Kundenrezension

467 von 505 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Etikettenschwindel, 9. September 2002
Rezension bezieht sich auf: KulturSchock Indien: Über die Begegnung mit fremden Menschen und ihrer Kultur (Broschiert)
Ich möchte nicht verhehlen, dass mich der Kulturschock schon beim Lesen des Büchleins von Rainer Krack überkam. Da ich mich mit dieser Einschätzung nicht im Fahrwasser seiner überschwänglichen Fangemeinde befinde, möchte ich das etwas ausführlicher begründen. Allein auf den ersten 35 Seiten bedient Krack unzählige eurozentrische Vorurteile, die so ein Buch eigentlich überwinden helfen soll: Beispiele?: "Die Religion durchdringt jeden Aspekt indischen Lebens" (S. 11) "Der (sic!) Inder begreift jedes Naturereignis...als Ausdruck des Willen Gottes" (:11). „Allzu leicht werden augenblickliche Zustände den Folgen früherer Leben angelastet...Man ergibt sich dem Fatalismus. Diese Haltung hat den Inder...." (:12). Kapitel-Titel: Der Aberglaube: „Logischerweise ist der Aberglaube sehr eng mit dem Bildungsgrad der Bevölkerung verknüpft, und daher ist der Dorfbewohner viel anfälliger für magische Riten als ein Stadtmensch" (:18) .. Der indische Stadtmensch ist der Magie selbstverständlicherweise weit weniger zugetan als der Dörfler... (:21) „Noch heute hegen die Inder einen ausgeprägten Farbenkomplex ... Der Anblick eines schwarzen Gesichts erfüllt ihn (den Inder!, ms) mit extremem Unbehagen" (:24).Die Großfamilie gibt Geborgenheit von der Wiege bis zum Scheiterhaufen" (:32) „...haben Psychologen herausgefunden , daß es eine überdurchschnittliche Rate von Impotenz unter Männern gibt, die in engsten Behausungen von Großfamilien wohnen. Die Raumnot wird zum quälenden Liebestöter...: Mehr als 5 Minuten sollten es (für den Liebesakt, ms) nicht sein, denn der Opa hat ja so einen leichten Schlaf, und Oma schläft eh den ganzen Tag und kriegt nachts dafür kein Auge zu..."(:34). Die Großfamilie macht den Inder zeitlebens zu einem ‚Herdentier', das sich immer nach der Wärme einer ihn aufsaugenden Gruppe sehnt. Anders als der Westmensch blüht er im Gruppenverband auf... (:35).
Als wäre das nicht genug, zieren Zitate des Abbé Dubois die meisten Kapitel. Dessen Buch führt Krack als "eine Art Kulturschock-Band des frühen 19. Jahrhunderts" ein, seine teilweise kulturfeindlichen Aussprüche lässt er unkommentiert stehen. Dadurch werden Vorurteile nicht hinterfragt sondern bestenfalls zementiert. Auch eingestreute reißerische Zeitungsausrisse (Motto: "Ritualmöder verhaftet", "Priesterin trank Kinderblut", "Mutter mit Axt erschlagen um Göttin zu besänftigen", alles auf Seite 20) werden ausschließlich mit der Bemerkung kommentiert: "Indien ist ein Land, in dem das 'Moderne' unlösbar mit der Tradition - in diesem Falle dem Aberglauben - verschmolzen ist" (:21). Das grenzt an Rassismus. Zu Sex, "dem großen Tabu" (:45) fällt dem Indienkenner unter anderem folgendes ein: "Der junge Inder weiß zunächst einmal nichts" (vom Sex, ms)..... der Inder fürchtet permanent um seine Lebenskraft.." - und er bekräftigt seine Pauschalierungen mit "beliebig herausgegriffenen" (sic!: 47) Annoncen aus einem hindi-sprachigen Magazin.
Fazit: Das Buch ist eins der best platzierten bei Amazon zu Indien. Es ist auch eins der schlechtesten. Es gibt nicht den Inder (als Kategorie), so wie es nicht den Deutschen gibt. Ersetzen Sie einmal alle pauschalierenden und generalisierenden Zitate in diesem Buch über "den" Inder durch "den Deutschen", und stellen Sie sich vor, ein Inder würde so über uns Deutsche schreiben. Inder sind keine Herdentiere, auch nicht, wenn man sie in Gänsefüßchen setzt, der Inder an sich (als "Rassenmitglied", als "Vertreter einer Nation"...?) hat keinen "Farben-Komplex". Der indische Dorfbewohner ist nicht qua Kategorie abergläubischer als der Stadtbewohner, abgesehen davon, dass Aberglaube eine herabwürdigende Aussage von Vertretern christlich-westlicher Kultur darstellt. Das Buch mag gut gemeint sein, aber manchmal ist das Gegenteil von gut eben gut gemeint. Dass hinter dem Autor ein Indologe steckt, der Hindi spricht, angeblich unerforschte Adivasisprachen studiert und auf über 20 Jahre Indienerfahrung zurückblickt, ist nach Lektüre des Buches kaum zu glauben, zumindest aber nicht zu fassen.
Das Buch thematisiert und reflektiert - im Gegensatz zu der englischsprachigen cultureShock-Reihe, die dem Thema teilweise ein ganzes Kapitel widmet - explizit überhaupt nicht den "Kulturschock" (weder die reichhaltige Theorie dazu, noch die Praxis). Es gibt keinerlei praxistaugliche Hinweise vom Umgang und der Verarbeitung von Kulturschockerfahrungen, bzw. wie man sich auf sie vorbereiten könnte. Das Buch handelt nicht vom Kulturschock Indien, es ist einer. Es betreibt Etikettenschwindel und ist für alle, die sich um einen Dialog der Kulturen bemühen kontraproduktiv, weil es kulturelle Vorurteile, Ethnozentrismen und Exotismen bedient, anstatt sie zu hinterfragen oder gar aufzulösen.
Das es auch ganz anders geht, beweisen Sie z.B. in dem hervorragenden Vietnam Buch von Monika Heyder, das von der ersten Seite an kultursensibel und differenziert vorgeht (z.B. bzgl. des Problem des westlichen Alternativ-Denkens und westlicher Kategorien).
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-10 von 14 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 20.06.2008 22:13:59 GMT+02:00
Simone B. meint:
Ein sehr sinnvoller Beitrag. Jene, die solche Bücher genießen baden dabei nur in einem ethnozentrischen Überlegenheitsgefühl. Der Begriff "der Inder" ist schon sehr witzig, wenn man bedenkt, dass man in Indien 21 Staatssprachen und jede Art von geologischen und klimatischen Bedingungen vorfindet. Da noch anzunehmen, dass es "den Inder" gibt, kann man nur als ignorant bezeichnen.

