Kundenrezension

24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Rückkehr zur Relevanz, 29. September 2013
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Rezension bezieht sich auf: Between Dog and Wolf (Audio CD)
1989. Es gibt die DDR noch, im Fernsehen hat man die Wahl zwischen drei Kanälen, ans Internet ist noch nicht zu denken, und auf beiden Seiten der Mauer werden bescheuerte Brillen und Frisuren getragen. 24 Jahre ist das her. Das nur zur Verdeutlichung, wie lange es her ist, dass New Model Army auf ihrem künstlerischen Zenit waren, den das Album "Thunder and Consolation" markierte. Natürlich blieb die Band auch mit den nachfolgenden Alben toll. Aber sie baute schleichend ab. Und während es in meiner Adoleszenz bis ca. 1998 (mit dem letzten wirklich tollen Album "Strange Brotherhood") keine wichtigere Band in meinem Leben gab, erlahmte auch mein Interesse nach der "... and nobody else"-Tour allmählich.
New Model Army machten halt so weiter, trotz Umbesetzungen und Todesfällen. Zum letzten Album "Today is a good day" schrieb die VISIONS, dass es Zeit wäre, aufzuhören, bevor man noch vor Blutarmut von der Bühne kippe. Hätte ich mich noch für die Band interessiert, hätte ich wohl zugestimmt.

Und nun das: "Between Dog and Wolf" erscheint mit ungewöhnlich viel Vorschusslorbeeren und Medieninteresse, selbst beim Jugendsender FluxFM ist Justin Sullivan zu Gast und kann schon mal stolz wie Bolle berichten, dass die Band bei diesem Album ihre Herangehensweise geändert hätte. Von einer Abkehr vom Fünf-Leute-in-einem-Raum-spielen-ihren-Stiefel-Prinzip, von vielfach geschichteten Drums, reduzierten Gitarren und von einem fantastischen Mix, den Joe Barresi besorgt hat (Produzent und Engineer von u.a. Tool, Kyuss, Soundgarden, Queens Of The Stone Age und hastenichtgesehen). Und wer Justin Sullivan kennt, weiß, dass das eine ziemlich ehrliche Haut ist und der Aufschneiderei grundsätzlich unverdächtig.

"Between Dog and Wolf" löst alle Versprechen ein. Schon allein der Sound ist der beste, den die Band je hatte (nicht, dass der jemals schlecht gewesen wäre). Aber vor allem hat die Band ihre stärksten Songs seit der Jahrtausendwende aufgenommen.

Der Opener "Horsemen" baut sich bedrohlich über Tribal-Getrommel und Chorstimmen auf und braucht auch nicht viel mehr Zutaten, um viereinhalb Minuten zu fesseln. Und wir erinnern uns: Auch ihr Meisterwerk von 1989 begann mit einer apokalyptischen Vision. Nach dem zugänglicheren und konventionelleren "March in September", bei dem die NMA-Trademark-Doublebass ein paar Akzente setzt, folgt mit "Seven Times" ein weiteres Highlight, das von rasantem Tribal-Getrommel getragen wird, auf das auch Sepultura stolz gewesen wären. Im fast siebenminütigen "Qasr-El-Nil Bridge" kommen die Ethno-Einflüsse, die hier immer wieder hörbar sind, besonders stark zum Tragen – man erinnere sich, dass Sullivan ein passionierter Reisender ist. Manchmal schalten NMA auch einen Gang zurück, wie etwa in den ruhigeren Stücken wie "Knievel" oder "Summer Moors", aber auch in diesen Stücken büßen sie nichts an Spannung ein.

