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Die Schnitzeljagd geht weiter ...,
6. Oktober 2004
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die Wahrheit über den Da-Vinci-Code (Taschenbuch)
Dan Browns „Sakrileg" ist ein Roman - eine literarische Erfindung. Was um alles in der Welt bringt dann vernünftige Menschen dazu, neuerdings im Louvre nach versteckten Blutspuren zu suchen, französische Kirchen mit misstrauischen Blicken zu durchwandern und altbekannte Kunstwerke von Leonardo da Vinci neu zu sehen. Die Antwort liegt einfach darin, dass Dan Brown in seinem Religions-Thriller eine abenteuerliche Verschwörungsgeschichte so verpackt hat, als beruhe sie tatsächlich auf Fakten.
Burstein ist nicht angetreten um diesen Glauben zu zerstören. Er lässt die pseudo-historischen Quellen, aus denen Brown Anregungen für seinen Da-Vinci-Code bezieht, unmittelbar zu Wort kommen und zeigt damit die Hintergründe der Spekulationen in sehr umfassender Weise auf. Darüber hinaus konfrontiert er diese teils recht gewagten Konstruktionen mit den Fakten bzw. dem Wissen von Experten aus den jeweiligen Fachgebieten, was dem ganzen Unternehmen den Anstrich einer gewissen Neutralität gibt. Spekulationen auf wackeligem Fundament stehen damit gleichberechtigt neben fundiertem Expertenwissen. Burstein vermeidet es selbst Position zu beziehen und überlässt es dem Leser sich darauf einen Reim zu machen.
Eine gewisse Sympathie für abseitige (vom Mainstream abweichende) Gedankenexperimente kann Burstein dennoch nicht verleugnen. Etwa wenn er meint, dass zwar Browns Interpretation von Leonardos Abendmahl allem widerspricht, was für Kenner von Abendmahlsdarstellungen tatsächlich auf dem Bild zu sehen ist, die Da-Vinci-Code-Spekulation aber auf jeden Fall interessanter sei.
Bursteins Buch bietet zunächst ein buntes Panoptikum von Meinungen, Interviews und Analysen zur frühchristlichen Gnosis, zu antiken Mysterienkulten, zu apokryphen Schriften, zur Figur der Maria Magdalena und ihrer Beziehung zu Jesus und Petrus, zur Rolle der Kirchenväter, zu den Tempelrittern und anderen Geheimgesellschaften, zum Opus Dei und zu historischen Verschwörungstheorien, Geheimcodes und Symbolen. Anschließend werden einige Irrtümer und Schwachstellen von Dan Browns Buch aufgelistet, Buchbesprechungen und Kommentare angeführt und eine Variante zum Weiterspekulieren angeboten. Neben einer Erklärung zu den sprechenden Namen der Personen in Sakrileg finden sich auch noch Angaben zu interessanten Internet-Seiten. Positiv zu erwähnen ist auch das umfassende Glossar.
Alles in allem ein umfassendes Sachbuch zum Thriller, das allerdings einen sehr weit gespannten Wahrheitsbegriff hat.
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