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Kundenrezension

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4.0 von 5 Sternen Von wegen Historien-Schinken?, 6. Dezember 2012
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Rezension bezieht sich auf: Das Leben gehört den Liebenden (Taschenbuch)
Irving Stone schrieb voluminöse Dramen um historische Persönlichkeiten quasi in Serie. Unter anderem Lincoln, Michelangelo, Freud, Schliemann und Darwin zählten zu seinen Titelfiguren, bevor 1967 "Das Leben gehört den Liebenden" (Those Who Love) herauskam. Damals befand sich der 1903 geborene* Autor folglich in seiner klassischen Lebensphase, auf dem Höhepunkt seines Könnens. Irving Stone starb 1989.

So ein Buch kann einen durchs Leben begleiten - die fast unendliche Geschichte über die mit 680 Seiten rekordverdächtig lange Ehe von Abigail und John habe ich kurz vor dem Abitur von meiner Schule geschenkt erhalten und über die Jahre mehrfach gelesen.

Es geht um den 1735 geborenen John Adams, der erster Vizepräsident und zweiter Präsident der Vereinigten Staaten wurde, nachdem er als Anwalt in Boston druckvoll an der Vorbereitung und Durchführung der Sezession beteiligt war. Er hat maßgeblich die Unabhängigkeitserklärung mit entwickelt, auch wenn diese letztlich von Thomas Jefferson geschrieben wurde. Mit einigen Streichungen wurde auch die Gestaltung der US-Regierung nach den Entwürfen seiner "Kampfschriften" vorgenommen. Als Verfassungsrechtler schon seinerzeit gerühmt, genoss er als Präsident gerade wegen seines feinen Rechtsempfindens weniger Unterstützung und wurde nicht wieder gewählt. Er starb am 50. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung, am 4. Juli 1826 - bekanntlich wurden erstaunlich viele früher durchaus älter als heute.

Wie's ausgeht, weiß man also von Anfang an.

Das Buch schildert aus Sicht der Ehe und Familie den Werdegang in zeitlicher Abfolge. Irving lässt weder einen Landarbeiter noch einen Anwaltsgehilfen und schon überhaupt keine Cousine aus. Ohne literarische Würzsoßen behandelt das Buch eine dramatische Zeit. Obschon nur gut 200 Jahre her, war das eine andere Welt.

Die 1000 und eine Geschichten um Abigail werden liebevoll erzählt. Da fehlt kein Detail der Einrichtung, jeder hehre Gedanke - und, folgt man Irving Stone, dachten zumindest die Helden damals fast ausschließlich ehrenvoll - wird vor dem Leser ausgebreitet. Früher habe ich das auch noch ganz zufrieden durchgelesen, inzwischen bin ich wohl durch die Beschleunigung, die ja vor der Literatur keineswegs haltgemacht hat, verdorben.

Nicht jeder Wein wird besser, wenn er lange liegt.

Was zumindest moderne Leser neben der penetrant ödenden Detailverliebtheit - man hätte auch mal einen Tag auslassen können! - am meisten nervt, ist die "Perfektheit" der puritanischen Persönlichkeiten. Immer ist ein Bibelzitat zur Hand, das den rechten Weg weist. Stets nehmen alle die Lasten und Schulden anderen auf sich - dabei wurde damals auch bei den "Patrioten" genauso wie heute gemetzelt, intrigiert, gelogen und betrogen, aber - wie soll man es anders ausdrücken - "gottgefälliger".

Nun, wenn Irving Stone uns nicht das Blaue vom Neuengland-Himmel herunterlügt, war da aber auch etwas dran.

Das beginnt mit der Besessenheit, in welcher sich John Adams in das Jurastudium hineinbiss. Immer stand der Drang, alles über Recht zu erfahren, im Vordergrund - ich habe leider eine Menge Anwälte kennen gelernt, die sich mit dieser Einstellung eigentlich nur noch der Gebührenordnung nähern. John Adams ließ wie selbstverständlich und mit dem Segen seiner Frau Abigail lukrative Mandanten im Regen stehen, wenn es galt, von der Gesellschaft angefeindete Außenseiter zu verteidigen, wie z.B. englische Soldaten, die in eine aufrührerische Menge geschossen hatten.

Dem heutigen Leser fällt schon auf, mit welcher Selbstverständlichkeit getan wurde, was nach Abwägung der Notwendigkeiten und der Ethik getan werden musste. Auch für die feinen Damen schien kein Speicher zu dreckig, kein Ackerboden zu schwer, kein Weg zu lang, kein Verwundeter zu eklig und kein Job zu unangemessen.

Letztlich hat Abigail die gesamte Familie gemanagt - die amerikanische Regierung hat schon damals dazu geneigt, mehr zu versprechen als zu bezahlen. Eine irre Komposition war das: Abigail als Verwalterin und Finanzmanagerin, er, der viel schreibt, wenig hingebogen bekommt aber wenigstens beharrlich daran hängt, dass Frauen und Farbige den angestammten Platz in der Geschichte - wie er sie sah - nicht verlassen sollten.

Vielen damaligen Politikern fehlte die heutige Selbstbedienungsmentalität völlig. Sie nannten sich nicht nur Puritaner und Patrioten, sie handelten aus Patriotismus und puritanisch. Gerade unserem John Adams genügt eine Zusage, zumindest die Spesen zu ersetzen, damit er seine einträgliche Kanzlei schließt und unentgeltlich dabei hilft, eine Logistik für die Sezessionskriege aufzubauen, in welchen Washington zunächst einmal überspitzt gesagt als General von ein paar Mistgabeln gegen eine gut geschulte englische Truppe auf verlorenem Posten gestanden hatte.

Wie gesagt: Wenn Irving Stone nicht die Gelegenheit genutzt und seinen Berühmtheiten einen zur Jetztzeit kontrastierenden Glorienschein umgehängt hat. Wie auch immer - wer geduldig liest und sich auf diesem gefälligen Weg ein Bild der Zeit machen möchte, ist mit dem Buch immer noch nicht schlecht bedient. Auf feine Art, mit den süchtig machenden Umgangsformen dieser Epoche, erfährt der Leser vieles über Sitte und Anstand, über Moral und Ethik, vor allem aber über Liebe und deren Lohn.

print-jury 4* A1091 © 6.12.2012

Anmerkung: Das Buch ist sorgfältig übersetzt, erfreut mit bestem Deutsch und wurde penibel von Fehlern befreit; mir sind ganze zwei Verschreiber aufgefallen - auch dies heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr.

* Im Buch findet sich die Angabe 1908 - aber die in der Wikipedia aufgeführten Jahre passen eindeutig besser zusammen.
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