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"Ich habe alles im Griff!",
21. Januar 2012
Rezension bezieht sich auf: Der Name der Leute (DVD)
Na ja...wenn das jemand behauptet, der aus lauter Zerstreutheit gerade nackt im Einkaufsmarkt steht, dann ist das so eine Sache. Bahia(Sara Forestier) stört das wenig, wie fast alles in ihrem Leben. Die Tochter algerischer Auswanderer ist sehr speziell. Sie sieht ihren Körper als Massenvernichtungswaffe gegen Rechts und sich selbst als politische Hure. Will heißen: Sie versucht durch den Einsatz von Sex aus Faschisten liebe nette Linkswähler zu machen. Als sie jetzt den Biologen Arthur(Jaques Gamblin) kennenlernt, ist irgendwie alles anders. Arthur ist nicht rechts. Vor allem aber sind die Lebensentwürfe von Arthur und Bahia komplett unterschiedlich. Die beiden könnten aus verschiedenen Galaxien stammen und scheinen doch füreinander bestimmt. Arthurs Vater ist ein Kernforscher und seine Mutter kommt über ihre jüdische Vergangenheit nicht hinweg. Arthur selbst ist Biologe und ein rechter Langweiler. Da ist natürlich das komplette Chaos beim Aufeinandertreffen von Bahias und Arthurs Familie vorgeplant. Aber irgendwie müssen die beiden das hinkriegen. Wie? Das sollten sie sich vielleicht anschauen...
Michel Leclercs Film -Der Name der Leute- ist in der ersten halben Stunde das beste Stück Kino, dass ich seit langem gesehen habe. Im Stil von Amelies fabelhafter Welt überrollt Leclerc den Zuschauer mit atemberaubenden Einstellungen. Egal, ob das die Hauptdarsteller sind, die uns per Bildschirmansprache in ihr Leben einführen oder mit sich selbst kommunizieren, allerdings im Kontakt mit ihrem jüngeren Ego. Leclerc taucht uns tief in die Vergangenheit von Bahia und Arthur hinein. Das gelingt ihm auf magisch schöne Weise. Im kreativen Spiel mit Zeit und Raum, einigen schwarzweiß Rückblenden und einer lebensfrohen, herrlichen Musik stimmt da jedes einzelne Bild.
Danach verliert -Der Name der Leute- ein wenig den Schwung und sattelt um in eine Liebesgeschichte zwischen Bahia und Arthur. Die ist ebenfalls gut, aber wer den fulminanten Anfang noch im Kopf hat, der weiß: Hier wäre noch mehr drin gewesen!
Es sind natürlich auch die Schauspieler, die den Film so einzigartig machen. Wie die junge Sara Forestier dem alternden Jaques Gamblin den Kopf verdreht, dass ist eine Affäre der besonderen Art. Gamblins Schauspiel, vor allem im Zusammenspiel mit seinen "Filmeltern"(Jaques Boudet/Michele Moretti) ist ebenfalls perfekt gelungen. Auch die Nebenrollen, z.B. von Bahias Eltern(Zinedine Soualem/Carole Franck) sprühen vor Witz und Lebenskraft.
Alles in allem ist -Der Name der Leute- ein besonderer Film. Die verspielte Geschichte einer großen Liebe, die vom Schicksal eigentlich so nicht geplant sein konnte. Michel Leclerc hat die Story herzerwärmend gut auf die Filmrolle gebannt. Die Kamera wird von leichter Hand geführt und die Zeit vergeht im Nu. Wenn Bahia dann noch in ihrem zu großen Shirt und den rosa Lederstiefeln über die Leinwand stapft, dann ist es um die Herzen der (männlichen)Zuschauer ohnehin geschehen. Die wirklich guten Dialoge im Stil eines Woody Allen Films gibt es als Bonus noch dazu.
Ich hätte dem Film allerdings "nur" 4,5 Sterne gegeben, wäre das möglich gewesen. Denn: Leclerc hat hier große Kinokunst geschaffen. Das zeigt er vor allem am Beginn. Dieses Niveau hält er aber, meiner Ansicht nach, nicht ganz. Doch vielleicht ist das auch so geplant gewesen; damit die Zuschauer vor der Leinwand nicht komplett durchdrehen. In jedem Fall gibt es für -Der Name der Leute- von mir die Empfehlung zum Anschauen.
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