Kundenrezension

19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
2.0 von 5 Sternen Recht netter Kitsch, aber künstlerisch nicht essentiell, 22. November 2013
Rezension bezieht sich auf: Unplugged and Strung Up (Audio CD)
Schon Anfang 2009 bei den Interviews zum Album Into the Labyrinth haben Saxon angekündigt(angedroht?)in nächster Zeit ein Unplugged/Orchester-Album mit alten Hits neu aufbereitet auf den Weg bringen zu wollen. Jetzt, Ende 2013 ist es nun endlich soweit. Nachdem damals die Scorpions und Metallica damit begonnen hatten, eigene Heavy Metal-Klassiker im Orchestergewand zu präsentieren und es mittlerweile viele Bands mit gemischtem Erfolg getan haben, allen voran Nightwish - springen eben nun auch Saxon auf den Zug mit auf(was jetzt nicht gerade innovativ ist) und versuchen, gerade zum Weihnachtsfest hin, auch ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Es hätte mich gefreut, wenn dieser Neuzeitgemässe softige Kitsch-Kram an Saxon vorbeigegangen wäre, da es einfach einen faden Beigeschmack hat alles nachmachen zu müssen was nach ein paar extra-Euros mehr riecht, bei mir sind Saxon jedenfalls durch dieses anbiedern nicht in der Gunst gestiegen - haben mich zuletzt Saxon mit dem 80er-angehauchten kompromisslosen Heavy Metal-Prachtwerk Sacrifice wieder einmal voll überzeugen können, so verspielen sie schon wieder ein Stück Respekt und Achtung mit so einer offensichtlichen Modeerscheinung. Eigentlich war ich immer stolz darauf, dass Saxon eine ehrliche Heavy Metal-Band sind, die es eben gerade nicht nötig haben so einen Quatsch mitzumachen und nachzumachen.

Letztlich sind die bekannten 14 enthaltenen Saxon-Klassiker darauf meist nichts vollkommen neues, sondern sind ein Sammelsurium aus den Bonustracks der letzten Jahre, für mich ärgerlich, da das meiste hier vorhandene Material schon als Bonus-Material auf den vorangegangenen Alben veröffentlicht wurde und es jeder Saxon-Fan eigentlich schon besitzt(auch wenn man es hier, im Vergleich zu den bereits veröffentlichten Bonustracks, bei genauem Hinhören es mit leicht veränderten Song-Arrangements-Fassungen zu tun hat, was aber wirklich nicht einfach herauszuhören ist) - also von wegen Andy Sneap hat das gesamte Album produziert. Gerade die 5 majestätisch wirkenden Orchester-Versionen(die für mich auch das Herzstück des Albums sind) wurden dabei bombastisch pompös mit Tiefgang in Szene gesetzt und mit einer perfekten lebendigen Produktion veredelt, wobei sich das hinzugemischte Orchester doch sehr nach Keyboard/Synthesizer anhört, aber ansonsten gibt es am Sound überhaupt nichts auszusetzen. Über allem thront natürlich das prägnante unverkennbare Organ von Sänger Peter Byford, der sich hier oft von einer ungewohnt gefühlvollen Seite zeigt, aber immer sehr souverän. Es ist ja klar, dass man das Material dafür bei den Aufnahmen zu Sacrifice nebenbei im selben Zeitraum als Nebenprodukt mit zu Ende aufgenommen hat, und nicht noch einmal extra dafür ins Studio ging, daher kommen mir die hineingemischten Heimorgel-Orchesterparts auch ein wenig halbherzig vor, als wenn dieses Projekt eben keine oberste Priorität gehabt hätte, was wohl auch so war.

Es ist sicherlich nett die allseits bekannten Saxon-Songs mal in einem anderen Soundgewand zu hören, eine nette Alternative für etwas ruhigere, beschaulichere Stunden, am besten Gefallen tun mir als gestandenem Hardrocker allerdings weiterhin die rockenden Original-Versionen der Songs. Auch dieses lieblose Heimorgel-Keyboard-Orchester(aus Kostengründen?) kommt einfach ein wenig billig daher, da wäre ein echtes Orchester klanglich schon wesentlich besser gekommen. Man kann das mal hören, muss man aber nicht. Zur Abwechslung gibt es ja auch bei 5 Songs nur neu aufgenommene Heavy Metal-Versionen bekannter Songs, wie "Battle Cry","Militia Guard" oder "Stallions of the Highway"(Warum man aber auf einem "Unplugged" betitelten Album, diese Heavy-Version als Opener nimmt? Ich verstehs nicht). Letztendlich sind ja nur die vorgenannten Lieder, plus die Orchester-Versionen "The Eagle has Landed","Red Star falling","Broken Heroes" und die Live-Akustik-Version von "Iron Wheels" wirklich noch unveröffentlicht, wobei es ja schon eine Akustik-Version von "Iron Wheels" auf dem Live-Album The Eagle has Landed II(1996) gab. Die gelungensten besten Songs mit dem meisten Tiefgang sind für mich logischerweise das Schlachten-Epos "Crusader", dass ja prädistiniert für solch ein Unterfangen erscheint, die bombastischer wirkende 1.Weltkriegs-Halbballade "Call to Arms" und das durch das Orchester wirklich aufgewertete "Red Star falling", rein musikalisch ist auch "The Eagle has Landed" ganz brauchbar umgesetzt worden, aber wenn man den Text des Songs von der ersten Mondlandung mit in die Überlegung mit einbezieht, dann ist diese spacige Song-Atmosphäre der Ur-Version schon der Idealfall für den Song, weil das einfach passt zu Mond und Weltall, und wirkt für mich diese aufpolierte Orchesterversion von "The Eagle has Landed" zu befremdlich und deplaziert. Mir persönlich gehen eh die 5 neu aufgenommenen Heavy Metal-Klassiker am besten rein, wobei sich hierbei mir gleich wieder die Frage stellt, was richtige Heavy Metal-Songs überhaupt auf einem mit "Unplugged" betitelten Album verloren haben?

