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5.0 von 5 Sternen Beeindruckend dichte Novelle, 29. August 2012
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Rezension bezieht sich auf: Das Phantom des Alexander Wolf: Roman (Gebundene Ausgabe)
Bei Gasdanow handelt es sich um einen russischen Schriftsteller ossetischer Herkunft. In jungen Jahren schloss er sich der weißrussischen Armee an und musste deshalb später über Umwege nach Paris fliehen. Dort verdiente er sich seinen Lebensunterhalt mit Hilfstätigkeiten und auch als Taxifahrer. Später schrieb er für die große Exilgemeinde der in Paris lebenden Russen. Anders als Nabokov blieb er der russischen Sprache dabei ein Leben lang treu.

Beim vorliegenden Werk handelt es sich - gemessen an den üblichen Kriterien - um eine Novelle. Packend und dicht erzählt, spielt sie im Jahre 1936 in Paris. Der Erzähler beginnt damit, das kein Ereignis sein Leben so sehr geprägt habe, wie ein Vorfall, anlässlich dessen er einen Menschen getötet habe. Es folgt die Schilderung eines Zwischenfalls während des russischen Bürgerkriegs. Der Erzähler tötet dabei einen Gegner, der ihm zuvor das Pferd unter dem Leib weggeschossen hat, durch einen gezielten Schuss und ergreift danach rasch die Flucht. Jahre später wird der Erzähler allerdings in Paris auf einen Band mit in englischer Sprache verfassten Kurzgeschichten aufmerksam. In einer der Erzählungen wird der Vorfall aus der Sicht des vermeintlich Getöteten erzählt. Darauf macht sich der Erzähler auf die Suche nach dem Autor und früheren Todfeind, dem "Phantom des Alexander Wolf" eben. Die Suche führt ihn an verschiedene Orte und zu unterschiedlichen Bekanntschaften. Eine dicht erzählte Liebesgeschichte bestimmt den Mittelteil und eine (vielleicht nicht ganz so überraschende) Pointe den Schluss.

Die Stärke des Werks liegt in der Fähigkeit des Verf., das Lebensgefühl der unter den Nachwehen des Ersten Weltkriegs und des Bürgerkriegs leidenden Zwischengeneration präzise auf den Punkt zu bringen. Vergleichbar etwa mit Puschkin macht Gasdanow regelmäßig nicht viele Worte, sondern bringt die erzählten Situationen wie mit dem Gravurstift in einigen wenigen präzisen Wendungen auf den Punkt. Im Mittelpunkt der Erzählung steht das für den mitteleuropäischen Leser zunächst nicht sofort nachvollziehbare verwundete Lebensgefühl der Kriegsgeschädigten. Denn der jederzeit mögliche Verlust des Lebens lässt sämtliche Gewissheiten entfallen und alle Freuden schal erscheinen. Nur im Akt des Tötens selbst verschaffen sich die unmoralischeren Zeitgenossen das Scheingefühl, genau die Macht zu besitzen, deren Opfer sie ansonsten sind. Der Autor selbst kämpft gegen derlei Gefühle vor allem mit seiner Geliebten tapfer an. Bei anderen Zeitgenossen führt diese Verstörtheit jedoch zu dämonischen Auswüchsen.

Das Werk wirkt trotz dieses Themas insgesamt nicht düster und deprimierend, sondern liest sich aufgrund der präzisen Menschenzeichnung überaus spannend. Aufgrund des geringen Umfangs fordert es den geübten Leser ungefähr 3 Stunden. Ein Nachwort der Übersetzerin Rosemarie Tietze, der übrigens eines sehr ansprechende sprachliche Gestaltung gelungen ist, verweist auf weitere Werke des Autors. Vor allem "Der Abend bei Claire" macht dabei sehr neugierig. Hoffentlich besteht die Chance auf Nachschub! Ich kann das vorliegende Werk dem Interessierten ohne Einschränkungen empfehlen.
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Caliban
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