Kundenrezension

3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
1.0 von 5 Sternen Pubertärer Versuch einer Abenteuerreise, 16. Februar 2013
Rezension bezieht sich auf: Mit dem Motorrad in die Sahara: Der Versuch mit 3 Enduros die marokkanische Wüste zu erreichen (Broschiert)
Ich kaufte mir das Buch, weil ich vor 2 Monaten sie selbe Strecke abgefahren bin und es deshalb immer interessant ist, eine andere Sichtweise kennenzulernen. Fangen wir mit dem Positiven an: der Titel sagt schon alles und das sehr aufrichtig: es war lediglich ein Versuch, in die Wüste zu gelangen! Des weiteren finde ich es tapfer von den beiden Autoren, über eine 17-tägige Tour 200 Seiten vollmachen zu können! Der Text ist recht flüssig geschrieben und ein paar bunte Fotos gibt es auch. Jetzt zu den weniger schönen Seiten des Buches. Die Geschichte geht so: zwei Schwaben bereiten sich ein Jahr lang, "akribisch", behaupten sie, auf eine Reise vor, die tausende deutsche Rentner jedes Jahr wieder genau auf die selbe Weise abfahren. Und zwar mit dem dicken Wohnmobil. Ihr tränenreicher Abschied von ihren Frauen, Kindern und Muttis Schürze ist herzzerreissend und wir Leser erwarten nun nur noch Schreckliches! Sie fahren schon mal vorsichtshalber mit dem Transporter nach Südspanien, merken, dass sie einen von drei Kfz.-Scheinen vergessen haben und können dann doch übersetzen und auf einer gepflegten Teerstrasse nach Marrakech fahren. Durch die vielen Polizeikontrollen kamen sie nur mit der "mentalen Stärke von Michael", der allen Polizisten einen furchtlosen, virilen Blick zuwarf. Einer des Trios verunfallt schon nach ein paar Kilometern, weil er so gut wie keine Fahrerfahrung hatte und die Maschine für ihn eine ganze Nummer zu groß war. Das übrig gebliebene Duo versucht ganz tapfer alleine über Strassen europäischen Standards in die Wüste zu gelangen. Wir Leser bekommen vor allem die grenzenlose Panik der beiden Pseudobiker mit, vor Einbruch der Dunkelheit kein Hotel zu finden (kommen dann Monster aus den Höhlen?), nicht genügend Benzin an Bord zu haben oder von den schmutzigen Kaftanträgern angesprochen zu werden. In diesen unheimlichen Figuren vermuten sie sowieso nur Banditen und Terroristen. In einem Jahr intensiver Vorbereitung hatten sie kein Wort Französisch oder Arabisch gelernt, was natürlich die Ängste gegenüber den "Islamisten" noch vergrößern musste. Der Autor Michael glorifizierte sich selbst in seine Reise als Entdecker und ständig sah er sich tödlichen oder noch schlimmeren Gefahren ausgesetzt. Für die beiden war ein simpler Wüstenausflug von 10 Kilometern mit ihren Bikes, wie für andere eine Reise zum Mond. Dazu kamen ständige Streitereien und Gehässigkeiten zwischen den beiden. Ihr Horizont reichte gerade vom starren Blick nach vorne auf das GPS, über weiter unten, auf den Deckel des Benzintanks, und weiter hinter in den Koffern auf ihren Benzinkocher und die vielen Tütensuppen, die sie dabei hatten. Zwischendurch 10 Pinkelpausen pro Tag am Strassenrand, mit großer Angst, dabei von Arabern belästigt zu werden; ihre Beschreibung der Toiletten, der doofen französischen Touristen, der doofen deutschen Rentner und überhaupt war vieles in eine klägliche Fäkalsprache getaucht. Bis auf eine nette Begegnung mit einer Marokkanerin auf einer Touristenrundfahrt im Jeep, haben sie keine Marokkaner kennengelernt, so gut wie keine marokkanischen Speisen ausprobiert und sich auch nicht für Architektur, Kultur oder Landschaften interessiert. Lustigerweise steht doch tatsächlich irgendwo im Buch, dass man auf dem Motorrad Land und Leute einfach besser kennenlernen könne! Ich denke, dass jeder von den, von ihnen so verachteten Rentnern in den TUI-Bussen, "die sie von ihren Bikes wegschubsten", mehr von Marokko mitbekommen hatte, als sie selbst. Trotz ihrer tiefen GPS-Gläubigkeit fanden sie den Weg zum Erg Chebbi nicht, zu anderen Punkten kamen sie trotz intensiver GPS-Benutzung auch nicht und erst der Touristenausflug mit dem Jeep machte sie etwas ruhiger und sie sahen wenigstens in ein paar Stunden mehr vom Land, als in 14 Tagen zitternder Motorradtour. Kurzum: drei kreuzbrave, schwäbische Häuslebauer wollen sich ein Abenteuer gönnen und fahren mit ADAC-Schutzbrief an das "Ende der Welt", trauen sich nicht in den Sand, entdeckten dabei das Trendwort "Sandphobie", verstehen kein Wort der Einheimischen, sind alle drei unerfahrene Biker, verfallen überall in Panik und sind am Schluss heilfroh, den Gefahren des dunklen Afrikas entronnen zu sein. Am meisten störte mich an diesem Reisebericht die negative Sichtweise, die sich unisono durch das ganze Buch zieht. Es kommt eigentlich nichts Schönes im Buch vor. Den Frauen musste der Ausflug mühsam "abgehandelt " werden, an die wunderschönen Kunstgegenstände Marokkos wurde nicht gedacht, es wurde nichts besichtigt (Aid Ben Haddou lag am Weg...), nur die Ammoniten wurden als kostenlose Mitbringsel vom Boden aufgeklaubt. Es war ein purer Egotrip von drei Männern, die einfach mit allem total überfordert waren. Sie hätten erst mal einige Urlaube lang in den Alpen üben sollen und uns Leser nicht mit einer Weicheigeschichte ersten Ranges langweilen müssen!
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1-1 von 1 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 29.06.2013 20:29:38 GMT+02:00
Sakatia meint:
Habe das Buch verschenkt mit diesem Ergebnis: Abreise nach Marokko in 2 Monaten! Danke für die Empfehlung!
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Jouvancourt
(HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)   

Ort: Schweiz

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