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2.0 von 5 Sternen Don Juan und Faust – ein unwichtiges Drama, 16. Mai 2013
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Rezension bezieht sich auf: Don Juan und Faust (Taschenbuch)
Die Tragödie ist sicher kein Meilenstein der Literaturgeschichte. Dennoch ist der Versuch Grabbes, die zwei großen, archetypischen Gestalten der Literaturgeschichte, Faust und Don Juan, in einem Werk zu vereinen, äußerst ambitioniert und stellenweise doch sehr interessant.

Ort allen Geschehens ist Rom, die ewige Stadt und symbolträchtig. Don Juan hat sich mit seinem Diener Leporello hierher begeben: „Die ewge Roma schläft, ermüdet vom / Jahrtausendlangen Schlachtenkampf, vielleicht / Noch weit mehr von der Bürde ihres Ruhms. / Die arme Herrscherin der Welt! Sie hat / Die Liebe nie gekannt!“ Don Juan – der Inbegriff des promiskuitiven Lüstlings – will die Donna Anna, so wie er viele schöne Frauen will. Diese aber ist verlobt mit Octavio, Sohn des spanischen Gouverneurs, sodass Don Juan ihm ans Leben will, um sie zu bekommen.
Auch Faust ist nach Rom gezogen, den Rücken zugekehrt der alten Heimat, und doch der ewige Faust im Streben absoluter Erkenntnis. Er beschwört den Teufel, der ihm den großen Sinn offenbaren soll. Dieser zeigt ihm aber die schöne Donna, woraufhin der Doktor sich in sie verliebt und nur noch sie verlangt. Derweil kann Don Juan einen Streit mit Octavio provozieren und ihn bezwingen, nachgerade kommt es auch zum Duell zwischen ihm und dem Gouverneur, welches er gewinnt. Bevor er sich aber seine Donna nehmen kann, flieht Faust mit ihr auf den Montblanc. Don Juan folgt ihm und dieser erste große Dialog wird durch Faustens Kräfte unterbrochen, da er den Don nach Rom zurückschickt. Als die Donna Faustens Liebe nicht erwidert, wird sie von ihm getötet und in einem letzten Gespräch mit Don, in dem er ihm den Tod der Begehrten verkündet, wird er vom Teufel geholt. Don Juan selbst bekommt Besuch von der steinernen Bildsäule des Gouverneurs, die nach Rache zürnt, doch ohne ein ehrliches Wort der Reue fährt auch er zur Hölle.

Grabbes Bild vom männlich-menschlichen Archetypus ist sehr negativ: Don Juan ist nur aus auf die Befriedigung seiner Begierde, Faust kann zwar im Gegensatz zum Don wirklich lieben, aber er erträgt die Verschmähung nicht und vernichtet die Geliebte noch bevor sie frei. Beide Männer sind sich ähnlich in ihren rücksichtslosen Egoismen, in ihren Treffen werden ihre Konflikte nicht gelöst – im Gegenteil, die werden nur verlängert indem jeder dem anderen seine Laster vorwirft, es gibt keine Läuterung. Sie wirken stur und kindisch und Grabbe gelingt es nicht – ob gewollt oder nicht – eine Konfliktlösung für die beiden herbeizuführen, sie bleiben ihre unverbesserlichen Vorgänger, schlimmer noch, der goethische Faust, der in den Himmel getragen wird, wird bei Grabbe wieder zum vorgoethsichen Faust, dessen Sünden ihn direkt in die Hölle bringen. Kritisch bemerkt ist Grabbes „Don Juan und Faust“ so konstruiert, dass man sich fragt, warum sich beide hier überhaupt begegnen müssen? Theoretisch gäbe der Stoff eine Menge Potenzial für geahnte oder ungeahnte neue Wege der Figuren. Stattdessen aber hat Grabbe hier ein Werk geschaffen, dem schließlich mit dem letzten Fall des Vorhangs der schwefelige Geruch der Überflüssigkeit anhaftet. Die großen Figuren werden eher lächerlich, die Tragödie wird zur Komödie...
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