Kundenrezension

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Sie konnten zusammen nicht kommen..., 27. Februar 2012
Rezension bezieht sich auf: Katzenmenschen - Arthaus Collection Klassiker (DVD)
...die Gräben waren viel zu tief - aber nicht tief genug, dass nicht ein Panther drüberspringen könnte?

Unterdrückte Sexualität (man möge mir daher den etwas billigen Gag in der Überschrift verzeihen) wecken das Tier in der Frau, nur mühsam kaschiert hinter einer Legende aus dem serbischen Heimatdorf Irenas (Sinome Simon, von der Lars-Olav Beier zu Recht schreibt: Sie tritt nicht auf, sie erscheint). In dunklen Kostümen mit wunderschönen Broschen eine aufregende Mischung aus elegant und wildromantisch, verfällt ihr der etwas biedere Amerikaner Oliver (Kent Smith). Die beiden heiraten - und "leben" (haha!) doch nicht zusammen, denn davor hat Irena Angst. "Ein kleines Blickgeplänkel sei erlaubt Dir / Doch denke immer: Achtung vor dem Raubtier!" Marlene Dietrichs Zeilen werden zur Wirklichkeit. Der Film hat zwar ein so geringes Budget, dass er mit wenigen Schauplätzen, wenigen Darstellern, geringer Länge, mies getrickstem Kunstschnee und ohne Special Effects auskommen muss. Dies alles kompensiert er aber mit einer ansprechenden psychosexuellen Geschichte und kongenialer Gestaltung in Schnitt, Akustik, Dekor, Licht und Schatten, Kostümen. Das unruhige Gekreische der Vögel in einer Tierhandlung schwillt zu einem ohrenbetäubenden Lärm an, wenn Irena das Geschäft betritt. Das Klackern von High Heels geht in die Stille von Samtpfoten über, Spuren im Schlamm zeigen die Metamorphose, Schuss-Gegenschuss suggerieren geschickt Kämpfe auf Leben und Tod mit einem echten Panther. Menschen sind im Schatten oder Halbschatten, erscheinen wie scheinbar zufällig als Tiere in von Schatten geformten Käfigen, eine Klinge ist so phallisch wie ein Schwert einer Statue. Der Blick des Psychiaters Louis (Tom Conway) auf Irena ist lüstern, ihr Gesicht unter Hypnose nur von einem Punktlicht angestrahlt, dass nur das Zentrum des Gesichts hell erleuchtet zu sehen ist, Ausziehen und Sezieren mit Blicken à la Expressionismuskino der 1920er Jahre (diesem scheint auch eine alptraumhafte Zeichentricksequenz verhaftet zu sein). Dies alles ist stimmig, aber auch neuartig für den B-Film der frühen 1940er Jahre, und dies gibt mir Anlaß, ein klein wenig über die Serie zu erzählen, in der "Cat People" entstanden ist. Der russische Produzent Val Lewton hatte in der B-Abteilung von RKO die Aufgabe, kurze, kostengünstige Horrorfilme herzustellen. Er erwies sich als Riesentalent und kreativer Geist, ganz entgegen dem Klischee, dass die Produzenten der Tod der kreativen Regisseure seien. Der Lewton-Zyklus setzte Maßstäbe im Genre und bat dem arrivierten Regisseur Jacques Tourneur (verantwortlich für den vorliegenden Film) sowie den Regie-Neulingen Robert Wise und Mark Robson die Gelegenheit, sich unter Bedingungen zu profilieren, die nicht Riesenhits forderten - die Bedingungen des B-Films als Chance, nicht als Korsett. "Cat People" gilt zu Recht als herausragender Beitrag der Reihe.

Was hat der Film desweiteren zu bieten? Auffällig ist, dass er ganz den Frauen gehört, der rätselhaften Irena sowie der patenten Alice (Jane Randolph). Alice liebt ihren Arbeitskollegen Oliver und fällt gar nicht mal sonderlich gegenüber der in ihrer Abgründigkeit natürlich ungemein interessanten Irena ab. Alices Gradlinigkeit wirkt glaubhaft und hat wahre Größe, da sie von einem tiefen, aufrichtigen Verständnis im wahrsten Sinne des Wortes geprägt ist. "Liebe, das heißt einander verstehen", so einfach und doch so wahr und wichtig; hier wird "Cat People" neben vielem anderen zu einem bewegenden, authentischen Liebesfilm jenseits aller verlogenen Beschwörungen des Gefühls der Gefühle. Damit ist natürlich das Schicksal von Irena und Oliver besiegelt, die einander nie erkennen, äh, verstehen können; die sich zwar anziehen, aber nicht ausziehen. Indes wird ihnen mit Alice und Oliver auch nicht gerade das Idealpaar entgegengesetzt, denn die Identifikationsmöglichkeiten, die Alice dem Zuschauer gibt, denen kann Oliver nicht entsprechen. Reichlich stieselig gibt er einmal seiner Gattin Irena zu verstehen, dass er mit seiner besten Freundin Alice gerne einmal allein sei - ja merkt er denn nicht, dass diese ihn liebt und dass Irena dies längst wissen muss und ihre Kränkung in besagtem Moment absolut verständlich ist? Reichlich unsensibel wird er später Irena gestehen, dass er Alice liebt und die Scheidung will. Ob Alice mit so einem glücklich werden kann, lassen wir einmal dahingestellt.