Irgendwie riecht das Teil schon nach Resteverwertung, denn einen roten Faden kann ich hierbei nicht erkennen, denn irgendwie passen die neu aufgenommenen Heavy Metal-Versionen von der Stimmung her nicht unbedingt zu dem restlichen Orchester/Lagerfeuer-Material mit einem doch gewollt edleren Musik-Stil(der auch eine recht traurig, melancholische Note beinhaltet).
Ich weiss ja dass Saxon schon lange vorhatten, auch so etwas sanfteres mit Orchester zu machen, aber irgendwie ist mir dieser vorgesetzte chaotische Stil-Misch/Masch dann doch nicht konsequent genug durchgeführt worden und kommt bei mir nur recht halbherzig und bieder rüber. Hätte man ein gesamtes Orchester-Album gemacht, vielleicht auch mit 3-4 neuen Songs darunter, hätte das Album sicherlich eine grössere Daseinsberechtigung erzielt, in dieser Form hat die ganze Angelegenheit doch einen recht faden Beigeschmack - es klingt wie ein zum Weihnachtsgeschäft notdürftig zusammengeschustertes Stückwerk, was ich Saxon aber durchaus gönne und zugestehe(dass Sie sich auf diesem Wege ein paar Kröten extra verdienen wollen). Was jetzt bei der Bezeichnung der Heavy Metal-Versionen der genaue Unterschied zwischen "Remix"(Stallions of the Highway),"Re-Recorded Version"(Just let me Rock, Forever Free) und wenn gar nichts dabei steht(Battle Cry, Militia Goard), sein soll, ist mir auch schleierhaft.

Ich hoffe nur, dass man dieses Akustik-Kitsch-Ding nicht weiter spinnt und womöglich noch eine Tour damit bestreitet, das wäre dann zuviel des Guten, und denke im Fall Saxon auch nicht authentisch und wünschenswert. Wenn ich mir nur vorstelle wie Saxon zu fünft bei Kerzenschein und gedämmten Licht mit den Akustik-Gitarren in der Hand, im Kreis auf Bar-Hockern sitzend, vor sich hinklimpern, dann kommt mir echt das kalte Grauen - eigentlich war ich immer auf Saxon stolz, dass Sie genau so einen Quatsch nicht mitmachen, und dann dass - diese wehmütige Lagerfeuerromantik brauch ich von Saxon echt nicht. Der schwülstige Orchester-Kram hat wenigstens noch einigermassen fette Power und Substanz, aber dieser Akustik-Quatsch ist irgendwie nur peinlich und geht gar nicht, das hätten sich Saxon echt sparen sollen - braucht kein Mensch.
Warum man als Digipack-Version noch die allseits bekannte Heavy Metal Thunder(2002) mit dazu genommen hat mit den neu aufgenommenen Klassikern der Jahre 1979-1984, kann ich mir nur so erklären, dass man wohl darauf spekuliert, dass sich möglichst viele Genre-fremde Leute das Album kaufen sollen, die bisher noch nichts mit Heavy Metal und Saxon zu tun hatten, und man Denen eben dann gleich einen groben Überblick über die besten Jahre der Band mitgeben möchte, gestandene Saxon-Fans dürften Heavy Metal Thunder(2002) ja längst besitzen, man hatte ja satte 11 Jahre Zeit es sich zu besorgen.

Wie soll man nun so ein Album bewerten? - Von der reinen Song- und Soundqualität sicherlich um die 4 Sterne wert(gerade für Leute die noch nichts von Saxon besitzen und die auf dieses Orchester-Ding abfahren, für alle Anderen ist es natürlich weniger wert), da aber 7 Songs bereits vorab auf den vorigen Alben als Bonus-Songs enthalten waren und es auch keinen einzigen echten neuen Song zu hören gibt, gibt das(mindestens) einen Stern abzug, bleiben also höchstens 3 Sterne übrig. Wobei das Ganze natürlich nicht als künstlerisch hochwertig anzusehen ist, sondern eher als Kitsch, als kleines Weihnachtsgeschenk, als eine Alternative zum bisherigen Material, als ein künstliches Marketing-Produkt um im Gespräch zu bleiben und den Laden am laufen zu halten. Böse betrachtet, als treuer Fan, der sich zuvor jeweils die teureren Produkte mit den Bonus-Tracks besorgt hat, könnte man das Album auch als plumpe Abzocke werten und daraus resultierend nur 1 oder 2 Sterne vergeben. Tatsächlich brauchen dieses halbgare Album, mit diesem abstrusen Song-Mix unterschiedlichster Musik-Stile bunt zusammengewürfelt, nur die Wenigsten. Für mich persönlich ist Unplugged and Strung up leider, gerade wegen dieses überflüssigen faden stimmungslosen seichten Unplugged/Akustik-Krams und weil ich das meiste Material schon besitze, auch nur 2 Sterne wert. Dafür, dass Saxon sich schon mindestens seit 2008 mit dieser Idee beschäftigen und genügend Zeit zur Verfügung stand diese Idee auch ordentlich auszuarbeiten und umzusetzen, ist das Ergebnis doch sehr dürftig und ernüchternd ausgefallen.
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Kommentare


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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 04.02.2014 14:20:18 GMT+01:00
Thorsten meint:
gute Rezi! aber Acoustik oder akustisch hat nix mit Akkus (Batterien) zu tun! :-)
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