Kundenrezension

23 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Kleiner als die Summe seiner Teile, 6. September 2013
Rezension bezieht sich auf: Hail to the King (Deluxe Version) (Audio CD)
Avenged Sevenfold haben auch auf ihrem 2013er Album "Hail To The King" alles im Gepäck, um ein absolutes Top-Album abzuliefern: Einen der besten und wandlungsfähigsten Sänger, super Gitarristen, die sowohl im Lead- als auch im Riff-Bereich überzeugen können, eine tolle Rhythmussektion inklusive neuem Drummer und - nicht zuletzt - eine starke, transparente und ausgewogene Produktion. Auch die musikalischen Zutaten setzen sich wieder aus nahezu allen Teilen der bunten Metal- und Rockwelt zusammen, was eine stilistische Einordnung schwierig macht, aber auch ein ganz großes Alleinstellungsmerkmal ist. Noch dazu wirkt "Hail To The King" als Ganzes homogener und in sich geschlossener als Teile der Vorgänger-Alben, bei denen man oft nicht recht wusste, wohin die Band eigentlich will.

Gerade der letzte Punkt führt jedoch auch gleich zum großen "ABER", das nach so einer Einleitung fast schon zwangsläufig folgen muss... Also: Das Album wirkt zwar sehr homogen, dadurch leider ABER auch recht gleichförmig. Früher regierte im Hause A7X wesentlich mehr Abwechslung, auf "Hail To The King" herrscht großteils Midtempo vor. Richtige Ausbrüche gibt es (zu) selten. Im Prinzip wäre das kein großes Problem, wenn denn das Songwriting überzeugend wäre. Und genau hier liegt der Hund begraben: Die Stücke wirken unspektakulär, krallen sich selten im Gehörgang fest und scheinen teilweise regelrecht unmotiviert vorgetragen. So rauscht "Hail To The King" am Hörer vorbei, ohne den Eindruck zu hinterlassen, den man von Avenged Sevenfold bisher eigentlich gewohnt war. Das Gefühl, etwas Frisches, Neuartiges und Packendes zu hören, stellt sich auf Album Nummer sechs einfach nicht mehr ein. "Hail To The King" ist damit insbesondere seinen drei direkten Vorgängern deutlich unterlegen.

Das heißt natürlich nicht, dass A7X schlechte Musik veröffentlicht haben. Fakt ist aus meiner Sicht jedoch, dass Stücke wie das als Opener denkbar schlecht platzierte "Shepherd Of Fire" einfach nicht hängen bleiben. Auch nach x-Durchgängen weiß man im Nachhinein nicht so recht, wie dieser Song eigentlich klingt - es fehlt einfach ein zwingender Refrain, der der groovenden Midtempo-Chose etwas mehr Schwung verliehen hätte. Wie man sowas als Eröffnung eines Albums verwenden kann ist mir persönlich schleierhaft. Ähnliches gilt meiner Ansicht nach auch für die Guns n' Roses-Verbeugung "Doing Time". Gut gesungen und gespielt, aber vom Songwriting her den Highlights der Gunners weit unterlegen und für Avenged Sevenfold auch nicht zwingend genug. Neben diesen beiden Ausfällen kann mich das von anderen Rezensenten gelobte "Planets" nicht ganz überzeugen. Meiner Ansicht nach regiert bei diesem Song, der von Story und Effekten her an die alt-erwührdigen Bal-Sagoth erinnert, nicht die Dramaturgie, sondern bestenfalls Durchschnitt, was auch am eher eintönigen Gesang liegt.

