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Rezension bezieht sich auf: Der Zentaur (Taschenbuch)
Gekonnt verbindet John Updike in "Der Zentaur" antike Sagen und amerikanischen Alltag zu einem faszinierenden Bild der US-Gesellschaft und der Vater-Sohn-Beziehung im Hause Caldwell. Der Vater ist ein engagierter, begabter Lehrer an der Schule seines Sohnes, der allerdings von einem Unglück ins andere zu geraten scheint, sich von den Schülern gehasst fühlt, seine eigenen Fähigkeiten als Lehrer und Vater anzweifelt und seinen Tod (er fühlt sich krank) nur als Frage der Zeit ansieht. Ähnlich wie der vergiftete Zentaur Chiron, mit dem seine Geschichte geschickt verwoben wird, muss er mit ständigem Schmerz leben. Obwohl sein Sohn seine liebe Mühe und Not mit den Problemen des Vaters hat (neben eigenen Schwierigkeiten) ist seine Liebe zu ihm deutlich spürbar. Die beiden Außenseiter halten auch in schwierigen Situationen zusammen und unterstützen sich so gut es geht. Updike ist dabei ein subtiler Beobachter, der kleinen Dingen viel Aufmerksamkeit schenkt, großes Geschick bei der Verbindung von Altertum und Moderne beweist und mit unheimlicher sprachlicher Finesse durch die tragische Geschichte führt. Seine Figuren wirken lebendig und verständlich, jede von ihnen ist schlichtweg menschlich. Was er darstellt ist keine weltbewegende Geschichte, sondern eines der vielen Alltagsdramen, die nur einzelne Individuen betreffen. Ein durchaus gelungener Einblick in das Leben einer amerikanischen Kleinstadt nach dem zweiten Weltkrieg. So kann man dem Fazit von Marcel Reich-Ranicki auf dem Buchrücken nur zustimmen: Solch gelungene Romane findet man nur äußerst selten.
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EUR 8,90
Rezensentin / Rezensent
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