Veröffentlicht am 27.11.2008 02:08:10 GMT+01:00
A.S. meint:
Vielen Dank für diese äußerst hilfreiche Rezension! Ich stimme Ihnen in allen Punkten zu!

Veröffentlicht am 10.09.2009 10:23:10 GMT+02:00
J. Hombach meint:
GANZ GENAU! Als Indologin lief es mir bei der Lektüre kalt den Rücken herunter! Unglaublich, was publiziert und dann auch noch so gut verkauft wird. Das Buch ist tatsächlich ein völlig unqualifizierter Beitrag, der lediglich der Verstärkung von Stereotypen dient.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 19.10.2009 18:51:15 GMT+02:00
Tom Hensel meint:
vielen dank fuer ihren beitrag; die empfehlung einer oder mehrerer alternativen zu diesem machwerk wuerde mich freuen.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 22.05.2010 11:37:19 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 22.05.2010 11:43:43 GMT+02:00
Jan meint:
Sicherlich ist es angebracht, darauf aufmerksam zu machen, dass kulturelle Essentialismen nicht (wissenschaftlich und auch sonstwie) korrekt sind. Und ja, es sind gerade diese Konstruktionen von Differenz, die den Boden bereiten für alle unschönen Formen des Kulturalismus, denen wir emanzipierten globalisierten Intellektuellen ja ach so kritisch gegenüber stehen müssen.

Aber was hilft das, wenn ich in Indien mit genau diesen Vorurteilen umgehen muss: Wenn mir mein Vermieter zum Beispiel verbietet Damenbesuch zu empfangen, und der Streit darüber einen ganzen Skandal in der Nachbarschaft auslöst. Wenn die Alltagskommunikation scheitert, in der die Eurozentrismus Debatte, by the way, meist nur nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Und eben immer nur als Meta-Ebene über mir schwebt.

