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Kundenrezension

20 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Grüße aus dem Mittelalter, 7. April 2006
Rezension bezieht sich auf: Ougenweide/All die Weil Ich Mag (Audio CD)
Manchmal geschehen Wunder, wenn man sie am wenigsten erwartet: Eigentlich hatte ich die Hoffnung schon aufgegeben, die Originalalben von "Ougenweide" jemals als CD-Fassung zu hören. Um so erfreulicher, dass die Spezialisten von "Bear Family" sich zu dieser Pioniertat durchgerungen haben - jeweils zwei Platten zu einer CD zusammengefasst, sorgfältig restauriert, befreit von störendem Grundrauschen und ausgestattet mit einem gleichermaßen informativen wie hochwertigen Booklet von stattlichen 40 Seiten Umfang.
Die Titel "Ougenweide" und "All die weil ich mag" stammen aus den Jahren 1973 bzw. 1974. Es sind die ersten beiden LPs der Gruppe, die mit diesen Produktionen eine speziell deutsche Form des Folkrocks begründete. Während in England die Blütezeit elektrisch vertonter Traditionals bereits Ende der sechziger Jahre begann ("Fairport Convention", "Steeleye Span") hinkte good old Germany wieder einmal der allgemeinen Entwicklung hinterher. Doch dann kamen die Folkies auch bei uns langsam, aber gewaltig. "Falckenstein", "Tanzbär" oder "Lilienthal" (um nur einige zu nennen) schufen zum Teil hervorragende Alben, waren aber nur relativ kurz aktiv oder wechselten die musikalische Richtung. Lediglich "Ougenweide" konnte sich fast eine Dekade lang halten. In dieser Zeit scharten sie eine feste Fan-Gemeinde um sich und erlangten allmählich Kult-Status - ein Ruf, der sich sogar weiter verstärkte, als die Gruppe längst nicht mehr existierte.
Die zeitgenössische Kritik ist mit "Ougenweide" nicht immer sanft umgesprungen. Man bemängelte fehlendes politisches Bewusstsein, sah die Mannen um Minne Graw und Olaf Casalich auf dem Weg ins esoterische Abseits oder mokierte sich über die Vielzahl mittelhochdeutsch gesungener Lieder. Besonders pikiert reagierten die Folk-Puristen, also all jene, die aus einer unverstärkten akustischen Gitarre eine Ideologie machten und jedes Rock-Equipment als Teufelswerk betrachteten. Heute ist das Schnee von gestern, aber in den Siebzigern eskalierte das beinahe zu einer Art Glaubenskrieg. Natürlich waren auch Ougenweide nicht gänzlich frei von menschlichen Schwächen: Manche ihre selbstverfassten Texte wiesen ein recht holpriges Versmaß auf und waren ein wenig zu sehr auf "alt" getrimmt, und einige ihrer musikalischen Einfälle wirkten nicht unbedingt glücklich. Doch das verblasst vor der Summe dessen, was die Musik der Gruppe heute noch hörenswert macht: Spielfreude, Experimentierlust, instrumentales Können sowie ein unstillbares Bedürfnis, gegen den Strom der Zeit zu schwimmen. Dabei waren "Ougenweide" beileibe nicht so unpolitisch, wie ihnen gerne vorgeworfen wurde - sie packten Gesellschaftskritik manchmal recht subtil bei ihren mittelalterlichen Wurzeln.
Das Debütalbum von 1973 trägt den Namen der Gruppe und präsentiert die Urbesetzung mit den Sängerinnen Brigitte Blunck und Renee Kollmorgen. Das Repertoire stammt einesteils von Minnesängern wie Walther von der Vogelweide und Dietmar von Eist, zum anderen von der Gruppe selbst. "Folkrock" im eigentlichen Sinne ist darauf nur sehr dezent vertreten, im Grunde überwiegt noch der akustische Anteil, und dieser wird mit Instrumenten wie Flöten, Gitarren, Harmonium und allerlei Percussion effektvoll in Szene gesetzt.
Der Nachfolger "All die weil ich mag" geht in puncto musikalischer Tiefe einen Schritt weiter. Das Album ist geschlossener und harmonischer als das erste, der E-Bass nimmt zunehmend mehr Raum ein, und die klare, ausdrucksstarke Stimme von Minne Graw, die von nun an das vokalistische Zentrum der Gruppe bildet, setzt hörenswerte Akzente. Speziell diese Platte zähle ich mit zum Besten, was im Oeuvre von "Ougenweide" zu finden ist. Hier ist alles vertreten, was man sich wünscht: ernste und heitere Passagen, dynamische Tanznummern, ein melancholisch ruhiges Instrumental und natürlich wieder der unverzichtbare Walther von der Vogelweide nebst Kollegenschar - eine runde Mischung, die Freude macht.
Die Rezension ist etwas länger geworden, als ich ursprünglich geplant habe. Dafür fällt das Fazit umso kürzer aus: Wer ein Ohr für unverfälschte, stimmige und lyrische Töne hat, sollte an dieser CD nicht vorbeigehen.
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