Diesen schwachen bzw. durchschnittlichen Stücken stehen aber auch ein paar sehr gute Songs gegenüber. Der Titeltrack hat beispielsweise einen Refrain mit Ohrwurm-Charakter und bereits für die Live-Performance zurecht gelegte "Hail! Hail!"-Shouts. Genauso muss man ein gutes Lied anlegen, wenn man vorwiegend im Midtempo bleiben möchte. Man höre nur das Riffing während des Solos - wer da nicht mitnickt ist wohl nicht mehr zu retten. Sogar noch ein Stückchen besser: "This Means War". Ob das nur daran liegt, dass man sich hier ganz schön dreist vom Metallica-Gassenhauer "Sad But True" hat ...ähem... "inspirieren" lassen? Wie dem auch sei, der Song geht bestens rein und bleibt auch hängen - bis hin zum Kirk Hammett-Gedächtnissolo ein wirklich guter Track. A pro pos "Inspiration": Beim besten Song der Platte, "Coming Home", hört man von der ersten Sekunde an, dass hier Iron Maiden Pate standen. Und zwar nicht der gleichnamige Song vom schwachen "The Final Frontier"-Album, sondern eher die "Seventh Son Of A Seventh Son"-Phase der Eisernen Jungfrauen. Diesen mysteriösen Touch haben Avenged Sevenfold tatsächlich super hinbekommen - Daumen hoch! Mehr noch, man fragt sich sogar, wie Iron Maiden mit einer solchen Produktion wohl klingen könnten... Schließlich gilt es noch, "Heretic" positiv zu erwähnen - den neben Teilen von "Planets" schnellsten Song auf diesem Album, der am ehesten dem entsprechen dürfte, was sich ältere Fans von der Band erwarten. Ein gutes, abwechslungsreiches Stück, das alle Zutaten, die A7X ausmachen in sich vereint.

Und was gibt es sonst noch? Mit "Crimson Day" die übliche Power-Ballade, die ich in diesem Fall eher als durchschnittlich einordnen würde. Davor mit "Requiem" einen Song, bei dem man anfangs denkt, in einer Mischung aus Powerwolf, Metallica und Pantera gelandet zu sein - ein tonnenschwerer Groover, bei dem mir persönlich aber ein wirklicher Höhepunkt fehlt, wodurch das Stück künstlich in die Länge gezogen wirkt. Und schließlich gibt es mit "Acid Rain" ganz zum Schluss eine weitere Ballade, die recht stark ist und "Crimson Day" locker hinter sich lässt. Im Endeffekt ein guter Abschluss für das Album, auch wenn man einen gewissen Pop-Faktor nicht völlig ignorieren kann.

So weit so gut - bleibt die Frage, wie man das Gehörte einordnen soll. Mir persönlich fehlt auf "Hail To The King" trotz einiger sehr starker Songs einfach der letzte Kick. Über die ganze Platte hinweg bringen die Stücke aus meiner Sicht einfach nicht genug Schwung mit, um als Gesamtwerk überzeugen zu können. Ob das mit dem tragischen Tod von Drummer James Owen "The Rev" Sullivan Ende 2009 zusammenhängt, kann und will ich nicht beurteilen. Ich kann nur beurteilen ob mir "Hail To The King" gefällt oder nicht - und hier muss ich sagen: Mehr als die Durchschnittswertung ist leider nicht drin - doppelt schade, wenn man die eingangs von mir erwähnten "Einzelteile" und die handvoll guter Songs bedenkt.
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Von 1 Kunden verfolgt

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1-4 von 4 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 12.09.2013 22:00:41 GMT+02:00
J.G. meint:
Zitat:"Das Gefühl, etwas Frisches, Neuartiges und Packendes....." .......warum findest du dann gerade die Songs gut, die mehr nach "Cover" als nach Eigenkomposition klingen? Im Übrigen war mir auch sofort aufgefallen, dass "This means war" wie "Sad but true" klingt und mag es gerade deswegen nicht. Obwohl ich das Original sehr mag. Dann doch lieber "American bad ass"........ansonsten gute Rezi, weshalb ich mir spare eine zu schreiben.

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 15.09.2013 22:59:08 GMT+02:00
Louis meint:
Geht mir genau so! Vor allem mit Heretic. Das ist nun wirklich ein Symphony Of Destruction-Plagiat :/

Veröffentlicht am 22.09.2013 12:35:56 GMT+02:00
hypervisor meint:
Ich persönlich finde, man hört dass TheRev nicht nur den Songs durch Komposition die nötige Tiefe verpasst hat, auch seine Stimme fehlt eindeutig! ; )

Veröffentlicht am 05.12.2014 22:30:54 GMT+01:00
Danke für die ausführliche Rezension. Um ehrhlich zu sein hat mich deine Kritik aber noch neugieriger gemacht und ich MUSS mir mein eigenes Bild davon machen. Ich liebe A7X einfach und kann nicht darauf verzichten auch die neuen Sachen zu hören.

Ich bin wirklich gespannt und bewerte deine ausführliche Rezension als Dank positiv.
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