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5.0 von 5 Sternen Pardon, es geht doch um das Gute, um Monotheismus statt Pantheismus - Rezension zu C.S. Lewis "Pardon, ich bin Christ", 20. November 2013
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Rezension bezieht sich auf: Pardon, ich bin Christ. Meine Argumente für den Glauben (Taschenbuch)
„Pardon, ich bin Christ“ von C. S. Lewis ist eine hervorragende, anschaulich geschriebene theologisch-philosophische Einführung. Lewis macht seinen Lesern klar, (was viele moderne Liberale ungern hören,) dass Christentum nicht auf das Schlagwort Barmherzigkeit reduziert werden darf - auf einen lieben Gott, der selbstverständlich alles verzeiht. Der Christ soll in dieser Welt, im Glauben an die objektive Wirklichkeit des absolut Guten und im Bewusstsein der Realität des Bösen, tugendhaft nach dem Guten streben (wobei jedoch der gute Zweck keine schlechten Mittel erlaubt). Alle Menschen (Monotheisten, Pantheisten, Humanisten und Atheisten) mögen erkennen, dass der menschliche Geist auf die Denkkategorien des Guten und Schlechten hin angelegt ist. (Selbst wenn wir von technischen Leistungen, Kunstwerken, sowie von Entwicklung und Fortschritt reden, schleicht sich dieser Wertmaßstab ein.) Die folgenden Passagen des Buches sind kennzeichnend für die unvergleichlich klare und verständliche Argumentation von C. S. Lewis. Sie mögen Anregung zum Nachdenken über das absolut Gute sein (und auch zur weiteren Lektüre dieses eindrucksvollen Buches).

Lewis stellt fest: „Man kann allein um der Güte willen gut sein, aber beim Bösen geht das nicht. Wir können etwas Gutes tun, auch wenn uns nicht danach zumute ist und wir keinen Nutzen davon haben; einfach weil das Gute recht ist. Aber niemand hat je eine Grausamkeit begangen, einfach weil Grausamkeit schlecht ist, sondern vielmehr weil es Vergnügen bereitet oder Nutzen bringt. Dem Bösen gelingt es nicht einmal, auf die gleiche Weise böse zu sein, wie das Gute gut ist. Das Gute ist sozusagen „es selbst“. Das Böse ist nur das verdorbene Gute. Und es muss zuerst etwas Gutes geben, ehe es verdorben werden kann.“ (S. 50)

Menschen interpretieren die Lebenswirklichkeit und sie beschreiben danach ihre Weltsicht bildlich. Ihr Weltbild ist nicht die Wirklichkeit sondern nur Interpretation ihrer existentiellen Erfahrungen. Fortschrittsgläubige Materialisten und Evolutionisten vertreten häufig die Meinung, dass Gut und Böse überholte „konservative“ Ideen seien, entscheidend sei nur der „Fortschritt“, durch den alles immer „besser“ werde. Als lupenreine Rationalisten übergehen sie dabei allzu leicht das Leid des Nachbarn.

Lewis schreibt: „Alles hängt davon ab, aus welcher Perspektive man die Dinge betrachtet. … Die erste dieser Vorstellungen, die Gott jenseits von Gut und Böse glaubt, nennt man Pantheismus. Der große Philosoph Hegel bekannte sich zu ihm, und soweit ich beurteilen kann, tun es auch die Hindus. Die andere Anschauung wird von den Juden, Mohammedanern und von den Christen vertreten.
Im Zusammenhang mit diesem grundlegenden Unterschied zwischen Pantheismus und christlicher Gottesidee begegnet uns noch eine Verschiedenheit. Die Pantheisten glauben, Gott beseele sozusagen die Natur wie die menschliche Seele den Leib; ja die Natur sei gewissermaßen Gott, und wenn es sie nicht gäbe, dann existiere auch Gott nicht; alles was sich in der Welt befinde, sei ein Teil von Gott.
Die christliche Vorstellung ist ganz anders. Die Christen glauben, dass Gott die Welt erdachte und schuf, wie ein Künstler ein Bild erschafft oder eine Melodie komponiert. Ein Maler ist kein Bild, und er stirbt nicht, wenn sein Bild vernichtet wird. Man kann zwar sagen, er habe viel von sich in das Bild hineingelegt; aber das bedeutet nur, dass aller Zauber und alle Schönheit aus seinem Inneren gekommen sind. Seine Geschicklichkeit ist nicht so sehr in dem Bild selbst zu finden als vielmehr in seinem Kopf und vor allem in seinen Händen. Ich denke, es ist klar, wie eng diese Vorstellung mit dem oben erwähnten Unterschied zwischen Pantheismus und Christentum zusammenhängt. Wer den Unterschied zwischen Gut und Böse nicht sehr ernst nimmt, kann leicht sagen, alles auf dieser Welt sei ein Teil von Gott. Wer aber manche Dinge für wirklich schlecht hält, Gott dagegen für wirklich gut, muss anderer Meinung sein. Er muss glauben, dass Gott von der Welt zu unterscheiden ist und dass vieles in der Welt seinem Willen widerspricht. …
Das stellt uns natürlich vor ein großes Problem. Wenn ein guter Gott die Welt geschaffen hat, warum konnten sich die Dinge dann falsch entwickeln? Jahrelang wollte ich von der christlichen Antwort auf diese Frage nichts wissen, weil ich dabei immer das Gefühl hatte: „Egal, was da gesagt wird und wie gescheit die Argumente sind, ist es nicht viel einfacher, davon auszugehen, dass die Welt nicht das Werk einer intelligenten Kraft ist? Diese Argumente sind jedoch nichts anderes als ein umständlicher Versuch, dem Offensichtlichen auszuweichen.“ Doch damit geriet ich in andere Schwierigkeiten.
Mein Argument gegen die Existenz Gottes lautete, die Welt sei grausam und ungerecht. Woher aber hatte ich meine Vorstellung von gerecht und ungerecht? Man kann eine Linie erst als krumm bezeichnen, wenn man weiß, was gerade Linien sind. Womit verglich ich diese Welt, wenn ich sie ungerecht nannte? Wieso konnte ich, der ich doch Mitakteur war, so heftig reagieren, wenn das ganze Theater, das wir Welt nennen, ohnehin von A bis Z schlecht und sinnlos war?“ (S. 44f)

Wir alle, Christen aber auch Materialisten und Evolutionisten, stehen ratlos vor der philosophischen Frage der Ungerechtigkeit und Schlechtigkeit in dieser Welt, die auch schon der Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer diskutierte, allerdings ohne in jener grausamen Zeit seinen Glauben zu verlieren. Christen und Atheisten in der Nachfolge Hegels (auch Richard Dawkins glaubt an Hegels "Zeitgeist") sollten also über das Gute und Böse (sowie über die utilitaristische Schlechtigkeit der Institutionen) nachdenken, zumal letztere das Heil der Welt von einer fortschreitenden Entwicklung (vom Fortschritt hin zum Guten?) erhoffen.
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