Kundenrezension

4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Bekenntnis zum Blues, 14. April 2013
Rezension bezieht sich auf: Rolling Stones - Confessin' the Blues: Die Musik der Rolling Stones 1963-2010 (Taschenbuch)
"Confessin' the Blues - Die Musik der Rolling Stones" (Erstauflage 2008) - nicht wenige Bücher versprechen dies im Untertitel, aber nach kurzem Blättern war ich von der Qualität des Buches überzeugt, anders als z.B. bei "Rip this Joint - Die Story zu jedem Song" von Steve Appleford, das ähnlich angelegt ist wie Hofackers Werk, jedoch enttäuschend nah an der Oberfläche bleibt und mangels eingehenderer Recherche oft lediglich Anekdoten und Gerüchte listet.

Hofacker hingegen bespricht chronologisch Song für Song jede Single, essenzielle EP und jedes offizielle Stones-Album, Studio und Live - und zwar inklusive der Coverversionen - in einem eigenen Kapitel, eingebettet in den entsprechenden band- und ggf. gesellschaftspolitischen Kontext sowie den der jeweils vorherrschenden Musikszene (bei den Samplern beschränkt er sich auf die wesentlichen). Begrüßenswert, dass er sich dabei strikt an die von den Stones autorisierten UK-Alben besonders der frühen Sechziger hält und die oft dubios zusammengestellten US-Ausgaben nur in soweit erwähnt, wie sie zusätzliche Songs enthalten.

Hofacker ist begeisterter Stones-Fan. Trotzdem neigt er keineswegs zur rosa Brille: er hat keine Schwierigkeiten, fundierte Kritik zu üben, wo immer sie angebracht ist. Meine Begeisterung über das vorliegende Buch liegt aber nicht allein daran, dass er und ich in vielen Kritikpunkten übereinstimmen: beispielsweise hält auch er Cherry oh Baby für einen Fehlgriff, Songs wie What a Shame, Grown up wrong, Hearts for sale, Break the Spell und Suck on the Jugular und Alben wie "Love you Live", "Undercover" und "Dirty Work" für schwach und "Emotional Rescue" für ein weitgehend überflüssiges Albumstatement. Auch er wundert sich darüber, dass man I'm free mit seinem (bei etwa 1:30) verpatzten Break veröffentlicht hat, anstatt es durch eine andere Aufnahme zu ersetzen.

Hofacker hat brillant recherchiert, er kennt nicht nur sämtliche Stonesalben sowie selbst rare Single-A- und B-Seiten, sondern auch die musikalischen Wurzeln der Stones sowie zahllose Bootlegs, die hier zwar nicht besprochen werden, deren Kenntnis jedoch in die Lektüre mit einfließt, beispielsweise wenn Hofacker den Wert eines Albums innerhalb der Band daran misst, wie viele Songs daraus Einzug ins Liverepertoire hielten. Schade nur, dass er diese Songs selber nicht gelistet!

Leider sind dem Lektorat etliche Druckfehler entgangen; schon der Untertitel "Die Musik der Rolling Stones 1964-2008" müsste korrekterweise auf 1963-2006 datiert werden. Auch unterlaufen Hofacker einige kleinere Flüchtigkeitsfehler, leider besonders bei den Zitaten aus den Songtexten. Beispielsweise liegt das Publikum im Stereomix von "Got live if you want it!" auf demselben Kanal wie Jaggers Gesang, nicht gegenüber; an "A Bigger Bang" waren durchaus Gastmusiker beteiligt; Money coverten die Beatles auf ihrem zweiten, nicht auf dem ersten Album; ich würde die B-Seite Child of the Moon klangmäßig doch eher den "Beggars Banquet"- als den "Satanic Majesties"-Sessions zuordnen, und die Rhythmusgitarre in Winter eher Mick Jagger denn Mick Taylor; an einer Stelle im Buch bringt es Rip this Joint auf 173 bpm (beats per minute), an anderer auf 190; Down in the Hole ist kein zwölf-, sondern zur Abwechslung mal ein achttaktiger Blues; die Harp in Black Limousine klingt deutlich mehr nach Sugar Blue als nach Jagger; Mean Disposition war ein CD-Bonustrack auf "Voodoo Lounge", wurde auf der gleichnamigen Doppel-LP jedoch keineswegs "aus Platzgründen" weggelassen. Auf "Sucking in the Seventies" gehören noch Time waits for no one und Crazy Mama zu den gekürzten Tracks, nicht aber Shattered. Live with me auf "Rarities 1971-2003" stammt nicht von "No Security", sondern von der Wild Horses-Maxi.

Dass nicht die Remixe sämtlicher Maxi-Singles gelistet sind, macht Sinn; aber über die Einzelbesprechung einiger B-Seiten (Think I'm going mad etc.) hätte ich mich schon gefreut. Zudem vermisse ich eigenständige Einträge zu Blue turns to grey, Con le mie Lacrime, Congratulations und Tell me Baby (How many more Times) (von "The Rest of the Best").

Anders als bei vielen anderen Publikationen, bei denen ich den Eindruck habe, dass solche Fehler einer gewissen Überheblichkeit oder mangelnder Recherche geschuldet sind, habe ich hier das Gefühl, dass mit Hofacker hier und da einfach die Begeisterung durchgegangen ist, und diese Begeisterung ist so ansteckend, dass man bedauert, dass man die Alben gar nicht so schnell durchhören kann, wie man durchs Lesen Lust bekommt, sie sofort aufzulegen.

"Confessin' the Blues" begeistert mit einer Liebe zum Detail und einer Menge an fundiertem Fachwissen über eine Band, die in ihrer nun fünf Jahrzehnte dauernden Karriere ihre Wurzeln im Blues nie verleugnet hat. An vielen Stellen hatte auch ich noch Aha-Erlebnisse - auf die Existenz z.B. des "Stripped"-Outtakes Honest I do (auf dem "Hope floats"-Soundtrack) bin ich erst durch diese Lektüre gestoßen, und ich biete Herrn Hofacker gerne an, die paar kleinen o.g. Lapsi im Zuge einer garantiert folgenden Neuauflage gemeinsam zu erörtern und zu bereinigen.
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 14.04.2013 23:17:27 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 14.04.2013 23:17:48 GMT+02:00
AMM meint:
Die Neuauflage gibt es seit kurzem: The Rolling Stones: Confessin' The Blues - Das Gesamtwerk 1963-2013: Von Ernst Hofacker. Aktualisierte und erweiterte Jubiläumsausgabe! Bin schon länger am überlegen, ob ich mir das Werk zulegen soll.
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Toby Tambourine
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