Kundenrezension

26 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Feuer ohne Brennwert, 31. Oktober 2009
Rezension bezieht sich auf: Sieben Jahre: Roman (Gebundene Ausgabe)
Alex ist wieder so eine für Peter Stamm fast typische Grundfigur: Wenig eigener Antrieb, innere Unsicherheit, mangelnde Kreativität im Lebensentwurf; jemand, der sich dem Fluss des Lebens hingibt ohne viel zu steuern.
So gibt er sich, schon als Student, einem für sein Leben fatalen Trieb hin, einer sexuellen Obsession zu einer einfachen, illegal in Deutschland vegetierenden Polin. Sie erfüllt alle Bedingungen einer ungebildeten, bigotten, sprachlosen und unattraktiven Frau. Selbst im Bett bleibt sie sich treu. Alex sinniert zwar oft darüber, was ihn an dieser Person fasziniert - eigentlich nichts - aber weder bei Prüfung seiner Gefühle noch durch Vernunft kommt er zu einer Entscheidung für oder gegen sie. Er bleibt an sie gekettet.

Die andere Seite seines Wesens ist die eines unauffälligen, nicht besonders ehrgeizigen Studenten der Architektur, der sich von den diversen Kommilitonen und Freunden nicht viel unterscheidet. Er geht mit der sehr zielbewussten, hübschen Studentin Sonja aus gutbürgerlichem Haus, die ein Einserexamen macht, ihn irgendwann heiratet und mit ihm ein Architekturbüro eröffnet. Die Ehe bleibt recht berufsbezogen und jahrelang kinderlos.

Nach sieben Jahren ohne Kontakt meldet sich die Polin Iwona brieflich zurück. Alex soll ihr finanziell helfen; und wieder ist die alte Abhängigkeit da. Bald bekommt sie ein Kind von ihm. Alex beichtet Sonja die Affäre, es kommt nicht mal zu einer nennenswerten Krise. Alex' Idee, das Kind in den geordneten Verhältnissen mit Sonja aufzuziehen kommt ihrem Kinderwunsch sogar entgegen. Iwona gibt es emotionslos zur Adoption frei.

Jahre später gerät das Architekturbüro in Insolvenz. Sonja geht nach Marseille und versucht durch emsige Arbeit die Entschuldung voranzutreiben. Alex gerät zu Hause an den Rand von Verwahrlosung und Alkoholismus. Die Firma kommt schließlich wieder auf die Beine und Sonja führt ihre lang gefasste Entscheidung, sich zu trennen, endlich durch.

Dem Leser wird auf 300 S. zwischen den Berichten des Icherzählers Alex nur die alltagsfremde indirekte Rede angeboten; eine Sprachstruktur in Hauptsätzen, die den Lesefluss bremst und den Tenor der ganzen Geschichte widerspiegelt: Alle drei Protagonisten sind dargestellt, als würden sie emotional mit angezogener Handbremse durchs Leben gehen. Keine Gefühlsausbrüche, keine Leidenschaft, keine Dramatik, obwohl die geschilderten Ereignisse genügend Anlass dazu böten. Zudem wird man in einem 150 Seiten langen Vorspiel durch die Belanglosigkeiten des studentischen Lebens der Protagonisten und all ihrer Freunde geschleift obwohl die eigentliche Geschichte erst danach beginnt.

Karge Sätze legen trotz fehlender Wortlust dennoch detailgenau die ganze Ödnis im Innenleben der Figuren frei und man empfindet wie Peter Stamm, der in einem Interview gesagt hat "Ich finde es schade, wenn man nichts aus seinem Leben macht".
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1-2 von 2 Diskussionsbeiträgen
Ersteintrag: 21.09.2010 10:31:43 GMT+02:00
Zuletzt vom Autor geändert am 25.09.2010 12:21:46 GMT+02:00
Hallo,
ich lese den Roman z. Zt. und stimme Ihrer Rezi in vielen Punkten zu. Aber ich finde, dass Sie viel zu viel aus dem Inhalt des Buches verraten!
Gruß,
Anette

Antwort auf einen früheren Beitrag vom 31.08.2011 16:32:26 GMT+02:00
MaHa meint:
Das Buch habe ich heute geschenkt bekommen. Nach dieser Rezension habe ich allerdings den Eindruck, ich kann mir das Lesen schenken, weil ich weiß, was passiert, wie es ausgeht und es noch dazu als langweilig angekündigt wird. Vielleicht sollten Sie Ihre Art des Rezensierens einmal kritisch begutachten.
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