Vielleicht ist diese Rollengestaltung als Elefant im Porzellanladen ja tatsächlich gewollt und findet ihre dunkle, dämonische Entsprechung in Louis, dem Psychiater, der Irena schlicht und einfach "will". Glücklicherweise fährt der Film nicht auf der im Psychogenre verbreiteten Schiene, nach der die gestörte Frau bloß mal "nen Kerl braucht". Nein, obwohl die düsteren Figuren Louis und Irena einander genauso nahe sind wie die Lichtgestalten Oliver und Alice, gibt es bei Ersteren keine Erlösung, soviel kann verraten werden. Und Louis ist, anders als Irena (und Alice, aber meines Erachtens parallel zu Oliver), eine eindeutig negativ konnotierte Figur. Das hat auch wieder seinen Reiz: 1942, als Freud in der populären US-Kultur (aber noch nicht im Film) Hochkonjunktur hatte, einen freudianisch arbeitenden Seelenklempner als lüsternen Scharlatan zu zeigen, dessen aus dem Genre hinlänglich bekannte Reden von der Suche nach dem Kindheitserlebnis zu hohlen Phrasen werden - und mit denen er nichts, aber auch gar nichts erklären oder gar heilen kann, bis er aus Gründen der schieren Gei*heit bewusst falsche und sogar höchst gefährliche Ratschläge gibt. Dass "Cat People" somit den Frauen gehört, wirkt keine Sekunde gewollt, sondern fügt sich in diese beunruhigende Geschichte perfekt ein, in der der wahre Horror vielleicht männlich statt tierisch ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen 
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja Nein

[Kommentar hinzufügen]
Kommentar posten
Verwenden Sie zum Einfügen eines Produktlinks dieses Format: [[ASIN:ASIN Produkt-Name]] (Was ist das?)
Amazon wird diesen Namen mit allen Ihren Beiträgen, einschließlich Rezensionen und Diskussion-Postings, anzeigen. (Weitere Informationen)
Name:
Badge:
Dieses Abzeichen wird Ihnen zugeordnet und erscheint zusammen mit Ihrem Namen.
There was an error. Please try again.
">Hier finden Sie die kompletten Richtlinien.

Offizieller Kommentar

Als Vertreter dieses Produkt können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
Der folgende Name und das Abzeichen werden mit diesem Kommentar angezeigt:
Nach dem Anklicken der Schaltfläche "Übermitteln" werden Sie aufgefordert, Ihren öffentlichen Namen zu erstellen, der mit allen Ihren Beiträgen angezeigt wird.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.  Weitere Informationen
Ansonsten können Sie immer noch einen regulären Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen.

Ist dies Ihr Produkt?

Wenn Sie der Autor, Künstler, Hersteller oder ein offizieller Vertreter dieses Produktes sind, können Sie einen offiziellen Kommentar zu dieser Rezension veröffentlichen. Er wird unmittelbar unterhalb der Rezension angezeigt, wo immer diese angezeigt wird.   Weitere Informationen
 
Timeout des Systems

Wir waren konnten nicht überprüfen, ob Sie ein Repräsentant des Produkts sind. Bitte versuchen Sie es später erneut, oder versuchen Sie es jetzt erneut. Ansonsten können Sie einen regulären Kommentar veröffentlichen.

Da Sie zuvor einen offiziellen Kommentar veröffentlicht haben, wird dieser Kommentar im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt. Sie haben auch die Möglichkeit, Ihren offiziellen Kommentar zu bearbeiten.   Weitere Informationen
Die maximale Anzahl offizieller Kommentare wurde veröffentlicht. Dieser Kommentar wird im nachstehenden Kommentarbereich angezeigt.   Weitere Informationen
Eingabe des Log-ins
 

Kommentare


Sortieren: Ältester zuerst | Neuester zuerst
1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 27.02.2012 12:20:16 GMT+01:00
christine meint:
"Das Wasser war viel zu tief.." DAS wäre tiefenpsychologisch NOCH interessanter... Die Toneffekte lassen bei mir auch immer noch eine Gänsehaut entstehen, und dabei bin ich doch gar nicht so furchtsam, lG...
‹ Zurück 1 Weiter ›

Details

Artikel

5.0 von 5 Sternen (5 Kundenrezensionen)
5 Sterne:
 (5)
4 Sterne:    (0)
3 Sterne:    (0)
2 Sterne:    (0)
1 Sterne:    (0)
 
 
 
EUR 8,99
In den Einkaufswagen Auf meinen Wunschzettel
Rezensentin / Rezensent

Tonio Gas
(VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)   

Top-Rezensenten Rang: 1.206