Hits fürs Lagerfeuer vom Schlage "Green and Grey", "Vagabonds" oder "51st State" hat dieses Album weiterhin nicht zu bieten. Doch dafür klingt die Band durchgehend so dringlich, fordernd und engagiert wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Stücke wollen erarbeitet werden, sie fordern mehrmaliges intensives Zuhören und belohnen das auch.
Kurz vor der Bedeutungslosigkeit vollziehen New Model Army eine erstaunliche Rückkehr hin zu einer Band, die noch etwas zu sagen hat. Textlich war das ja immer der Fall. Schön, dass sie das mal wieder in packende Musik gießen können.
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 07.10.2013 21:56:28 GMT+02:00
Eiledon meint:
Treffende Rezension bezüglich der Brillanz des neuen Albums, der ich mich allerdings in einem Punkt nicht anschliessen kann: Die Alben nach "Strange Brotherhood" sind nicht einfach immer langweiliger geworden. "Eight" enttäuschte mich zu Beginn ziemlich, hat sich über die Jahre aber zu einem Langzeitbrenner entwickelt. Zwar nicht aus einem Guss und ab und an ins Mittelmass abdriftend, aber gleichzeitig auch einigen absoluten Highlights (z. B. "You Weren't There", "Someone Like Jesus" oder "Orange Tree Roads"). Dann kommen mit "Carnival" und "High" die beiden für mich schwächsten Werke der Army, aber selbst die haben einige sehr gute Stücke (vor allem "Red Earth" gehört zu meinen Allzeitfavoriten). Die Meinung der VISIONS zu "Today Is A Good Day", dass man aufhören soll, bevor man vor Blutarmut von der Bühne kippt, finde ich absolut schwachsinnig. Erstens waren gerade von mir in letzter Zeit der Army besuchten Live-Auftritte (30-Jahre-Jubiläumstour, akustische Shows des Duos Sullivan & White) energiegeladen und inspirierend wie seit Jahren nicht mehr und vor allem auch das kritisierte Album ist alles andere als blutleer, viel besser als seine zwei Vorgänger. Mir gefällt das neuste Werk zwar einen Tick besser, aber vier Sterne sind für "Today Is A Good Day" auf jeden Fall angebracht ...und natürlich fünf für dieses neue Meisterwerk.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.10.2013 13:31:34 GMT+02:00
Jenson meint:
Dem ist wenig hinzuzufügen, gerade was die von einer gewissen Voreingenommenheit zeugende Visions-Rezension angeht! Es ist schon erstaunlich, manche Bands werden dafür kritisiert, dass sie sich selbst treu bleiben, andere für vollzogene Wandlungen. Aber wie man angesichts eines derart deutlich zu spürenden Engagements, einer fast greifbaren Wut von "Blutleere" sprechen kann...

Veröffentlicht am 04.12.2013 02:16:49 GMT+01:00
Zuletzt vom Autor geändert am 04.12.2013 14:06:53 GMT+01:00
Henning E meint:
Hallo R.,
die ständige Mäkelei an Today Is A Good Day kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Da sollte man nicht viel auf das Geschwafel in VISIONS geben. Da pflichte ich Jenson 100 Pro bei. Man sollte auch nicht dauernd Thunder And Consulation zum Vergleich heranziehen. Das war eine absolute Ausnahmeplatte, ein kreativer Höhenflug... Okay, es IST gerade deshalb der Maßstab aller Maßstäbe. Ein zweites, noch besseres Thunder And Consulation schaffen zu wollen wäre die falsche Motivation und letztlich das Ende. Justin Sillivan ist ambitioniert und will etwas aussagen, um nicht zu sagen er hat Sendungsbewusstsein: Die Welt soll besser werden und er will daran mitwirken. Ich hoffe, dass er nie so endgültig frustiert wird und aufhört. Between Dog And Wolf löst bei mir den Gedanken aus: Oh, sein erstes Alterswerk, Manifestiert in dem Stück I Need More Time. Hier wird - so sehe ich es - festgestellt, dass man schon mehr Zeit hinter sich hat, als vor sich und man doch so wenig erreicht hat von dem, was erreicht werden will. Das spricht mir aus der Seele. Never give up!
Zu Qasrel Nil Bridge hingegen finde ich leider absolut keinen Zugang. Vielleicht macht`s ja irgendwann noch Klick. Mein Vinyl-Doppelalbum ist wirklich toll verarbeitet und gestaltet. Leider ist keine CD oder wenigstens ein Free Download-Code beigelgt, so dass ich die Musik nicht im Auto hören kann (weil ich es nicht bei amazon, sondern in meinem Plattenladen gekauft habe).
Ich hoffe wir sehen uns alle am 21. Dezember in Köln.
Gruß
Henning
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