Sicherlich kann man im Universitären Umfeld (z.B. in Pune oder Madras) versuchen, die Diskurs-Formationen, und das eigene eingebunden sein in Macht-, koloniale Strukturen, Eigen- und Fremd-Verständnis, zu reflektieren. Aber selbst hier formiert sich die menschliche Interaktion entlang kulturellen Codes, die für einen, sagen wir mal in Frankfurt/Main sozialisierten, mittelständischen deutschen Lehramtsstudenten, zunächst schwer zu verstehen sind. Und trotzdem läuft er mit seinem Rucksack auf dem Main Bazar in Delhi rum, und trinkt einen Chai in Rishikesh, und hängt am Beach in Goa rum... so what.

Der durchschnittliche Indienreisende, der sich in Frankfurt in den Flieger setzt, hat zumeist die Klassiker der Kulturtheorie nicht gelesen. Und der Taxifahrer am Flughafen in Delhi vermutlich auch nicht. Und wie kommen wir hier weiter?

Sicherlich ist die angeführte Kritik am Buch berechtigt. Allerdings geht sie im Hinblick auf den Personenkreis der Rezipienten am eigentlichen Problem vorbei. Und mir ist es ehrlich gesagt lieber, man setzt sich mit einigen der im Buch aufgeworfenen Fragen auseinander, als dass man sich im Blindflug von German Bakery zu German Bakery hangelt ohne nur in etwa zu verstehen, was eingentlich um einen herum passiert.

Und nochmal: Wie kommen wir auf der individuellen Ebene der Interaktion aus diesen kulturessentialistischen Konfigurationen raus? Vielleicht in dem wir zunächst einige der in dem Buch postulierten "Stereotypen" genauer betrachten.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 18.08.2011 13:45:38 GMT+02:00
D. Yunus meint:
Hallo zusammen,

ich habe ihre Beiträge mit großem Interesse gelesen und vertraue auf ihre Meinung. Ich möchte mich gerne auf meine anstehende Indienreise vorbereiten. Können sie mir eventuell andere Bücher empfehlen?
Vielen Dank im Voraus

Veröffentlicht am 14.01.2012 22:48:37 GMT+01:00
[Vom Autor gelöscht am 14.01.2012 22:49:18 GMT+01:00]

Veröffentlicht am 27.03.2012 12:48:39 GMT+02:00
JB meint:
Eine aeusserst dumme Rezension, die vom primitiven Denken der "politcal correctness" durchdrungen ist. Natuerlich treffen Verallgemeinerungen nicht auf jedes Individuum zu. Man kann aber nicht ueber ein Land schreiben ohne auf solche zurueckzugreifen. Ich habe eineinhalb Jahre in Indien studiert (University of Delhi) und gearbeitet (Bombay), bin durch Doerfer gereist (Gujarat, Jharkhand, Rajasthan, Madhya Pradesh, Kerala) und habe Menschen aus allen Bildungs- und Sozialschichten getroffen. Viele sind meine Freunde geworden. Diesen Kommentar schriebe ich gerade aus Bombay (Mumbai).

Das Meiste, was Rainer Krack schreibt, kann ich vorbehaltlos unterschreiben.

Nur ein Beipiel: selbst mein Professor (Familienrecht) an der Uni konsultierte einen Astrologen um die Hochzeit seiner Tochter absegnen zu lassen. Ich kenne keine Indische Familie die es anders gemacht haette. ( Natuerlich variiert der Glaube an Astrologie stark, meist, aber bei Weitem nicht immer in Abhaengigkeit vom Bildungsgrad, hingehen tut aber praktisch jeder.)

Zu den Zeitungsauszuegen von Krack kann ich zahllose aus eigener Sammlung zitieren, die in die gleiche Kerbe schlagen.

Die boesen Kommentare der vorliegenden Rezension kann ich nur darauf zurueckfuehren, dass der Autor entweder noch nie in Indien war oder nur Kontakt zur gut situierten, hoch gebildeten Oberschicht hatte. Auf diese treffen Kracks Beobachtungen teiweise nicht teilweise aber immer noch zu. Im Verhaeltnis zur Gesmtbevoelkerung macht diese Oberschicht, die geschaeftlich oder privat in den Westen reisen kann und westliche Kultur angenommen hat, jedoch nur einen Bruchteil von hoechstens 10-20 Prozent aus.

Also, wer wissen will, wie Indien auf die meisten Auslaender wirkt sollte dringend Kracks Buch lesen. Freilich sollte man jedem Menschen in Indien nach wie vor vorurteilsfrei und offen entgegentreten und nicht annehmen, dass jeder Inder ALLE der von Krack beschriebene Eigenschaften des "Inders" in voller Auspraegung aufweist. Fuer einen intelligenten Menschen duerfte dies aber selbstverstaendlich sein.

