Kundenrezension

25 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Bayerisches Volkstheater, 16. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Der Prinzessinnenmörder (Taschenbuch)
Mit seinem Debütroman schickt uns Andreas Föhr in die oberbayrische Provinz. Zwei junge Mädchen werden kurz hintereinander ermordet aufgefunden, beide tragen ein goldenes Brokatkleid und haben ein Teil einer Plakette im Mund. Zusammengesetzt ergibt das ein Bild eines Berges und eine Zahl. Ob das wohl irgendetwas zu bedeuten hat?

Spannend fängt der Kriminalroman schon an, die Funde der beiden Mädchenleichen und die anschließenden Ermittlungen reißen den Leser schnell in den Bann. Zwischendurch wird noch eine andere Geschichte in Abschnitten immer wieder eingestreut, ein Vater geht mit seiner Stieftochter auf einen Skiausflug, wo es dann zu einer Katastrophe kommt.

Ab der Mitte gerät Föhr allerdings ins fabulieren, unwichtige Begebenheiten werden ausgebreitet, nur um die Charaktere einiger Personen näher zu erklären. Er schweift oft ab, Sätze werden unnötig verschachtelt und man verliert ein bisschen den Lesefluss. Auch die Personen machen es einem nicht immer leicht, bei der Stange zu bleiben.

Da gibt es den Polizeiobermeister Kreuthner, den dumm-dämlichen Dorfpolizisten, der sich ständig mit James Bond verwechselt. Als gutes Beispiel weiß er, dass er mit 4 Halben noch Auto fahren kann ' und die Nachtluft trägt ja auch zum Alkoholabbau bei. Dass er dabei zufällig auf die erste Leiche stößt macht ihn zum Helden und er genießt es, im Mittelpunkt in seiner Stammkneipe zu stehen. Seine Aktionen sind oft spontan und unüberlegt, er hat sogar oft den richtigen Riecher, ist aber dann zu dumm, die richtigen Konsequenzen zu erkennen. An seiner Seite ist der übereifrige Auszubildende, der zwar die nötige Intelligenz besitzt, aber an den Lippen des dumm-dreisten älteren Kollegen hängt und alles für bare Münze nimmt, wie der sich die Welt und die Fahndungserkenntnisse zurechtdreht.

Dann gibt es noch den ständig frierenden Kommissar Wallner und seinen Großvater, der sich immer noch für Casanova hält und sich Sorgen um die Potenz seines Enkels macht. Außerdem gibt es noch diverse verschrobene Nebencharaktere, aber es ist beruhigend zu lesen, dass es auch noch relative normale Leute in der Geschichte gibt.

Spätestens ab der Mitte zeichnet sich das Motiv und der Mörder ab, danach ist auch die Luft etwas raus. Man will eigentlich nur noch wissen, was genau den Mörder zu dieser Tat getrieben hat und ob er noch gestoppt werden kann. Leider zieht sich auch hier das Buch in die Länge, Nebensächlichkeiten werden ausgebreitet und so manches wird ins Lächerliche gezogen.
Durch den bayerischen Dialekt, in dem die Leute teilweise reden, rutscht die Atmosphäre in ein Bauerntheater ab. Man meint, einem Volksstück auf einer Bauernbühne zuzusehen, in dem die normalen Polizisten fast immer die Deppen sind. Dieser geschriebene Dialekt hemmt den Lesefluss und macht es den Nichtbayern unnötig schwer, sich in das Buch zu finden. Als sich die Handlung kurzzeitig ins Ruhrgebiet verlagert, versucht sich der Autor auch noch ins schönste Ruhrpottdeutsch, nur leider nicht passend zur Geschichte.

Der Roman weiß nicht so recht, wo er hin will. Einerseits gerät er durch den selbstherrlichen Dorfpolizisten in eine Komödie, andererseits hat er durch die durchdachten Morde und das Motiv das Zeug zu einem Thriller. Dies wird aber durch eingestreute abstruse Handlungen zunichte gemacht, der bayerische Dialekt, der nicht durchgängig geschrieben wird, da die Ermittler immer mal wieder ins Hochdeutsche wechseln, fördert auch nicht das Thrillergefühl. Ein Lokalkrimi ist es aber allemal, wer Spaß an skurrilen Personen, geschriebenen Dialekten und interessanten Nebensträngen hat, der liegt mit diesem Buch auf jeden Fall richtig.
Das Cover ist sehr gut gewählt, es zeigt ein Marterl, das auch eine Rolle in dem Buch spielt.

Fazit

Lokalkolorit, Dialekt und unverwechselbare Figuren machen diesen Lokalkrimi zu einem stellenweise zweifelhaften Lesevergnügen. Nichtbayern wird es teilweise schwer fallen, dem Gespräch zu folgen, der Wechsel von Hochdeutsch in Dialekt ist abrupt und lässt die Charaktere irgendwie anders erscheinen. Oft bestimmen Selbstherrlichkeit und Übermut das Geschehen, aber zum Glück schimmert der durchaus spannende Fall und das auch nicht uninteressante Privatleben des Ermittlers immer wieder durch. Ein umfassender Umgang mit Schuld und Wahnsinn, ein Motiv, das durchaus verständlich ist und die betroffenen Personen nicht gerade von ihrer besten Seite zeigt.
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1-3 von 3 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 17.05.2011 12:26:45 GMT+02:00
Eine sehr gut geschriebene Rezension, die ich las, weil ich heute abend bei einer Lesung dieses Autors sein werde. Bisher kenne ich von ihm nichts und wollte mich hier ein wenig vorbereiten, wenngleich diese Vorgehensweise mir normalerweise missfällt: sich über Kritiken einem Buch zu nähern, kanalisiert von vornherein die eigene Wahrnehmung. Aber in diesem Fall fehlt mir die Zeit, mich unvoreingenommen hinein zu lesen. Bin mal gespannt, wie ich nachher über Ihre Rezi denken werde, und lasse es Sie an dieser Stelle hier wissen.

Veröffentlicht am 02.06.2011 20:20:47 GMT+02:00
So, nun habe ich nicht nur eine - etwas langweilige, wenn ich ehrlich bin - Lesung durch den Autor selbst hinter mir, sondern auch das Buch gelesen...und siehe da: ich stimme zu nahe 100 % mit Ihrer Beurteilung überein. Ich war recht gut unterhalten durch den "Prinzessinnenmörder", manches war mir zu ausgewalzt, insgesamt aber ein gefällig geschriebener Lokalkrimi, bei dem das "Lokalkolorit" weitgehend stimmig ist.
Hat mir gut genug gefallen für eine Bewertung von drei bis vier Punkten. Und danke noch mal Ihnen, denn Ihr Rezi-Stil erscheint mir "vorbildlich".

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 12.06.2011 21:18:53 GMT+02:00
Dankeschön *einbisschenrotwerd*
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