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2.0 von 5 Sternen Manchmal kommt es anders als man denkt, 29. September 2012
Von 
Rezension bezieht sich auf: The Light the Dead See (Audio CD)
Manchmal kommt es anders als man denkt. Wenn Depeche Mode-Sänger Dave Gahan mit den Kritiker-Lieblingen Rich Machin and Ian Glover von den Soulsavers kollaboriert, um Gastsänger ihres vierten Albums zu werden, erwarten alle: das wird großes Tennis. Doch die Soulsavers sind gleich in mehrfacher Hinsicht mit „The Light The Dead See“ in eine Falle getappt.
Zunächst einmal sind die Soulsavers eine Alternative-Rock-Band mit einem enorm orchestralen, soul- und gospeligen Einschlag voller Schwere und Düsternis. Aber vor allem war der Gastsänger der letzten beiden Soulsavers-Alben, “It’s Not How Far You Fall, It’s the Way You Land” und dem heimlichen Meisterwerk “Broken”, der extrem zum musikalischen Portfolio der beiden Schotten passende Mark Lanegan. Wie Gahan ist Lanegan ein der Todesklippe entlaufener Ex-Heroin-Junkie, der schon immer mit seiner markanten Stimme Musik gemacht hat, erst mit den Screaming Trees, dann als halbes Mitglied der Queens Of The Stone Age, schließlich in vielerlei Kollaborationen, wie der mit den Soulsavers oder Isobel Campbell oder Creature With the Atom Brain, und dabei aber auch immer parallel solo. Lanegan und die Düsternis, Lanegan und die Soulsavers: es war eine musikalische Traumkombination.
Nun wagen Machin und Glover gerechtfertigterweise Neues und gewannen den durch eine Depeche Mode Support-Tour angefreundeten Dave Gahan als neuen Sänger, der nach seinem schlagzeilenträchtigen Tourabbruch, dem Krankenhausaufenthalt und der Blasentumorentfernung, auch wieder einiges an persönlichem Material zu den Themen Tod, Düsternis und Schwere angesammelt hat, obwohl er, wie Lanegan, ja mittlerweile seit etlichen Jahren clean ist.
Entsprechend elaboriert versucht Gahan mit seinem Gesang den großflächigen Stimmungen der Soulsavers mitzuhalten, singt laut, singt leise, zieht Vokale in die Länge, kraust die Stirn und hampelt sich alles in allem wie ein Ausdruckstänzer ab, um möglichst leidvoll und dabei variantenreich seine Lyrics in Szene zu setzen. Leider wirkt das Ganze mit zunehmenden Verlauf vor allem eins: affektiert. Lanegans melancholisches Timbre ist eine andere Liga diesbezüglich, Gahan und die Soulsavers hätten mehr auf erhabene Melodien des Pop setzen sollen, dort kennt er sich besser aus. Nach dem instrumentalen Intro zieht „In The Morning“ indes noch melodramatisch die Spannung hoch, während in diesem Song Lanegan quasi den Staffelstab namens Mikro an Gahan weiterreicht und hier noch mal im Refrain auftreten darf. Und auch nach dem orchestralen „Longest Day“, mit voller weiblicher Chor-Power auf dem Höhepunkt, wähnt man ein großartiges Album vor sich zu haben, doch ab „Presence Of God“ geht die Affektiertheit los, dehnt Gahan leidvoll die Töne bis zur zerrenden Überdehnung, wirkt der Gospel in „Just Try“ abgeschmackt, die Geständnisse in „Take Me Back Home“ gepresst. Doch ist dies keine Tirade gegen Gahans Stimme an sich, wie wunderbar klingt sie beispielsweise auf dem Depeche Mode-Evergreen „Enjoy The Silence“, nein, sie passt einfach nicht zum raumgreifenden Soundentwurf der Soulsavers, sie will zuviel.
Die Soulsavers machen keine schlechte Musik auf ihrem dritten Album mit Dave Gahan als Gastsänger, aber sie können viel besser sein.

MQ
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