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Kundenrezension

20 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen "Bring ma no'n Bier mit. Ich bin unterhopft" (150)., 4. August 2008
Rezension bezieht sich auf: Weil Samstag ist. Fußballgeschichten (Gebundene Ausgabe)
Beim Fußball geht es nicht um Leben oder Tod. Es geht um viel mehr! Das mag Menschen, die nicht das Privileg genießen durften, im Ruhrgebiet ihre primäre Sozialisation erfahren zu haben, halbwegs überraschen. Stimmt aber trotzdem und trifft sogar für so unsympathische Kapitalistenclubs wie Lüdenscheid-West oder Recklinghausen-Süd zu. In seiner Sammlung von Fußballgeschichten "Weil Samstag ist" setzt der gebürtige Bochumer und damit qua Geburt VfLer Frank Goosen seinem Verein, den Fans und der Region ein kleines literarisches Denkmal.

Dabei ist es ja zugegebenerweise nicht leicht, Fan des VfL Bochum zu sein, wo doch in unmittelbarer Nachbarschaft Vereine wie Gazprom 04 oder EON 09 viel mehr finanziellen Spielraum besitzen (oder zumindestens bereit sind, sich gnadenlos zu verschulden), um sportliche Erfolge zu feiern. So muss auch Goosen gestehen: "Zum VfL gehen ist, wie wenn dich jede Woche deine Frau verlässt" (14). Doch es ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, seinem Heimatverein den Rücken zu kehren. Vielmehr ist es Pflicht eines jeden Fußballfans, Anhänger gegnerischer Mannschaften auf das Übelste zu beleidigen oder sie ob ihres tragischen Schicksals zu bemitleiden. Diese Weltanschauung wird auch gnadenlos an den eigenen Nachwuchs weitervermittelt: "Und so begab es sich, dass mein Zweitgeborener zum Geburtstag im Juni letzten Jahres einen mittelgroßen Schäferhund aus Plüsch geschenkt bekam, der einen Namen brauchte. Kinder, die dann auf so einen Quatsch kommen wie "Bello" oder "Fifi" oder "Wau-Wau",führen später ein Dasein als soziale Randexistenzen, konsumieren gefährliche Drogen, treiben antriebslos dahin oder werden sogar BVB-Anhänger" (143). Der Hund von Goosen, jr. bekam natürlich den Namen Gekas.

Mit "Weil Samstag ist" begibt sich Goosen auf die Spuren von Nick Hornby, der seine Leidenschaft für Arsenal London in dem Roman Fever Pitch verewigt hat. Stil und Erzählhaltung der beiden Autoren ähneln sich sehr stark: Ironischer Blick auf die eigene Leidenschaft ohne einen Zweifel am absoluten Ernst eben dieser aufkommen zu lassen, derber Humor, vor allem, wenn es um die Anhänger anderer Vereine geht sowie gelegentliche Ausflüge ins Nachdenklich-Melancholische. Mit eben dieser Mischung hat Goosen auch in seinen vorhergehenden Romanen, zuletzt So viel Zeit, überzeugt. Am besten sind die Fußballgeschichten, wenn Goosen sich mit einer gehörigen Dosis ironischer Distanz mit seiner Passion und allem was dazu gehört auseinandersetzt: "Heute sind wir beim Bootsmann in Witten eingeladen, der auf seiner überdachten Terasse für uns grillen will. Ich überlege, mal ausnahmsweise selbst mit dem Wagen zu fahren. Ein, zwei Bierchen, dann Wasser oder Schorle. Ist doch viel gesünder! Irgendwer lacht mich aus. Oh, ich bin es selbst" (132).

"Weil Samstag ist" besteht aus sechs Kapiteln. Vier Kapitel bahandeln fußballbezogene Ereignisse zu einem thematischen Schwerpunkt. Ergänzt wird das Buch durch die beiden Blogs zur WM 2006 und zur EM 2008, die bereits auf Spiegel Online veröffentlicht wurden. Dabei flacht vor allem der Blog zur EM 2008 deutlich ab und erreicht bei Weitem nicht das Niveau des restlichen Teils der Darstellung. Er wirkt witz- und lieblos niedergeschrieben. Zudem fehlen wichtige Ereignisse , die der EM ihren Stempel aufgedrückt haben. So vergisst Goosen beim Spiel gegen Österreich das Tor Michael Ballacks zu würdigen, welches Dank der Superzeitlupe mittlerweile ikonischen Status erreicht hat. Ich hatte den Eindruck, dass Goosen diesen Teil nicht mehr überarbeiten konnte, da das Buch so schnell wie möglich nach der EM veröffentlicht werden sollte.

Fazit: Trotz des genannten Schwachpunktes, ist das Buch absolut zu empfehlen und für jeden VfL-Fan sowieso ein absoluter Pflichtkauf. Goosen verneigt sich vor dem Fußball und den Menschen des Ruhrgebiets, deren Leidenschaft für den Fußball, in Ermangelung einer glorreichen Geschichte oder zahlreicher landschaftlicher Schönheiten, deutschlandweit ihresgleichen sucht. Das liegt uns Westfalen einfach im Blut: "Fußball ist uns zwischen Duisburg und Unna, zwischen Recklinghausen und Hattingen ins Genom übergegangen, unsere Doppelhelix besteht nicht aus Aminosäuresequenzen, sondern aus echtem Leder" (8). In diesem Sinne: Glück Auf!! Sogar ein bisschen nach Lüdenscheid und Recklinghausen...
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 11.11.2008 10:16:26 GMT+01:00
Ferrero37 meint:
sehr gute Rezension

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 21.04.2010 14:43:20 GMT+02:00
Ja, aber leider tust er den vielen Schalke- und Dortmund-Fans weh, denn die hängen genauso an ihrem Verein wie die Vfler. Das schreibt einer, der seit 40 Jahren auf Schalke geht und zu seiner besten Zeit auch noch die meisten Heimspiele des VfL und der Spvgg Erkenschwick besucht hat.
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Ort: Bochum

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