeht, stellt sich doch die Frage wie sowas wirtschaftlich zu verwirklichen sein soll. Und dann ist da noch das Problem mit den bewohnbaren Welten. Der Mars etwa hat eine geringere Gravitation als die Erde, für besiedelbar hält man ihn aber schon. Würden Menschen den Mars besiedeln würde wohl die Evolution gnadenlos zuschlagen und die Siedler bereits binnen weniger Generationen umgestalten. Ob sich ein solcher Marsbewohner dann noch problemlos auf der Erde bewegen könnte ist fraglich, denn seine Muskeln wären entsprechend geringer ausgebildet. Dann sind da die ganzen Gefahren die im All auf uns lauern, z.B. Meteoriten unterschiedlichster Größe und Geschwindigkeit und Strahlungen. Planeten wie Jupiter oder Saturn könnte man sich gar nicht allzu weit nähern, weil einen das jeweilige Magnetfeld bereits töten würde. Langer Rede kurzer Sinn: ob wir da draußen wirklich eine Zukunft haben ist sehr fraglich. Auf der anderen Seite ist natürlich unser Dasein auf diesem Planeten ebenfalls endlich und bedroht - nicht zuletzt durch uns selbst. Wär schon nicht schlecht einen Ersatzplaneten zur Verfügung zu haben. Der hier ist ja bereits ziemlich im Eimer.

Aber tatsächlich stellt sich ja auch noch die Frage nach außerirdischem Leben, das uns sicher zunächst in Form von Mikroorganismen begegnen wird. Und die Wahrscheinlichkeit, dass unser Organismus damit problemlos klarkommen wird erscheint mir nicht groß. Womit wir wieder bei unserem Film hier wären. Vielleicht wird man eines Tages zu dem Schluss gelangen, dass zuhause bleiben auch irgendwie ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein ganz großer für die Menschheit ist.

Gruß, M.B.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 11.01.2013 09:59:09 GMT+01:00
Hallo M.,

Dein letzter Satz ist wirklich genial - ich stelle ihn mir gerade akustisch eingerahmt vom Strauss' "Also sprach Zarathustra" vor ;-)

LG, Tristram

P.S.: War es nicht in den Simpsons, wo jemand auf die Frage, warum angesichts der Armut noch Raumfahrt betrieben werde, sagte, daß man ja vielleicht einen Planeten finde, wohin man all die armen Leute bringen könnte?

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 13.01.2013 12:38:59 GMT+01:00
Ein Kunde meint:
Hallo M. Bähre,
Hallo Tristram!

Ja ja, defätistisch seid´s, ge´? Wir sollen alle schön die Daumen drücken, damit wir noch in Lebenszeit ein Plätzchen finden, wo wir von vorn anfangen können, unseren Müll abzuladen! Also ehrlich...

Aber ohne Schnack - ich las neulich einen Artikel irgendwo, wo die Experimente beim CERN in der Schweiz (die ich persönlich ziemlich gruselig finde) gerade für die Raumfahrt von größter Wichtigkeit seien, da Antimaterie im Grunde die einzige Energie sei, oder Energie freisetzen könne, die als Antrieb für einen Flug zum Mars wirklich funktionieren würde. Na also!!

Ansonsten stimme ich voll zu: Einfach mla zuhause bleiben. Da isses auch nett und mollig warm (hier fallen die Temperaturen auf unangenehmste Art und Weise) und man trifft nette Leute. Ob man da draußen auch nette Leute trifft? Eben...

Grüße,
Gavin

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.01.2013 17:04:46 GMT+01:00
Queridos compadres,

wo Ihr immer davon sprecht, wie gut es ist zu Hause zu bleiben, das kam mir immer so bekannt vor - und jetzt habe ich nachgedacht und weiß, woran mich das erinnert hat. Nämlich an Blaise Pascal: "Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, daß sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen." Der gute alte Haudegen ;-)

Cheers,
Tristram
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