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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Anders und sexy, 6. Februar 2012
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Rezension bezieht sich auf: Affinity (First Album) (Audio CD)
Was war das für ein Jahr - 1970! Eins für mich und eins für die Musik. Und doch am allermeisten für uns beide zusammen. Ich hockte jeden Nachmittag schlag 14.00 Uhr statt an den Hausaufgaben vor dem Nordmende Röhrenradio, war zum Glück ein Schlüsselkind im Einfamilienhaus, so dass Lautstärke keine Rolle spielte und wartete auf die neuesten Neuerscheinungen der Rockbranche. Damals noch ein überschaubares Feld, so dass das Wesentliche in eine tägliche einstündige Sendung passte - Hauptsache King Crimson war dabei und natürlich Tyrannosaurus Rex. Es war die Zeit von In The Wake Of Poseidon und A Beard Of Stars - okay, und die von Black Sabbath.

Für mich war es definitiv nicht die Zeit eines Jimmy Smith, dessen Zeit genaugenommen zu diesem Zeitpunkt eh schon vorbei war, und der jetzt eher Larry Young hieß, das Donnern für die Orgel entdeckt hatte und Lifetime spielte. Selbst die Zeit eines Brian Auger war genaugenommen bereits abgelaufen, zumindest die Jahre des kommerziellen Pop-Erfolgs. Road To Cairo längst Geschichte. Julie Driscoll auf dem Weg in den Free Jazz - interessanterweise mit einem Teil von King Crimson!

Und dann, so circa 14.23 Uhr, Orgelgroove pur, Bläsersätze, eine interessante, auf Jazz gestimmte E-Gitarre, wenn auch keine Blue-Notes, die würden hier nicht passen, vor allem aber die Soul gefärbte weibliche Stimme Linda Hoyle's, so wie die einst verehrte Julie sie auch mal hatte, vor dem Freejazz, nur anders, aber auch eindeutig weiß. Auch Gospel gefärbt. Ein Zusammenspiel aus Soul, Organ-Jazz à la Jimmy Smith, aber weit wuchtiger als der, eingängigem Rock-Pop in Trinity Machart mit Hit-Qualität unter Vermeidung der dann doch eher öden langen Orgelparts Brian Augers. Charmant war das.

Charmant ist das! Auch 42 Jahre danach. Eine pure erotisierende Charme-Offensive in ihrem zentralen Song: Mr. Joy! Das war's. Das musste ich haben, das fiel so sehr aus dem gewohnten früh-70er Rahmen, dass es alleine schon deshalb Klasse und Stil hatte. Und vor allem Sex Appeal - Mr. Joy, he's my favourite toy. Der Rest, All Along The Watchtower, Night Flight etc., war auch nicht zu verachten, doch nichts sonst war wie Mr. Joy! Noch heute erscheint mir der Song nachtblau!

Zu diesem Zeitpunkt kannte ich Gruppen wie Warm Dust noch nicht oder Heaven oder....der musikalische Jazzrockhimmel wurde bis zu diesem Moment von Chicago Transit Authority und Blood Sweat And Tears besetzt. Ich hab das später alles nachgeholt - alle, ausnahmslos. Die da kamen hießen IF oder Rockworkshop. Konnten alles Mögliche gut und noch viel mehr schlecht. Doch nie wieder - bis heute - ging es so zusammen wie bei Affinity, das perfekte Amalgam aus orgelunterlegter Jazzaffinität und stimmbasierter Hitqualität, aus kalkulierter Coolness und samtener Erotik.

PS. Ein Leser der Rezension wies mich darauf hin, dass es da ja noch die acht Bonüsse gibt - stimmt! Die kann man aber gut und gerne vergessen...
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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 02.10.2013 20:35:57 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 03.10.2013 11:52:43 GMT+02:00
basstschon meint:
Vielen Dank für den Tip!
Ich habe mir, auch aufgrund dieser Rezension, die Scheibe zugelegt, sie ist wirklich durchweg großartig! Diese Band ist damals leider völlig an mir vorbei gegangen...
Auch das gecoverte "All along the watchtower" ist erste Sahne, wer da nicht grooved ist schon tot!
Die meisten der 8 Bonus- Tracks auf den Veröffentlichungen der Labels Angel Air und Lilith empfinde ich aber eher als nette Zugabe (Bonus eben...), auch wegen der teilweise etwas abfallenden Tonqualität.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.10.2013 13:40:04 GMT+02:00
Catero meint:
Da geb ich Ihnen Recht: das Zentralwerk ist exakt diese eine Affinity Aufnahme - in jedem einzelnen Track und als abgeschlossenes Gesamtwerk. Alles andere danach, davor oder auch parallel ist leider nur sehr bedingt von Interesse. Das gilt sowohl für die sonstigen Affinity Arbeiten, speziell ihre Instrumentals, vor allem aber auch für die Soloaufnahmen von Linda Hoyle. Doch speziell bei letzteren scheiden sich die Geister....

....m.E.: muss man nicht haben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 04.01.2015 13:15:09 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.01.2015 13:21:24 GMT+01:00
Contraphet meint:
Mir persönlich gefällt das Hoyle'sche Soloalbum Pieces of Me mindestens so gut wie die Affinity-Scheibe. Auf beide bin ich erst Anfang der 90er gestoßen, obwohl ich Anfang der 70er (bin Bj. 58) jede Menge Exoten (SWF 3 - Popshop sei Dank!) gehört habe!
Alleine schon das Nina Simone-Cover "Mr. Backlash" (diese Stimme!) ist das Geld für die Soloplatte wert, finde ich...ergo: MUSS man haben, ich jedenfalls! ;-)

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 06.01.2015 11:57:56 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 06.01.2015 11:58:38 GMT+01:00
mir meint:
http://www.amazon.de/review/R1VLD2US6FWV61/ref=cm_cr_pr_viewpnt#R1VLD2US6FWV61

- soviel dazu!
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