Veröffentlicht am 06.05.2012 12:50:09 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 10.05.2012 05:30:55 GMT+02:00
RK meint:
Da hier nun schon seit einigen Jahre Kommentare hinzugefügt werden, ist es vielleicht an der Zeit, dass sich der Autor selbst zu Wort meldet.

Bevor der Rezensent "schoenhu" seine Kritik hier hineinstellte, schrieb er mir einen Brief, in dem er mich auf beinahe drohende Weise aufforderte, gewisse Stellen im Buch zu ändern oder hinauszunehmen. Nach eigenem Eingeständnis war "schoehu" bis dahin noch nie in Indien gewesen, plante allerdings eine Reise - wenn ich mich recht entsinne - im Zuge eines Uni-Projektes. Ich denke, es gehört schon einige Dreistigkeit dazu, einen Autor aufzufordern ein Buch zu ändern, und dann noch, wenn man nach eigenem Eingeständnis nicht einmal Ahnung von der Thematik hat. Ich habe "schoenhu" höflich zurückgeschrieben, mit der Bitte, er möge sich doch vielleicht noch mal melden, NACHDEM er in Indien gewesen war. Natürlich habe ich nie wieder von ihm gehört.

Als Reisebuchautor erlebt man es des öfteren, dass Leser, die entweder noch nie in einem bestimmten Lande waren, oder vielleicht nur zwei Wochen, die einem dann schreiben, dass das Land "so" doch gar nicht ist oder nicht sein kann. Ich frage mich, warum diese Leute bei ihrer offensichtlich genialen Auffassungsgabe nicht selber Bücher schreiben.

Zu der "Indologin" J. Hombach, die sie oben äußert: Das Problem mit den meisten Indologen ist, dass sie Indien nur aus den alten Schriften kennen, nicht aber das tatsächliche alltägliche Leben im Lande. Sie schöpfen sozusagen die Sahne ab, den Satz am Boden bekommen sie nicht mit. Das Nie-in-Indien-gewesen-sein unter Indologen hat Tradition: Selbst der bekannte deutsche Indologe Max Mueller - in Indien groß gefeiert - war niemals in Indien. An meiner Uni hatte ich einen Sanskrit-Professor, der ebenfalls nie einen Fuß in Indien aufsetzte - Begründung: "das heutige Indien ist eh nicht mehr so wie damals". Meine Frage also an Frau Hombach: Wie viele Jahre haben SIE in Indien verbracht? Sind Sie das ganze Land jahrelang auf- und abgefahren so wie ich? Ich glaube kaum.

Anstelle von Sachkenntnis von den tatsächlichen Verhältnissen im Lande setzen viele Leute oft schlichtweg die "rosa Brille" auf. Das Konzept des "edlen Wilden", das in manchen Köpfen herumgeistert, wird auf alle möglichen fremden Kulturen übertragen, und das "exotische" Indien eignet sich ganz besonders dazu, seinen romantischen Fantasien freien Lauf zu lassen. Die Romantisierung Indiens in Europa kann man bis zu den alten Griechen zurückverfolgen. Bei uns setzten Leute wie Goethe und Hesse die Tradition fort.

Für mich persönlich ist Indien eine Passion; es gibt kein Land, das ich lieber bereise oder erforsche. Wenn das im Buch nicht unbedingt herauskommt, so zeugt das, so denke ich, eher von Objektivität; denn, bei aller Liebe, so gibt es auch in Indien vieles, das verbesserungswürdig ist. Aber: In Gesprächen mit Indern erlebe ich immer wieder, dass meine eigene Sichtweise von Indien viel positiver ist als die ihre. Die rosarote Brille hat keiner von ihnen auf - die gehört ins Gepäck von oberflächlichen Touristen. Ich denke, dass "Kulturschock Indien" den Blick dafür schärft wie in Indien wirklich "tickt", und es erspart dem Leser vielleicht viele Jahre an eigener Reiseerfahrung.

Rainer Krack, z.Zt. Mumbai

Veröffentlicht am 10.08.2012 15:14:07 GMT+02:00
[Die meisten Kunden meinen, dass dieser Beitrag nicht zur Diskussion gehört. Beitrag dennoch anzeigen. Alle nicht nützlichen Einträge anzeigen.]
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